# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 09 05_S2 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) bisher ſo ſüß ſchlummerte, will ſich nicht mehr halten laſſen. Ein großer Kampf iſt ausge⸗ brochen, der von Tag zu Tag allgemeiner wird. Allenthalben gehen Scheidungen vor, zugleich zeigt ſich aber auch unter den Rechtgläubigen das entſchiedene Verlangen nach der innigſten Zuſammenſchließung. Wir ſtehen offenbar an den Pforten der allerwichtigſten, und, wie wir zu Gott feſt hoffen, heilſamſten Entſcheidung für unſtre Kirche. Diejenigen, welche jetzt für die Wiederher⸗ ſtellung der lutheriſchen Kirche in ihrer ur— ſprünglichen Geſtalt, inſonderheit was die Lehre betrifft, kämpfen, ſind freilich in Vergleich mit denen, welche ſie bekämpfen, noch nur wie ein Tropfen, der im Eimer bleibt. Aber mögen ihrer noch ſo wenige ſein, mag man ihre Ge— meinſchaft noch ſo ſehr mit Spott und Hohn verfolgen, mag man ſie dem Volke noch ſo ſehr verdächtig machen und ſie wider ſein eigenes beſſeres Wiſſen und Gewiſſen als eine neue Secte darſtellen, die geheime Pläne ſchmiede, die Lutheraner wieder nach Rom zu führen; mag man ſie daher Altlutheraner, Puſeyiten, ja gar geheime Jeſuiten u. dergl. nennen — wir ſind getroſt! Stelle ſich der Lügengeiſt immer— hin noch ſo ungeberdig: der HErr hat ſich aufgemacht, ſeiner Kirche wieder aufzuhelfen; weder Menge, noch Macht, noch Liſt, noch Lüge und Verläumdung wird Ihn aufhalten; Er wird ſein Werk allmächtig hinausführen. Die Wahrheit wird ſiegen und die. Feinde der Wahrheit werden zu Schanden werden. Amen. Synodalverfaſſung. Einleitung. Obwohl es gewiß iſt, daß durch keine Ver— faſſung, ſondern nur durch die reine und lautere Predigt des heil. Evangeliums und die richtige Verwaltung der heil. Sacramente die Kirche gegründet und erhalten wird, ſo iſt es doch eben ſo gewiß, daß eine geſunde, nicht ſchriftwidrige Verfaſſung auch das Ihre zum Gedeihen der Kirche beiträgt.“) Hier in den Vereinigten Staaten Nord-America's z. B. würden die einzelnen lutheriſchen Gemeinden ohne gemein— ſamen Kirchenverband theils ſchwerlich alle die reine Lehre bewahren und auf Grund derſelben dem Andrange ver falſchgläubigen Flatter- und Schwarmgeiſter auf die Länge widerſtehen, theils wäre es ihnen unmöglich, auf dem Grunde deſſelben Glaubens und durch das Zu— ſammenwirken derſelben Liebe zur Förderung der heil. Kirche auch gemeinſam ihre Zwecke zu betreiben (ſ. unten Kap. IL§ 6). Vornehmlich durch dieſe zwei Gründe bewogen, kamen nun die ſpäter benannten Diener der lutheriſchen *) Als z. B. vor etwa 70 — 80 Jahren der Rationalis- mus (Vernunftglaube) in die Kirche einbrach und von vielen Kanzeln der Unglaube, ſtatt des Kirchenglaͤubens gepredigt wurde, da war es die Verfaſſung und Ordnung der alten gu⸗ ten Zeit, da waren es die rechtgläubigen Formulare in der Ausrichtung des öffentlichen Gottesdienſtes und der beſondern kirchlichen Handlungen, die den Glauben und das Bekenntniß der Kirche in den Herzen der Gläubigen mit nährten, in den Suchenden weckten und die Gemeinſchaft der betenden und be⸗ kennenden Kirche erhielten. 2 Kirche zuſammen, um eine Synodal-Verfaſ⸗ ſung zu entwerfen, die nicht etwa dem bloßen Aushängeſchild nach, auf den Bekenntnißſchrif⸗ ten der Kirche ruhte, ſondern die es in ihrer ganzen Ausführung bewieſe, daß alle Theile derſelben von dem ungefälſchten Bekenntniß und der reinen Lehre der Kirche getragen und lebendig durchdrungen wären, alſo daß die be⸗ kennende und lehrende Kirche ſich der Ermögli— chung und Förderung jedes beſondern kirchli⸗ chen Zweckes annähme. Hiedurch ſollte einem doppelten Mißſtande gewehrt werden; der eine iſt, daß, wie geſagt, das Bekenntniß der Kirche nur äußerlich und beiläufig erwähnt werde, ohne daß es eine ordnende und geſtaltende Kraft auf die ganze Verfaſſung und auf die geſammte Haudlungsweiſe der Kirche ausübt, alſo daß z. B. nicht offenbar wird, daß und wie das Bekenntniß und die Lehre den gemein— ſamen Gottesdienſt, die Zucht und die Regie⸗ rung der Kirche im Allgemeinen, ſo wie auch beſondere Zwecke, u. a. die Einrichtung kirchli— cher Lehranſtalten, die Herausgabe kirchlicher Zeitſchriften, die Weiſe der Prüfung der Can— didaten, die geordnete Beſtellung des heil. Predigtamtes, innere und äußere Miſſionsar⸗ beit u. ſ. w. belebend durchdringe. Und dieſen Mißſtand finden wir in den Verfaſſungen der⸗ jenigen beſtehenden Synoden, die dem kirchli— chen Bekenntniß noch einen gewiſſen äußerli— chen Reſpeet beweiſen und es formell annehmen, wiewohl ihre kirchliche Praxis hier und da gröblich und mannigfaltig dawider ſtreitet. Der andere Mißſtand iſt, daß für die Betrei— bung gewiſſer kirchlicher Zwecke, wie z. B. die Handhabung der Armen- und Krankenpflege, des Miſſionsweſens und dergl., ſich ſo leicht in dieſer unſerer Zeit gleichſam nebenkirchliche Privat-Vereine bilden, die mit dem Bekennt⸗ niſſe der Kirche in gar keiner oder nur einer ſehr loſen Verbindung ſtehen und meiſt das Gepräge des unruhigen und vielgeſchäftigen Methodismus tragen. Doch nicht allein um der hochtheuren und wichtigen Sache an ſich und nicht bloß um der Vorbeugung dieſes zwiefachen Mißſtandes willen, war es nothwendig, bei der Abfaſſung dieſer Synodal-Ordnung das Grundlegende und Durchdringende des kirchl. Bekenntniſſes hervorzuheben, ſondern auch vornehmlich um der Schmuckerianer d. i. der ſogenannten luth. General-Synode willen, die ja bekanntlich neulich ihren Abfall von der lutheriſchen d. i. kirchlichen Sacramentslehre offen erklärt hat und der das Bekenntniß der Kirche, als ruhete es nicht auf dem unwandelbaren und ewigen Worte Gottes, etwas Wandelbares und Mehr⸗ deutiges zu ſein ſcheint, geſchweige, daß es die geſammte Praxis der Kirche orduend und bele— bend durchdringen ſollte. Die Namen derjenigen luth. Prediger, die zur Abfaſſung der folgenden Synodal-Verfaſ⸗ ſung ſich in der erſten Hälfte des Juli in Fort Wahyne zu einer berathenden Conferenz verei⸗ nigten, ſind nun folgende: Löber, Paſtor zu Altenburg, Perry Co., Mo.; Dr. Sihler, Paſtor in Fort Wahne, Ind.; Knape, Paſtor in Defiance, Henry Co., O.; Schmidt, Paſtor in Cleveland, O.; Ernſt, Paſtor in Neuendettelsau, Union Co., O.; Walther, Paſtor in St. Louis, Mo.; Brohm, Paſtor in New Nork, N. Y.; Schneider, Paſtor in Marion, Marion Co., Ohio; Selle, Paſtor in Chicago, Ills. Hußmann, Pa⸗ ſtor in Marion Townſh., Allen Co., Ind.; Crämer, Paſtor in Frankenmut, Saginaw Co., Mich.; Trautmann, Paſtor in Dan⸗ bury, Ottowa Co., O.; Hattſtädt, Paſtor in Monroe, Mich.; Detzer, Paſtor in Wil⸗ liams Co., O.; Burger, Paſtor in Willſhire, Vanvert Co., und in Mercer Co., O.: Jäb⸗ ker, Paſtor in Adams Co., Ind. Außerdem hatten noch folgende, welche nicht zugegen ſein konnten, der Conferenz ihre herzliche Zuſtim— mung zu dem Vorhaben verſichern laſſen: Gruber, Paſtor in Paizdorf, Perry Co., Mo.; Keyl, Paſtor in Frohna, Perry Co., Mo.; Fürbringer, Paſtor in Elkhorn Prairie, Washington Co., Ills.; Schiefer⸗ deckeer, Paſtor in Monroe Co., Ills.; Bünger, Paſtor in St. Louis und Central Townſh., Mo.; Loch ner, Paſtor in Toledo, O. Endlich waren noch zugegen folgende Candidaten des heil. Predigtamtes: Leh— mann, Schuſter, Böhm, Wolf, Scholz. Die verabfaßte Conſtitution lautet wie folgt: Im Namen JEſu. Verfaſſung der deutſchen evangeliſch⸗ lutheriſchen Synode von Miiſſouri, Ohio und andern Staaten. Cap. I. Gründe für die Bildung eines Synodal⸗Verbandes. §1. Das Vorbild der apoſtoliſchen Kirche. (Apoſtg. 15, 1 — 31.) §2. Erhaltung und Förderung der Einheit des reinen Bekenntniſſes (Epheſ. 4, 3 — 6., 1 Cor. 1, 10.) und gemeinſame Abwehr des ſeparatiſtiſchen und ſectireriſchen Unweſens.“) (Röm. 16, 17.) §3. Schützung und Wahrung der Rechte und Pflichten der Paſtoren und Gemeinden. § 4. Herbeiführung der größtmöglichen Gleichförmigkeit im Kirchenregiment. § 5. Der Wille des HErrn, daß ſich die mancherlei Gaben zu gemeinſamem Nutz erzei⸗ gen ſollen. (1 Cor. 12, 4 — 31.) *) Separatiſten (Schismatiker) oder ſich Abſondernde ſind ſolche, die zwar zuerſt ſich nicht von der Lehre, ſondern nur von der äußern Gemeinſchaft der Kirche trennen, weil dieſer auch Heuchler beigemiſcht ſind; gleich als vermöchte die Kirche dieſe Maulchriſten, zumal wo ihr Heuchelglaube nicht in offen⸗ baren Sünden ausbricht., von ſich abzuſondern. Vielmehr hat ſie ſich dann nach Matth. 13, 29. 30. und nach dem Ver⸗ Denn nur offenkundige und halsſtarrige Sünder hat ſie endlich, nachdem alle Grade der Beſtrafung nach Matth. 18, 15 — 17. ſich als fruchtlos erwieſen, von ſich auszuſtoßen. Sectirer dagegen oder Ketzer (Häretiker) ſind ſolche, die ſich von der reinen Lehre trennen und in dieſem oder jenem Artikel ſchriftwidrige, alſo falſche Lehre aufbringen, verbreiten oder doch derſelben anhängen und halsſtarrig vertheidigen. Dieſe ſoll die Kirche, nachdem ſie einmal und abermal vergebens fahren des HErrn mit dem Judas zu richten. ermahnt ſind, meiden und von ſich thun. Tit. 3, 10. Röm. 16, 17., ja nach Gal. 1, 8. 9. ſie verfluchen, nicht etwa un⸗ bedingt, ihrer Perſon nach, als könnten ſie nicht wiederum zur Buße kommen, ſondern als Träger der ſeelenmörberiſchen Irrlehre. — Häufig geſchieht es übrigens, daß aus Separa⸗ tiſten endlich Sectirer werden.