# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S377 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die lutherische Distributionsformel ꝛc. 377 tament für ein liebloses Rechten an.*) Aber mit desto größerem Gewichte müssen wir unsere Behauptung wiederholen, daß hier in der tiefsten Tiefe des Mysteriums von keiner bloßen Relation, sondern allein von Mittheilung , kräftiger Aneignung, glaubensvoller Declaration die Rede sein dürfe, und daß, so wenig man die Taufe in eine Recitation des Taufens verwandeln dürfte, mit den Worten: „„Unser HErr JEsus Christus spricht: Gehet hin in alle Welt"" ꝛc., ebenso wenig sei man berechtigt, den Vollgehalt der Distributionsworte im Abendmahle durch eine ähnliche Umschreibung zu entnerven.**) Wir stehen mit dieser Behauptung auf dem festen Grunde der heil. Schrift, des Worts des HErrn, wir haben die vollwichtigsten Stimmen in der Kirche für uns; was wollen dagegen wohl einige Reformirte Agenden, zwei Kirchenordnungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert , deren liturgischer Character noch nicht erörtert ist, endlich drei Kirchenbücher aus den letzten 60 Jahren, die nur als Warnungszeichen dastehen, — was wollen diese gegen einen solchen Grund, gegen eine solche Wolke von Zeugen verschlagen?" (A. a. O. S. 75—78.) Wir meinen, hiernach ist es klar, die in der unirten Kirche beliebte und von Herrn Pastor Stohlmann für die amerikanisch⸗lutherische Kirche vorgeschlagene Distributionsformel ist eine durchaus unangemessene, die sich ein rechtgläubiger Lutheraner am wenigsten jetzt von unreifen Liturgiemachern aufoctroyren lassen wird, nachdem sie ein Schibboleth der unirten Kirche geworden ist. Sollte es nun wohl noch nöthig sein, ein Wort zur Vertheidigung jener aus purem Unverstande angegriffenen Formel: „Das ist der wahre Leib" ꝛc. zu verlieren? Es sei uns vergönnt, darüber noch einmal Rudelbach das Wort nehmen zu lassen. Derselbe schreibt nehmlich in der bereits angeführten Schrift S. 78. noch Folgendes: „Man wird nun auch die Behauptung zu würdigen wissen, daß jener Zusatz: „„Nehmet hin und esset,"" sowie der andere in mehreren Lutherischen Kirchenordnungen seit dem Ende des 16. Jahrhunderts recipirte: „„Das ist der wahre Leib, das wahre Blut,"" allein eine bittere Frucht der leidenschaftlichen Aufregungen gegen die Krypto⸗ *) Auch wir stimmen hier Rudelbach bei, wenn nicht von solchen die Rede ist, die die Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heil. Abendmahle leugnen oder, wie die Unirten , es frei stellen, ob man daran glauben wolle oder nicht. Denn was diese betrifft, so ist es klar, daß sie bei der Wahl der Worte: „JEsus spricht: Das ist mein Leib," sich den Juden gleichstellen, welche die Kreuzesüberschrift: „Dies ist der Juden König" nicht leiden und dafür gesetzt haben wollten: „Daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König." (Luc. 23, 38. Joh. 19, 19—22.) **) Ebenso urtheilte der sel. Tittmann in seiner Abhandlung über die Vereinigung der ev. Kirchen (Leipzig 1818). Er spricht, mit Beziehung hierauf, so; „Es ist in diesem Zusatze, in diesem Zusammenhange, kein anderer Sinn, als wenn es hieße: Christus sagt zwar: Das ist mein Leib u. s. w., aber ihr könnt es nehmen, wie ihr wollt. Das Wörtchen zwar liegt in dem Zusammenhange, und der Gegensatz auch; sonst bedürfte es des Zusatzes nicht. (A. a. O. S. 10.)