# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S364 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 364 Auslegung von 1 Corinther ꝛc. a. der Umstand, daß Abendmahl und Götzenopfermahl neben einander gestellt ist, zwingt uns keineswegs, das, was vom Abendmahl gilt, auch auf das Götzenmahl zu übertragen oder umgekehrt. Man sagt, es werde doch bei den Götzenopfern nicht Leib und Blut der Teufel genossen: gewiß nicht, aber weil dies nicht von dem einen Mahle gilt, darf deshalb nicht von dem anderen Mahle gelten, daß die Theilnehmer desselben Leib und Blut Jesu Christi genießen? Daß beide Gebräuche neben einander gestellt werden, liegt darin, daß sie beide die Form des Mahles haben, beide Zeugniß davon ablegen, zu welcher Gemeinschaft der Theilnehmende gehört, beide auch besondere Wirkungen auf ihre Theilnehmer üben, aber von der Wirkung des einen auf die Wirkung des anderen zu schließen, aus der Wirkung des einen die Wirkung des anderen zu bestimmen, dazu ist niemand berechtigt. Man denke an die Zusammenstellung von Adam und Christus in Röm. 5, wo Paulus auf das klarste und eindringlichste hervorhebt, daß die von Christo ausgehende Gnade an Macht und Fülle bei weitem die Sünde übertreffe, es sich also nicht so halte mit der Gnade, wie mit der Sünde. Selbst in der Form stimmten beide Mahle sehr wenig überein, namentlich war das heidnische eine Opfermahlzeit, das heil. Abendmahl dagegen erkennt Paulus nicht als Opfermahlzeit an, obwohl die Ausleger oftmals diesen römischen Irrthum in Pauli Worten gesucht haben. Um zu beweisen, daß die, so die Opfer essen, Genossen sind derer, die am Götzenaltare opfern, weist er nicht zurück auf das heil. Abendmahl, sondern auf die jüdischen Opfermahlzeiten, was er ja nicht nöthig hatte, wenn er das Abendmahl für ein Opfermahl hielt. Trotz dieser Ungleichheit stellt er beide Mahle zusammen. Endlich wenn er Uebereinstimmung der Wirkungen beider Mahlzeiten begehrte, warum spricht er dann beim Abendmahl von Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, da ja sein Zweck mit „Gemeinschaft Christi" vollkommen erreicht wäre. An jener Uebereinstimmung lag ihm nichts, wohl aber daran, die Herrlichkeit der Gnaden des heil. Abendmahls zu zeigen, um seine Leser mit Abscheu zu erfüllen vor der Theilnahme an den Götzenopfermahlen. b. Die Meinung, als sei der Leib Christi im heil. Abendmahl so weit von uns, wie der Himmel von der Erde, wird durch Pauli Rede auf das bestimmteste widerlegt. Er spricht den Abendmahlsgästen Leib und Blut Jesu Christi gerade so, als gegenwärtiges Gut zu, wie er Röm. 10, 6—8 erklärt, das Wort Gottes sei in der Christen Munde und Herzen; fern von uns etwa im Himmel das Wort Gottes zu suchen, hieße Christum vom Himmel herabholen wollen, da er doch bei uns ist, was heißt denn Leib und Blut Christi beim Abendmahl fern im Himmel suchen, da Gottes Wort sie uns zu eigen giebt mit dem gegenwärtigen Brod und Wein? Nicht bloß zu augenblicklichem Genuß, auch zu bleibendem Besitz sagar werden sie uns gereicht, wie Paulus lehrt; und doch sollten wir glauben, unsere Seele müßte sich in den Himmel schwingen, um Leib und Blut Christi im Abendmahl zu genießen? Daß man dem Herrn Christo vorschreibt, er solle nur im Himmel, fern, fern von der Erde