# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S379 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Thesen über die Kirche ꝛc. 379 2. Mit diesem Begriffe ist die Unterscheidung gegeben der unsichtbaren Kirche, welche die Gemeinschaft der Heiligen ist, und der sichtbaren, welche eine Gläubige und Ungläubige umschließender Organismus ist. 3. Die Zwecke dieses Organismus sind, einmal Christen zu erzeugen und erziehen, zweitens dieselben zur Gemeinschaft zu verbinden. Diese Zwecke erreicht er mittelst der Lebensformen des Bekenntnisses, der Verfassung und des Kultus. Da diese Lebensformen ihren göttlichen Mittelpunkt in Wort und Sacrament haben, so werden reine Lehre und richtige Verwaltung der Sacramente mit Recht als die Erkenntnißzeichen der Kirche betrachtet. 4. Die Kirche ist eine, sofern sie ein Leib und ein Geist ist, und heilig, weil sie ihrem Wesen nach Gemeinschaft der Heiligen ist. Sie ist apostolisch, weil sie auf dem Grunde der Apostel und Propheten ruht, und katholisch, weil sie das Ziel hat, die Menschheit in sich aufzunehmen. Beziehen sich die beiden ersten Attribute vorwiegend auf die unsichtbare Kirche, so die beiden letzten vorwiegend auf die sichtbare. 5. Keine der Sonderkirchen, in welche die altkatholische Kirche sich zerlegt hat, darf die Attribute der Kirche ausschließlich für sich in Anspruch nehmen, auch die lutherische nicht. 6. Wohl aber darf die lutherische Kirche sich die Säule und Grundveste der Wahrheit nennen (1 Tim. 3, 15), weil sie die Kirche des schriftgemäßen Bekenntnisses ist." Kahnis, der diese Thesen in seinem Kirchen- und Schulblatt veröffentlicht, macht dazu folgende Bemerkungen: „Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß die Kirchenfrage das theologische Grundthema der Gegenwart ist.. Was aber in der Kirchenfrage dermalen die Geister bewegt und leider trennt, sind die Grundbestimmungen der Kirche. Hierin kann eine Conferenz, welche einen Kirchenbegriff nicht erst zu entdecken hat, sondern sich gebunden bekennt an die Bestimmungen der Symbole, eine Verständigung wenn nicht erzielen, doch wenigstens anbahnen. Und daß eine Vereinigung in diesen Grundbestimmungen für die Gemeinschaft derer, die auf einem Grunde stehen, im hohen Grade nöthig ist, darüber kann ein Zweifel nicht walten. Es sind nun besonders zwei Punkte, über welche unter den confessionellen Theologen nicht einerlei Sprache herrscht, nehmlich die Lehre von der unsichtbaren Kirche und die Frage, wie die luth. Kirche sich zu der allgemeinen Kirche verhalte, ob sie nehmlich die Kirche sei, oder nur eine Kirche neben andern, wenn schon die relativ reinste. Um der Discussion eine Grundlage zu geben, hat Referent im Einverständniß mit den Leipziger Freunden sich erlaubt, Thesen zu stellen. Von der Mangelhaftigkeit derselben kann Niemand mehr überzeugt sein, wie er selbst. Er bittet darum dringend, nicht mehr in denselben zu sehen, als einen Faden für die Discussion. Sie sollen den Dienst einer Schnur thun, um welche die Conferenz ihre Perlen reihen mag. Die Thesen beginnen mit einer Begriffsbestimmung der Kirche. Unsere Bestimmung schließt sich am meisten an