# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S349 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vermischte kirchliche Nachrichten. 349 ten, wenn auch immerhin lutherisch gesinnten Leitern. So ist denn Pfarrer Haag wieder in den Verband der unirten Kirche eingetreten, und steht also wieder ganz auf demselben Grund und Boden, auf dem er stand, ehe er aus der badischen unirten Kirche entlassen wurde. Was sollen wir hiezu sagen? Seine bisherigen, aus der Union geschiedenen Gemeindeglieder wissen nun nicht recht, wohin sie sich wenden sollen. Sie erklärten zu verschiedenen malen: „„sie wollten und möchten keiner andern Kirche angehören, als der ev.-lutherischen."" Sie haben sich jedoch noch nicht zum Eintritte gemeldet." — Sollte sich die, Pfarrer Haag betreffende, Nachricht bestätigen, so würde der von demselben gethane Schritt zugleich ein sehr ungünstiges Licht auf seine ganze frühere Stellung werfen. Eine gestörte Taufhandlung. Als am Sonntag Cantate d. J. der Pastor M. Siedel in Tharand (Sachsen) bei einer Taufhandlung die Frage an die Pathen richtete: „Entsagst du dem Teufel" ꝛc., schwieg einer der Pathen, ein Kaufmann aus der genannten Stadt, still. In der Meinung, daß derselbe entweder die Frage nicht gehört habe oder nicht wisse, daß geantwortet werden müsse, wiederholte der Täufer die Frage an ihn besonders, und zwar, um alles Aufsehen zu vermeiden, mit leiser Stimme. Darauf antwortete derselbe mit lauter, nachdrücklicher Stimme, also daß es durch die ganze Kirche schallte: „Ich glaube nur an Gott." Der Pastor erwiederte hierauf, immer noch mit leiser Stimme: „Ich muß Sie dann bitten, abzutreten." Da antwortete jener, abermals sehr laut: „Ich werde nicht abtreten. Der Vater des Kindes hat mich hieher gestellt. Ich kann nicht abtreten. Ich werde nicht eher weichen, als bis der Vater des Kindes mich meiner Pflicht entbindet." Nun sprach Siedel mit lauter Stimme: „Ich muß Sie aber bitten, abzutreten. Sie hätten es vorher sagen sollen, was Sie thun wollten, da Sie ja wissen, wie bei uns die Ordnung der heil. Taufe gehalten wird." Er entgegnete: „Ich habe es dem Vater des Kindes erklärt, daß ich nicht antworten würde." Der Pastor: „Ich frage Sie im Namen Gottes, ob Sie nicht abtreten wollen, um die heilige Handlung nicht zu stören." Antwort: „Ich werde nicht abtreten." So wurde denn nun mit Ausschließung des widerspänstigen Pathen die heilige Handlung zu Ende gebracht, und demselben hernach erklärt, daß er auch nicht als Pathe in das Kirchenbuch werde eingetragen werden. Der Pastor machte hierauf von dem Vorfall Anzeige bei der Superintendentur zu Dresden, die die Sache dem königlichen Justizamt zu Tharand übergeben hat. Dieses hat denn eine Criminaluntersuchung wahrscheinlich darauf begonnen, daß sich jener Kaufmann durch seine Weigerung, vom Taufsteine abzutreten, einer turbatio sacrorum schuldig gemacht habe. Die Sache ist hierauf selbst in der zweiten Ständekammer besprochen worden, um, dem Minister gegenüber, zu zeigen, wohin es bereits in Sachsen durch die „Altlutheraner" gekommen sei. Luthers Katechismus in französischer Sprache. Vor kurzem haben die Pastoren Horning und Magnus in Straßburg eine ganz vor-