# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S366 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 366 Auslegung von 1 Corinther ꝛc. der inwendige Mensch des Glaubens gestärkt werde. Dieser Lehre zuwider zeigen Pauli Worte, daß Brod und Wein im Abendmahl essen und trinken und Leib und Blut Christi essen und trinken nicht zwei verschiedene Handlungen sind, wie die beiden: Brod und Wein mit dem Munde genießen und Leib und Blut Christi mit dem Glauben genießen, daß vielmehr dasselbe Essen und Trinken, welches Brod und Wein nimmt, auch Leib und Blut Christi, wenn auch auf sacramentelle Weise, nimmt; denn das gemeinsame Essen und Trinken des Brodes und Weines im heil. Abendmahl wirkt eine Gemeinschaft der Abendmahlsgäste, welche Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi ist, und wolltest du daher das Essen und Trinken bei Leib und Blut Christi für bildlich ausgeben, wie du mußt, wenn es nur mit dem Glauben, nicht mit dem Munde geschehen soll, so würdest du das Essen und Trinken beim Brode und Wein auch für bildlich ausgeben müssen, was dir natürlich nicht einfällt. Ferner hat der Apostel gerade in unserer Stelle hervorgehoben, der einzelne Abendmahlsgast sei Glied und Mitgenoß der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, um den Abendmahlsgenossen, die an Götzenopfermahlzeiten Theil nahmen, vorzuhalten, auch sie seien Mitgenossen und Mitbesitzer des Leibes und Blutes Christi, sie, die eben ihren Glauben durch Theilnahme an jenen gräulichen Mahlzeiten verleugneten (1 Cor. 11, 17 ff.). Deutlich ist damit ausgesprochen, daß die Ungläubigen eben sowohl, wie die Gläubigen, Leib und Blut Christi im heil. Abendmahl empfangen, daß also nicht der Glaube erst Leib und Blut Christi zu Brod und Wein hinzubringt, nicht die Hinnahme durch den Glauben das eigentliche Essen und Trinken im Sacrament ist. Das Wort Gottes vielmehr bringt Leib und Blut Christi zu Brod und Wein im heil. Abendmahl, der Gläubige ißt und trinkt sich zum Segen, der Ungläubige sich zum Gericht. Ueberhaupt sagt weder unsere Stelle, noch die ganze Stelle irgendwo, daß erst durch den Glauben des Empfängers das heil. Abendmahl fertig werden soll; auch die anderen Gnadenmittel, das Wort Gottes und die heil. Taufe werden in keiner Weise vervollständigt durch den Glauben der Hörer oder Täuflinge; wer giebt uns das Recht, den Tisch des Herrn nach unseren eignen Gedanken zu bestellen? Will man denn endlich, damit wir Christen nur ja nicht Leib und Blut Christi empfingen, an deren Stelle Kräfte davon setzen und uns damit gleichsam abspeisen, so sollten die Christen alle einmüthig dagegen protestiren; zufrieden sein will ich mit Gottes Gaben, auch damit z. B., daß er mir die Art des Essens und Trinkens von Leib und Blut Christi im heil. Abendmahl nicht weiter geoffenbart hat, aber von diesen Gütern des Hauses Gottes lasse ich mir auch nicht eins verkürzen oder nehmen. Welch ein unaussprechliches Gnadengut empfangen wir am Tische des Herrn! Das ist wahrlich ein Gedächtniß seiner Wunder, das er mit der Gabe seines Leibes und Blutes unter uns gestiftet hat. Tiefer und ergreifender könnte er unserm Herzen und Gemüthe das Andenken an ihn nicht einprägen, fester und unumstößlicher uns nicht der Vergebung aller unserer Sünden ver-