# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S370 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 370 Die lutherische Distributionsformel ꝛc. brüderliche Zurechtweisung in Sachen der Lehrdarstellung ist ihm Mückenseigen oder Gegenstand der Erheiterung. Jedenfalls fühlt er sich über dieselbe erhaben, obgleich er naiv genug in dem angezogenen Aufsatz es uns selbst verräth, daß er es „gar nicht wußte, daß die Formel: Unser HErr JEsus Christus spricht — die Formel der unirten Kirche sei!" und daß er daher selbst diese „schöne Formel vorgeschlagen" habe. Bei, eingestandenermaßen , so fabelhafter Unwissenheit dieses Herrn in der Geschichte der Liturgie nimmt es sich freilich seltsam genug aus, wenn derselbe ein Stück der Liturgie, welches die rechtgläubige Kirche nun 800 Jahre lang gebraucht hat, der baptistischen Bibelverpfuschung und der rationalistischen Profanirung des hochheiligen Mysteriums gleichstellt. Doch lassen wir diesen „amerikanischen Theologen" und wenden wir uns zur Sache. Um über den angeregten Punkt zur Klarheit zu kommen, wird es dienlich sein, wenn wir erstlich die Antwort auf die Frage suchen: hat Christus selbst eine Spendeformel vorgeschrieben, gehört also irgend eine bestimmte Aus⸗ theilungsformel zum Wesen des Sacraments? — Haben wir die Antwort auf diese Frage gefunden, so wird es unschwer sein, auch diese zweite zu beantworten : welche Spendeformel für zulässig und welche nicht dafür angesehen werden könne. Was die erste Frage betrifft, so glauben wir unseren Lesern zur Aufsindung der rechten Antwort auf dieselbe am besten dienen zu können, wenn wir hierüber unsere alten Theologen, die eine so tiefe Einsicht in den Zusammenhang der Lehre besaßen, wie jetzt wohl kaum gefunden wird, an unserer Statt reden lassen. Die Wittenberger theologische Fakultät schreibt (im Jahre 1619) auf die Frage: Ob unter der Administration des heiligen Nachtmahls diese oder andere dergleichen Worte: Der Leib und das Blut JEsu Christi bewahre deinen Leib und Seele zum ewigen Leben — nothwendig müssen gesprochen und dahin, da Christus sagt: Solches thut zu meinem Gedächtniß, gezogen werden? folgendermaßen: „Dies beruhet allerdings auf der Einsetzung des heil. Sacraments, von Christo geschehen, insonderheit aber auf den mitangezogenen Worten: Solches thut ꝛc., als damit auf die Endursache dieser Administration gesehen wird. In Erwägung dessen ist zuvörderst ganz gewiß, zu heilsamer und gebührlicher Administration des heil. Abendmahls solle und müsse des HErrn Christi dankbarlich gedacht und sein Tod verkündigt werden. Daneben aber stehet außer Zweifel, daß eine solche Commemoration und des HErren Todes Verkündigung auch ohne dieses oder gleiches Formular, so zu jedem Communicanten repetirt werde, geschehen könne, als: durch vorgehende Admonition; item durch Recitation der Worte der Einsetzung; christliche Gesänge, die unter der Ausspendung verrichtet werden; auch wohl eines jeden Christen rechte und gebührliche Andacht. Deßwegen man die in der Frage — — —