# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 09 29_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 Bischof ein Vorläufer des Antichrists werde. Als die Bischöfe von Rom noch so schrieben, als sie sich noch davor entsetzten, daß mit dem Titel eines allgemeinen Bischofs der ganzen Christenheit Christo, dem einzigen Haupte der Kirche, seine Ehre geraubt werde, da gab es noch eine wahre Kirche, welche sich die katholische oder allgemeine nannte. Aber welche Bedeutung hat das Wort „katholische Kirche" jetzt?—Jetzt ist es die Gemeinschaft derjenigen, welche den Bischof von Rom für das Haupt der Kirche, für den Statthalter Christi und Gottes selbst*) erkennen, ihn für unfehlbar ansehen und seinen Befehlen unbedingten Gehorsam leisten; die daher alle die unzähligen päpstlichen Irrthümer als unantastbare Lehren der wahren Kirche verehren müssen, als: von dem Meßopfer, der Anrufung der Heiligen, dem Fegefeuer, der Bilder- und Reliquien-Verehrung, dem päpstlichen Ablaß, den menschlichen Genugthuungen und der Verdienstlichkeit menschlicher selbsterwählter Werke, dem Bibel- und Eheverbot, den Ueberlieferungen oder dem ungeschriebenen Worte Gottes, dem Fastenzwang ꝛc. ꝛc., wie dies alle Bekenntnisse und Katechismen der neuen römisch-katholischen Kirche selbst mit deutlichen Worten bezeugen, mit der ausdrücklichen Erklärung, daß außer diesem Glauben niemand selig werden könne. (Prof. fid. cath. e Conc. Trid. a S. P. Pio IV extracta, No. 28.) Da es nun hieraus klar ist, daß der Name, katholisch, eine neue Bedeutung erhalten hat, daß er nehmlich jetzt das römische Papstthum mit allen seinen Greueln, und keineswegs die allgemeine christliche Kirche, sondern eine Secte bezeichnet, so kann uns freilich niemand, der Gottes Wort noch für die einzige Regel des christlichen Glaubens erkennt, zumuthen, diesen Namen zu führen. Ein Dritter wird daher vielleicht sagen: So nennt euch Reformirte; denn das ist es ja, was ihr sein wollt, nehmlich die von allen Irrlehren und Mißbräuchen gesäuberte Kirche! — Es ist wahr, auch dieser Name, wenn wir ihn in seinem Wortverstande nehmen, bezeichnet herrlich, was die lutherische Kirche zu sein sich rühmt, wie sie sich denn auch selbst so in ihren Symbolen nennt. (Concordienformel. Wiederh. Summar. Begriff, kol. 256, b.) Aber würde es wohl ehrlich gehandelt sein, sich *) Zwar läugnet Herr Oertel, wie wir im „Wahrheitsfreund" (Jahrg. 7, No. 39, Pag. 309) mit Erstaunen gelesen haben, daß der Papst nach katholischem Lehrbegriff Statthalter Gottes sei; hiermit verräth aber dieser von uns tiefbemitleidete Mann, daß er, ohne die Lehre der römischen Kirche ernstlich geprüft zu haben, sich in der Stunde der Versuchung in ihre Arme geworfen habe. Er nimmt ja immer zu den Decreten des Tridentinischen Concils seine Zuflucht, wenn er auf öffentlich gelehrte Irrthümer katholischer Theologen hingewiesen wird, und erklärt, daß man die katholische Lehre hauptsächlich nach den Beschlüssen dieses Kirchenraths zu beurtheilen habe. Herr Oertel nehme sich daher doch die Mühe, aufzuschlagen: Concil. Trid. Sess. VI. Decret. de Reform. c. 1. Ed Lugd. pag. 52, da wird er finden, daß dieses Concil den Papst mit deutlichen Worten „ipsius Dei in terris Vicarium", „den Statthalter Gottes selbst auf Erden" nennt. Vielleicht könnten dem Herrn Oertel durch gründlicheres Studium der unkatholischen Lehre der römischen Kirche die Augen wieder geöffnet werden. Herr Oertel hat uns selbst ausdrücklich zum Kampfe in seinem „Wahrheitsfreund" aufgefordert; wir werden nicht ermangeln, auf dem Kampfplatz zu erscheinen. einen Namen zu geben, der zwar nach seiner ursprünglichen Bedeutung das bezeichnete, was wir dabei im Sinne hätten, der aber jetzt eine ganz andere Bedeutung erhalten hat, und daher ganz anders verstanden werden würde? Würden wir damit nicht jene Sünde des geheimen Vorbehalts begehen, unsere Worte selbst anders zu nehmen, als sie von jedermann genommen werden? Davor behüte uns Gott! Ein wahrhaftiger Mensch muß so reden, daß er andern durch seine Worte den wahren Sinn seines Herzens offenbart. Der Charakter der wahren Kirche war daher stets der der vollkommensten Aufrichtigkeit. Während alle falsche Kirchen von jeher sich in ihren Ausdrücken dem rechtgläubigen Bekenntniß so weit genähert haben, als es ihnen möglich war, so weit nehmlich, als sie nur noch ihre irrthümliche Meinung darunter arglistig verstecken und sich vorbehalten konnten; so hat vielmehr die wahre Kirche stets desto deutlicher geredet, und ihre Lehren desto genauer und bestimmter abgefaßt und bekannt, je mehr dies im Fortgange der Zeit nöthig war, wenn sie nicht mißverstanden werden wollte. Was versteht man aber jetzt unter dem Namen „reformirte Kirche?"—Die Gemeinschaft aller derjenigen, welche die Meinungen eines Zwingli und eines Calvin angenommen haben. Diese sogenannten Reformirten bekennen, daß durch die h. Taufe der Mensch nicht wiedergeboren werde; sie sei nur ein Gnaden-Zeichen und -Siegel, nicht aber ein Gnadenmittel. Reformirte nennt man ferner solche, die da bekennen, daß sie das heil. Abendmahl nur für ein Gedächtnißmahl halten, in welchem der Leib und das Blut Christi nach den Zwinglischen gar nicht, nach den Calvinischen aber nur geistig genossen werde, keineswegs aber, wie Christus spricht, wirklich gegenwärtig sei, und daher mit dem Munde sacramentlich genossen werde.— Reformirte sind ferner solche, welche bekennen, daß Gott nach einem unbedingten ewigen Rathschluß etliche zur Seligkeit, und etliche zur Verdammniß vorherbestimmt habe. Denn so heißt es in dem wichtigsten öffentlichen Bekenntniß der Calvinistisch-Reformirten, nehmlich in der Dordrechter Synode: „Die reformirten Gemeinen lehren, daß die Ursache, warum Gott, nachdem er etliche erwählt, an den übrigen vorbeigegangen ist" (sie verworfen hat)*) „nicht ihre Unbußfertigkeit und ihr Unglaube, sondern allein Gottes Wohlgefallen sei," (Syn. Dord. p. 535.) Ferner heißt es in diesem Bekenntniß: „Es ist der völlig freie Rathschluß Gottes gewesen, daß Christus durch das Blut seines Kreuzes aus jedem Volk, Stamm, Geschlecht und jeder Sprache alle die, und zwar allein diejenigen wirklich erlösete, welche von Ewigkeit zur Seligkeit erwählt sind." (Cap. 2, Art. 8.) Wer muß nicht erschrecken, wenn er liest, daß dieses wirklich die Lehre der reform. Kirche sei? Ja, werden nicht vielleicht selbst manche, die sich Reformirte nennen, erschrecken, wenn sie dieses lesen, die nicht geahnt *) Ich verweise hierbei auf das Beispiel Calvins und auf den Heidelberger Katechismus, die vom h. Abendmahl fast wie ein Lutheraner reden, aber im Grunde doch nichts anderes davon lehren, als Zwingli und seinesgleichen. haben, daß ihre Kirche solche Irrthümer in ihren öffentlichen Bekenntnissen bald unverholen, bald versteckter lehre? Die reform. Kirche widerspricht erstlich dem klaren Worte Christi von den h. Sacramenten, denn Christus spricht deutlich von beiden: „Das ist mein Leib: das ist mein Blut. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen." Die reformirte Kirche verleugnet ferner durch ihre Lehre von der Gnadenwahl den höchsten Trost des Evangeliums, daß Gott will, daß allen Menschen geholfen werde (1 Tim. 2, 4.); sie reißt die Sünder von Christo hinweg, läßt ihnen nicht zu, sich mit voller Zuversicht ihm zu nahen, und gibt ihnen nichts, als die bange Erwartung, ob sie von Gott erwählt oder verworfen seien. Ja, die reform. Kirche wälzt durch jene Lehre auf Gott die Schuld, daß nicht alle Menschen selig werden, und lästert somit seine ewige Erbarmung in Christo. Wie? Da der Name, reformirt, jetzt diesen Glauben bezeichnet, können wir Lutheraner ihn daher führen, die wir bei Gottes klarem Worte einfältig bleiben, und den Artikel für den Kern und Stern des Evangeliums erkennen, daß Christus ein Heiland aller Sünder sei? wer zu ihm komme, den stoße er nicht hinaus? — Das sei ferne! — Hiermit erklären wir aber zugleich, warum wir uns auch nicht Episkopale, Presbyterianer, Baptisten und dergl. nennen können. Alle diese Gemeinschaften haben nehmlich, neben vielen anderen groben Irrlehren, auch die Irrlehre der Reformirten von den h. Sacramenten, und insonderheit die Presbyterianer und Baptisten, auch die von der Gnadenwahl angenommen. Was — so werden nun vielleicht manche andere sagen — was könnt ihr aber gegen den Namen „Evangelisch" einwenden? Mit dem könntet und solltet ihr doch billig den lutherischen vertauschen? Damit seid ihr ja nicht genöthigt, eine Lehre anzunehmen, die ihr für falsch achtet? Wisset ihr's nicht, daß die Evangelischen die Gemeinschaft derjenigen ausmachen, welche einem jeden in den Artikeln, in welchen die lutherische und reformirte Kirche verschieden lehren, völlige Freiheit verstatten, und es eines jeden Gewissen überlassen, was er als die rechte Meinung Christi predigen will? —Allerdings wissen wir das; aber das ist eben der Grund, warum wir uns jetzt nicht mehr Evangelische nennen können. Der Name an sich ist nehmlich wohl herrlich und köstlich; ja, gerade die luth. Kirche war es, die eine geraume Zeit allein die evangelische genannt worden ist. Wer vor zwei- oder dreihundert Jahren sagte: Ich bin ein Evangelischer, der bekannte sich damit, wie alle Welt wußte, für einen Lutheraner. Luther war es ja, durch welchen Gott sein Evangelium wieder in alle Hände lieferte. Aber die Zeiten haben sich geändert, und mit ihnen die Sitten und die Bedeutungen der Namen. Wer jetzt sagt: Ich bin ein Evangelischer, der bekennt damit, er sei ein solcher Christ, von dem man nicht wissen könne, was er von mehreren Hauptstücken der christlichen Religion glaube. Nun frage ich, wer das, was