# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S345 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. 345 und Heimlichkeit zu erfahren, sich darnach damit zu tragen, Genieß und Vergeltung für jede Bemühung, als ein Recht und Gebühr, zu fordern, in Häusern zu schmausen und zu zechen, Narrentheidungen und Zoten zu treiben, oder wie dieses vorlängst bei dem ehelosen Priesterstand geklaget worden, den Weibern und Töchtern der Leute an ihren Ehren gefährlich zu sein, da ist kein Wunder, wenn die Pfarrkinder so gar schlechtes Vertrauen zu den Pfarrern haben und außer der Kirche, und wo sie nicht sonst gleichsam aus Zwang, oder Ehrenthalben zu ihnen müssen, nichts mit ihnen zu thun haben mögen. Es bedürfte dann auch der Sorge nicht, die man wider die Haus- oder Winkelprediger zuweilen gehabt und nicht leiden wollen (so auch billig nicht zu leiden gewesen, daß fremde unberufene Personen herum geschlichen und den gemeinen Leuten auf allerlei Weise einen Eckel des Predigtamts beigebracht, dargegen allerlei Büchlein und Scarteken, darin das rechte Christenthum zu finden wäre, die aber mit falscher Lehre erfüllet gewesen, in die Hände gespielet), denn wenn die ordentlichen Pfarrer und Diaconi dergleichen Hauslehre und Individual-Vermahnung (der sich Paulus rühmet) vornähmen, so würde aller solcher Verdacht wegfallen. Am allermeisten gehöret hierzu das unsträfliche Leben der Priester, wie aus demjenigen, was angeführet worden, genugsam erscheinet; denn wenn er kein Vorbild der Heerde ist und selbst in den Lastern stecket, davon er seine Zuhörer abhalten sollte, so wäre seine Conversation desto schädlicher, je öfter und geheimer sie wäre; und ist wohl dies die rechte Ursache, daß man sie fallen lassen und allein mit der öffentlichen Predigt in der Kirche zufrieden sein müssen, damit die ruchlosen, ärgerlichen Priester nur weit von den Pfarrkindern bleiben möchten, und daß man manchem, dem Sprichwort nach, lieber das Brot auf der Stange zugelanget. Ich könnte Exempel von alten Zeiten und aus Autoren, die vor der Reformation über die ärgerlichen Bezeigungen der Geistlichen und der Beichtväter geklaget, genugsam anziehen, aber es dienet nicht zu gegenwärtiger Zeit, noch an den Orten, wo man nun durch Verstattung des Ehestandes die Scheu und Eifersucht der Leute wider die Conversation der Geistlichen aufzuheben bedacht gewesen. Daher desto schädlicher und unverantwortlicher ist, wenn dergleichen Besorgniß noch im Wege stehen sollte, wiewohl das freie Leben, so auf den Schulen, auch von etlichen Studiosis Theologiä getrieben wird, und die schlechte Inspection, die man über sie führet, nicht geringen Anlaß dazu giebt, wenn auch gleich dieses Laster (davon man auch, Gott Lob! so viel Casus nicht hat) noch in Schwang käme, so müßten dennoch die andern auch corrigiret werden, als das Schmarutzen und Schmaußen, die liederlichen Reden, Plaudern und Geizen, wie auch Hochmuth und ungestümes Verfahren mit dem armen und einfältigen Mann; man schließet jedoch von der Conversation eine mäßige Fröhlichkeit und unverwerfliche Ergötzung und Scherz nicht allerdings aus, nur daß die Furcht Gottes und die Beobachtung des heiligen Amtes allezeit statt finde und nach derselben die Lust gemäßiget, also diese allein zum Zweck angesehen werde, damit nichts Aergerliches und Spöttliches daraus entstehe, sondern nur der