# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S376 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 376 Die lutherische Distributionsformel ꝛc. HErrn seinen Leib wirklich essen und sein Blut wirklich trinken und daß dies geschehe zur Vergebung ihrer Sünden und zur Stärkung ihres Glaubens; hingegen müssen wir alle diejenigen Formeln für unzulässig, oder doch für unangemessen erklären, in denen solcher Glaube nicht ausgesprochen ist, ja wohl gar das Bekenntniß dieses Glaubens geflissentlich umgangen und, um desselben enthoben zu sein, die Darreichungsformel in eine erzählende umgewandelt wird. Hiernach können wir unter allen angeführten Formeln nur jene, jetzt meist von den Unirten beliebte, mißbilligen: „Unser HErr JEsus spricht: Nehmet hin" ꝛc. Lassen wir hierüber einen Rudelbach reden. Derselbe schreibt nehmlich in seiner Schrift: „Die Sacramentworte. Leipzig bei Tauchnitz. 1837" darüber Folgendes: „Entfremdet der altkirchlichen Praxis, in Widerspruch mit der Schriftwahrheit ist eine jede Distributionsformel, welche das Bekenntniß auf den wahren Leib und das wahre Blut JEsu Christi unterstellt, oder irgendwie zum Zweifel daran Veranlassung giebt, namentlich auch diejenige Formel, die auf Marheinecke's Vorschlag in die neue Preußische Agende aufgenommen wurde: „„Unser HErr und Heiland JEsus Christus spricht: Das ist mein Leib"" ꝛc. Man findet diese Formel schon in einigen Reformirten Kirchenbüchern , dann in den Ulmischen Kirchenordnungen vom Jahre 1656 und 1747, ferner in der Kurpfälzischen Ordnung des Gottesdienstes von 1783, endlich sowohl in der Schleswig⸗Holsteinischen Agende von 1797, als in der Würtemberger Liturgie von 1809. Schon diese letzteren trüben Quellen sollten auf den liturgischen Character und die Tendenz der Einführung dieser Formel hinreichend aufmerksam machen. Durch dieses Einschiebsel: „„Unser Herr Jesus Christus spricht"" (oder „„sprach"") ist der Calvinische Irrthum, wornach die Consecration nur als eine historische Erzählung oder ein erbaulicher Vortrag zu fassen ist, in der Distribution reproducirt; das eine entspricht ganz genau dem andern, so gewiß, als der Glaube an die wirkliche Gegenwart des Leibes und Blutes JEsu Christi im Abendmahle kräftig ausgedrückt ist in den Worten: „„Nehmet hin, und esset, das ist der Leib"" ꝛc. Es ist nehmlich keineswegs hier die Frage, ob nicht ein gläubiger Christ sich bei dieser Formel beruhigen, ob er nicht so den Leib und das Blut des HErrn sich zum Segen genießen, ob er nicht absehen könne und dürfe von der verhüllten Intention — denn dieses alles ist unbedenklich zuzugeben, wenn man nur auf der andern Seite nicht begehrt, das Gewissen derer zu verletzen, die sich dabei nicht beruhigen können — sondern die Frage ist ganz einfach die: hat die Kirche so ihr Bekenntniß, ihre heilige Ueberzeugungstreue von der wahren, wesentlichen Gegenwart JEsu im Abendmahle klar und adäquat ausgedrückt? Und dieses müssen wir aufs bestimmteste und entschiedenste verneinen. Wir wollen nicht, wie einige es gethan haben, die Meinung dieser Formel dahin deuten, als ob damit gesagt wäre, JEsus Christus habe dies zwar gesprochen, es sei aber in der That nicht so; im Gegentheil sehen auch wir ein solches Interpre⸗