# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S372 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 372 Die lutherische Distributionsformel ꝛc. formular), wurden in der alten Kirche bei der Austheilung nirgends und nie gebraucht. Das Wort des Herrn, erkannte man klar, gehörte in die Consecration, das Bekenntniß der Kirche in die Distribution . Am allerentferntesten war man von dem Gedanken, den man als satanisch betrachtet haben würde, aus Mißtrauen in die unbedingte Wahrheit des klaren Testamentsworts des HErrn, und um dessen Geltung oder Nichtgeltung aus menschlicher scheinbarer Friedensliebe in Freiheit zu stellen, das Bekenntniß zur Ehre des HErrn in der Distribution in eine dies Bekenntniß absichtlich umgehende Relation (JEsus sprach ꝛc.), also in ein Nichtbekenntniß zu Unehren, eine Verleugnung, verwandeln zu wollen." (S. 332.) Von den Zeiten des Bischofs Gregors des Gr. an (6. Jahrh.) brauchte man folgende Austheilungsformel: „Der Leib — das Blut unseres HErrn JEsu Christi erhalte deine Seele." (Joh. diac. Vita Greg. II, 41.) Zur Zeit Carls des Großen kam die noch im römischen Canon missae befindliche Formel auf: „Der Leib — das Blut unseres HErrn JEsu Christi bewahre dich (oder auch: deine Seele) zum ewigen Leben." (Siehe: G. A. Franke, von der Formel der Darreichung, in den Theol.⸗histor. Abhandlungen S. 229.) In Luthers erster Agende von 1523, oder: Weise, christliche Messe zu halten, heißt es: „Der Priester mag auch dies Gebet sprechen: Der Leichnam unsers HErrn ꝛc. bewahre deine Seele zum ewigen Leben, und das Blut unsers HErrn bewahre ꝛc." (Opp. X, 2760.) In der für Herzog Heinrichs von Sachsen Lande im Jahre 1536 ausgefertigten und hernach auch in vielen andern, u. a. selbst in den chursächsischen, eingeführten Agende ist die vorgeschriebene Formel: „Der Leib unsers HErrn JEsu Christi, für dich in den Tod gegeben, stärke und bewahre dich im Glauben zum ewigen Leben. Amen. Das Blut unsers lieben HErrn JEsu Christi, für deine Sünde vergossen, stärke und bewahre dich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen." In dem Nürnbergischen „Agendbüchlein" (von Veit Dietrich) vom Jahre 1533 hingegen lauten die Worte der Distribution: „Nimm hin und iß, das ist der Leib Christi, der für dich geben ist. Nimm hin und trink, das ist das Blut des Neuen Testaments, das für deine Sünde vergossen ist." (Dodecas scriptor. p. 1165.) In der schwedischen und finnischen Kirche sind nach einer Verordnung von 1693 die Austheilungsworte: „Jesus Christus, dessen Leib — dessen Blut — du empfängst, bewahre dich zum ewigen Leben. Amen." (s. Schwedens Kirchenverfassung von F. W. v. Schubert. Greiswald . 1821. C. 2. S. 79.) Die schon im 16. Jahrhundert in sehr vielen lutherischen Kirchen in Gebrauch gekommene und vielfach auch gebliebene *) *) Als wir noch Prediger im Königreich Sachsen waren, brauchten wir diese Formel, hierin einer langen Reihe unserer Vorgänger im Amte, bis auf den letzten derselben, folgend.