# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S378 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 378 Thesen über die Kirche ꝛc. Calvinisten sei. Wahrlich, ohne daß wir im geringsten die ganze Art und Weise jenes Streites zu vertreten gesonnen sind, so müssen wir doch bemerken , daß diese Behauptung der Wahrheit und Billigkeit in gleichem Maaße widerspreche. Es war unseren Vätern eine hochheilige und über alles wichtige Sache, daß die Sacramentworte rein erhalten würden, daß ein jeder der gläubig Empfangenden seines Herzens gutes Bekenntniß hier klar und deutlich hörte. Und wenn sie nun nöthig fanden, das Wort schärfer, exacter auszudrücken , ohne im geringsten das Wesen der Sache zu verändern, wer wollte es ihnen wehren? War es denn eine andere Meinung, wenn man sagte: „„Das ist der wahre Leib,"" als wenn man schlechthin sagte: „„Das ist der Leib?"" Im Gegentheil, diejenigen, die jenes wahre nicht hören konnten, mußten jeden gegründeten Verdacht erwecken, daß es in der That um ihren Glauben an die wahre Gegenwart des Leibes und Blutes JEsu im Abendmahle nur mißlich stand, so oft sie auch denselben sonst vorschützten. Und es sollte der Kirche nicht erlaubt sein, ein solches Schibboleth auszusprechen? Und endlich wie kam es denn, daß man in einem lutherischen Lande, wo der Krypto⸗ Calvinismus so gut wie keine Anhänger zählte, wo die Concordienformel nie angenommen ward, in Dänemark, dennoch jenen Zusatz: wahre beliebte, ohne den übrigen Theil der Application: „„Nehmet hin, und esset"" sich je anzueignen?" Und wir setzen noch hinzu, wie kam es, daß selbst vor dem öffentlichen Ausbruch des Streites mit den Reformirten, daß schon im Jahre 1524 in der Nördlinger „Evangelischen Messe" die Spendeformel vorgeschrieben war: „Sehet, Allerliebste, das ist wahrlich der heilige Leichnam unsers HErrn JEsu Christi, der für euch gelitten den bittern Tod; nehmet hin, und esset ihn, daß er euch speis', nehr und bewahr in das ewig Leben. Amen?" ꝛc. (s. Bibliotheca symbolica ev.-luth. aut. Feuerlin. Gotting. 1752. S. 287.) Thesen über die Kirche und die Leipziger lutherische Conferenz. Im August dieses Jahres war die von Zeit zu Zeit zusammentretende Conferenz von Gliedern der lutherischen Kirche wieder in Leipzig versammelt. Unter anderen namhaften Persönlichkeiten waren diesmal auch Rudelbach, Harleß, Harnak (aus Erlangen) zugegen. Hauptgegenstand der Besprechungen war die Lehre von der Kirche. Zum Zwecke eines Fadens für die Besprechungen hatte Herr Professor Dr. Kahnis Thesen über die Kirche aufgesetzt. Es sind folgende: „1. Die Kirche ist die Gemeinschaft der Christen im heiligen Geiste unter Christo dem Haupte, zu welcher der Erscheinung nach alle Getaufte, dem Wesen nach nur die Gläubigen gehören.