# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S374 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 374 Die lutherische Distributionsformel ꝛc. (die Chursächsische von 1580) diese Formel vorschreibt: „„Nimm hin und trink, das ist das Blut JEsu Christi, das für deine Sünde vergossen ist"" ꝛc., wird solche nicht absolute geboten, sondern den Unwissenden zum behuf der Dispensation, den Wissenden aber Exempelsweise vorgeschrieben, und wird der dispensans minister (der austheilende Kirchendiener) sich nicht versündigen, wenn ihm etwa zuweilen ein ander Wort in der Formula mit beifiele, und er auch gar, der Kirchen eigentliche Formel nicht wissend, sich eine gute Formel angewöhnet, welche eben so gut sei, als die in der Kirchenordnung Exempelsweise enthalten ." (s. Wilischens Kirchenhistorie der Stadt Freiberg. Leipzig 1737. S. 316. 317.) Hiernach ist es denn klar, die bei der Distribution der gesegneten Elemente vom Administranten gesprochenen Worte sind nicht das das Sacrament constituirende „Gotteswort," wie Herr Stohlmann träumet, sondern das Bekenntniß der communicirenden Kirche zu diesem Gotteswort; sie sind nicht ein „Schriftcitat," was bekanntlich auch die Teufel zu geben sich nicht scheuen, sondern das Ja und Amen der gläubigen Gäste bei Christi Gnadentafel zu einer aus der Schrift genommenen Wahrheit, sie sind nicht „die Declaration des heiligen Geistes," sondern die Declaration der Gemeinde der Heiligen und ihres Dieners. Sie sind nicht etwas, was zu dem von Christo bei der Verwaltung seines allerheiligsten Sacramentes Vorgeschriebenen gehört. — denn Christus hat eben nicht zu jedem einzelnen der bei der Einsetzung gegenwärtigen Jünger eine bestimmte Formel wiederholt —, sondern ein von der Kirche frei gewähltes Wort, durch welches sie ihren Glauben an Christi Wort bezeugen und zugleich ihrem Glauben zu Hülfe kommen will. Die Kirche hat sich daher auch nie die Freiheit nehmen lassen, nachdem die Worte Gottes ohne Zusatz und ohne Verkürzung zur Segnung der irdischen Elemente wiederholt waren, dann im Glauben darauf zu antworten, wie der Geist des Glaubens sie dazu trieb. Wenn daher die lutherische Kirche an unzähligen Altären schon seit dreihundert Jahren nach Anhörung der großen Worte Christi, in dem heiligen Augenblicke, wo ihr nun das höchste Gut auf Erden wunderbar gespendet wird, in die Worte ausbricht: „Das ist der wahre Leib, das ist das wahre Blut Christi!" so kann nur eine mit dem grenzenlosesten Unverstand verschwisterte Unwissenheit oder die erschrecklichste Bosheit sie deßwegen verlästern, und sagen, daß sie damit etwas „ins Gotteswort einschiebe" und „die Declaration des heiligen Geistes meistern, überbieten und verbessern" wolle. Oder wie? das sollte ein trügliches Einschiebsel in Gottes Wort, ein Meistern des heiligen Geistes sein, wenn die Kirche, so bald sie aus Gottes Munde gehört hat, daß ihr Gott und HErr ein unaussprechlich großes himmlisches Gut ihr schon auf Erden geben wolle, das Verheißungswort fest ergreift und ihrem Gott und HErrn entgegen ruft: HErr, wir glauben, was du sagst; wir glauben, daß du uns nicht betrügst;