# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S351 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neue Litteratur. 351 Wie stehen wir zu Herrn Pfarrer Löhe? Eine Stimme aus der Missouri-Synode in Nord-Amerika. Es gereicht uns zu nicht geringem Vergnügen, eine unter obigem Titel von Herrn Pastor Röbbelen in Frankenmuth, im Staate Michigan, verfaßte und in diesen Tagen erschienene, zwei Bogen starke Brochüre anzuzeigen, die wir des Lesens in hohem Grade werth halten. Zwar scheint dieses Schriftchen zunächst nur für diejenigen ein Interesse zu haben, welchen das Verhältnis des Herrn Pfarrer Löhe zu unserer Synode nicht in allen Stücken völlig klar ist, die namentlich wißen möchten, wie es gekommen, daß dieser theure, von uns stets nur mit Hochschätzung zu nennende Mann so plötzlich seine Hand von den fränkischen Kolonieen im Staate Michigan abgezogen und sich mit seiner Thätigkeit auf ein eignes Gebiet, nach Jowa, gewandt habe. Dieser Vorfall ist die nächste Veranlaßung dieses Schriftchens gewesen und man findet den Hergang der Sache darin kurz erzählt, dann aber auch den eigentlichen Grund dieser Trennung angegeben, als eben in der abweichenden Lehre des Herrn Pfarrer Löhe beruhend. Es leuchtet aus dieser Schrift eine wahrhaft rührende Verschmelzung persönlicher, inniger Liebe zu Herrn Pfarrer Löhe und entschiedener Verwerfung seiner, vom lutherischen Bekenntnis abweichenden, Ansichten hervor. Man liest es zwischen den Zeilen, daß die Worte mit dem Griffel heißer Wehmuth, mit manchem tiefen Seufzer hingezeichnet sind, und wir achten, das Herz Herrn Pfarrer Löhe's möchte kaum einen fühlbareren, und zugleich wohlthätigeren Liebesschlag von treuer Freundeshand empfangen haben. Gewis Vielen seiner ehemaligen dankbaren Schüler und Freunde sind die Worte Pastor Röbbelens wie aus der Seele geschrieben, oder vielmehr mit dem höchsten Schmerz gleichsam vom Herzen gerißen. Niemand möge jedoch glauben, daß dieses die einzigen Personen wären, für welche genanntes Schriftchen Bedeutung habe. Es ist dasselbe von weit allgemeinerem Interesse. Es ist nach unserem Urtheil ein gar mächtiges und gewaltiges Wort, ein Wort, in welchem der Verfaßer eine Tiefe, einen Reichthum des Gemüths, eine Kraft und Erhebung des Geistes, eine Fülle der Gedanken neben der Sicherheit und Klarheit in der reinen Lehre an den Tag legt, daß wir in der That erstaunt sind, eine solche Gabe in unserer Mitte wahrzunehmen, die man nicht anders als mit dem Namen Ursprünglichkeit und Originalität bezeichnen kann. Und von ganzem Herzen wünschen wir nur, daß diese rare Gabe hervorgezogen und in eine ihr völlig entsprechende Thätigkeit gesetzt werde. Wir leugnen nicht, daß genanntes Schriftchen, namentlich dessen erste Blätter etwas schwer zu verstehen seien und einiges Nachdenken erfordern. Jedoch ist es nicht, wie bei vielen neueren gelehrten Werken, die vieldeutige,