# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S380 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 380 Thesen über die Kirche ꝛc. die Luthers im großen Catechismus an: „„Ich glaube, daß da sei ein heiliges Häuflein und Gemeine auf Erden, eiteler Heiligen, unter Einem Haupte Christo, durch den heiligen Geist zusammen berufen, in Einem Glauben, Sinn und Verstand, mit mancherlei Gaben, doch einträchtig in der Liebe, ohne Rotten und Spaltung!"" „Die gegebene Bestimmung leitet in ihren Seitenmomenten über zu dem Thema, das uns hier besonders beschäftigen soll, nämlich zu den Unterscheidungszeichen unsichtbarer und sichtbarer Kirche. Es sei mir hier vergönnt, mit wenigen Worten das Amt eines Anatomen zu üben, der den Gegenstand aus seiner Umhüllung bloßzulegen sucht, um ein einfaches Urtheil zu erzielen. Wenn hier von unsichtbarer Kirche die Rede ist, so versteht sich von selbst, daß die Einlegungen und Umdeutungen der neuern Theologie nicht in Betracht kommen können. Es ist hier nicht die Rede von der Unterscheidung jener idealen und realen Kirche, wie sie in den Dogmatiken sich von Generation zu Generation fortschleppt, trotzdem daß sie gegen Sinn und Wort der Bekenntnisse ist; nicht die Rede von der Unterscheidung zwischen göttlichen und menschlichen Kräften in der Kirche u. s. w. Unsichtbare Kirche ist die geheimnißvolle Gemeinschaft der Gläubigen im heil. Geist unter Christo ihrem Haupte, welche nicht eine Idee, sondern eine Thatsache ist. Haben unsere Symbole auch nicht das Wort, so kann doch nicht zweifelhaft sein, daß sie die Sache haben. Daß nun dieser Begriff eine Notherfindung der Reformatoren gewesen sei, um für die Prädikate una, sancta, apostolica, catholica ein Subjekt zu gewinnen, darf trotz des Ansehens, in welchem der Hauptvertreter dieser Meinung, Rothe, unter den neueren Theologen dasteht, zu den verschollenen Aufstellungen gezählt werden. Es kann, wie unter den ältern Theologen besonders Gerhard in seiner confessio catholica, unter den neuern Münchmeyer ausreichend belegt haben, nicht zweifelhaft sein, daß der Begriff der unsichtbaren Kirche von den anerkanntesten Kirchenlehrern aller Zeiten ausgesprochen, von Luther aber zu einer Zeit ist bekannt worden, wo die Verlegenheit, die angebliche Mutter desselben, für ihn noch nicht vorhanden war. Was nun gegen diesen Begriff in alter und neuer Zeit ist eingewandt worden, ist zweierlei: Einmal, er involvire einen logischen Widerspruch, zweitens, er sei aus der Schrift nicht zu beweisen. Die Prüfung dieser Einsprüche, welchen es hier wahrscheinlich an Vertretern nicht fehlen wird, ist Sache der Conferenz. Der Widerspruch, welchen die Lehre von der unsichtbaren Kirche bei sonst treuen Anhängern unseres Bekenntnisses gefunden hat, hat wenigstens zum Theil seinen Grund in dem Mißbrauch, welchen in der neuern Zeit die Pectoraltheologie mit diesem Begriff getrieben hat, indem sie in demselben den Rechtstitel zu ihrer Gleichgültigkeit gegen Bekenntniß, Lehre, Verfassung und Kultus gefunden zu haben glaubt. Gerade solche Theologen, welche den nothwendigen Zusammenhang des Leibes und der Seele der Kirche tüchtig durchfühlen, welche gründlich erlebt haben, welche Bedeutung die organischen