# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1855_S363 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Auslegung von 1 Corinther ꝛc. 363 stengemeinden, die freilich nicht den Herrn zum Eifer reizten, noch so handelten, als sei der Herr stärker denn sie. Wir, wir, Gott sei es geklagt, haben den Herrn mit unserem Muthwillen und Hochmuth gereizt, uns zu strafen (vergl. 1 Cor. 11, 30), wir haben gethan, als hielten wir uns für stärker, denn den Herrn, ja wir haben thörlich gehandelt und schwer gesündigt, Gott sei uns Sündern gnädig! Das ist das Bekenntniß, welches die Corinther ablegen mußten, wenn sie wirklich die Frage des Apostels V. 22 mit aufrichtigem Herzen beantworten wollten. Thaten sie das in rechter Buße, so hatte die Predigt des Apostels V. 14—22 ihren Zweck erreicht. Die wunderbar reiche und lebensvolle Darstellung des Tisches des Herrn und seiner Gnaden ist natürlich der wichtigste Theil des Schriftabschnittes, den wir auszulegen versucht haben. Paulus hat allerdings die Verse 16 und 17 nicht zunächst geschrieben, um seine Leser über die Lehre vom heil. Abendmahl zu unterrichten; vielmehr zeigt die Frageform, daß er die rechte Lehre vom heil. Abendmahl bei seinen Lesern voraussetzt. Allein schon dieser Umstand ist sehr bemerkenswerth, weil wir daraus sehen, weshalb die heiligen Schriftsteller im Ganzen des heil. Abendmahls nur selten erwähnen. Sie, die da nur schrieben, wenn Mißstände oder Irrlehren in der Gemeinde dazu nöthigten, und deshalb auch nur dann die einzelnen Lehren ausdrücklich feststellen, wenn dieselben irgendwo angetastet oder verdreht waren, fanden offenbar keine Gelegenheit, die Lehre vom heil. Abendmahl vorzutragen, eben weil in den Gemeinden die rechte Lehre davon bestand und nirgend angetastet wurde. Erklärt sich daraus die seltene Erwähnung des heil. Abendmahls im Neuen Testament, so sehen wir aus der großen Ehrfurcht und herzlichen Innigkeit, mit welcher die heil. Schriftsteller und namentlich auch Paulus allezeit vom heil. Abendmahl reden, daß es ihnen eben sowohl, wie unserer Kirche, vor allen Gnadenmitteln das hochwürdige Sacrament war, und daß diejenigen sehr Unrecht haben, die aus der Seltenheit der Erwähnung des heil. Abendmahls in der Schrift schließen, wir dürften es nicht so gar sehr hoch halten. Gemeinschaft des Genusses von Brod und Wein im Sacrament ist Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, diesen Glauben setzt der Apostel bei seinen Lesern voraus. Damit bestätigt er uns den Glauben, den wir aus der einfältigen Annahme der Einsetzungsworte unseres Herrn Christi schöpfen, nemlich, daß wir unter der Gestalt von Brod und Wein, oder meinetwegen mit, in, unter Brod und Wein im Sacrament genießen den Leib und das Blut Jesu Christi, da denn durch die Worte „unter der Gestalt" oder „in," „mit," „unter" nur erklärt wird, daß Leib und Blut Christi im Abendmahl vermittelst Brod und Wein gegenwärtig sind und ausgetheilt und genommen werden, nicht aber die Art und Weise solcher Gegenwart, die vielmehr als sacramentelle und daher uns nicht weiter offenbarte bezeichnet wird. Es soll auch niemand aus dem ausgelegten Schriftabschnitt schließen, der Genuß von Leib und Blut Christi im heil. Abendmahl sei nur ein geistiger, geschehe nur durch den Glauben, welcher sich zu dem Leibe und Blute Christi im Himmel erhebe und mit den Kräften derselben sich stärke; denn