# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S342 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 342 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. eines lebendigen Herzensglaubens und eines milden gottseligen Sinnes. Während Gerhard in seinen Locis in Betreff der systematischen Anordnung die sogenannte synthetische Methode befolgt, indem er darin von den Ursachen ausgeht, darauf die Mittel behandelt und endlich mit der Darstellung und Entwickelung des Zieles und Zweckes schließt, so befolgt hingegen Baier die sogenannte analytische Methode, indem er, den Begriff der Theologie als einer practischen Wissenschaft festhaltend, erst vom Endzweck der Theologie (Theologie im engeren Sinne: von Gott und dem Genießen Gottes im ewigen Leben), sodann von dem Subject derselben (Anthropologie, Lehre vom Menschen) und endlich von den Ursachen und Mitteln des Heils (Soteriologie) handelt. Die ganze Substanz der Lehre gibt Baier in kurzen bündigen Paragraphen, deren einzelne Sätze in untergelegten Noten ihre vollständige Erläuterung finden. In der Entwickelung der einzelnen Loci oder Lehrstücke verfährt Baier nach der damals wieder üblich gewordenen definitiven und Causalmethode. Es ist allerdings nicht zu leugnen, daß die in unserem Compendium angewendete scholastische Form mit ihren jetzt fast verschollenen Termen nicht nur dem Anfänger manche Schwierigkeit macht und hie und da den Eindruck der Einförmigkeit macht, sondern selbst der Lehrdarstellung zuweilen Eintrag thut: allein erstlich, wo ist die Form für die göttliche Wahrheit, die vollendet wäre, die ihrem vollkommenen Inhalt vollkommen entspräche und nicht den Stempel des Menschlichen und darum der Unvollkommenheit an sich trüge? Zum Anderen sind wir auch davon überzeugt und durch Erfahrung dessen gewiß geworden, daß gerade ein Compendium der Dogmatik ohne technische Termen, welche viele weitläuftige Auseinandersetzungen entbehrlich machen, kaum die nöthige Vollständigkeit haben kann, wenn es nicht seine Grenzen überschreiten und zu einem nicht mehr übersichtlichen Werke anschwellen soll. So gegründet auch die Klage ist, daß nicht selten mit der scholastischen Form auch aristotelische Philosophie sich in die Theologie eingeschlichen hat, so ist doch jene Form auch bei einer namhaften Anzahl unserer Theologen das Mittel gewesen, Vagheit der Begriffe fern zu halten und den Leser über den Sinn des Autors ohne großen Aufwand von Worten gewiß zu machen. Gerade ein Baier aber hat in seiner Theologie keinen anderen als einen solchen heilsamen Gebrauch von den philosophischen Kunstwörtern gemacht. Wer sich nur einmal darin zurecht gefunden hat, kann ihm für diese seine Lehrform nur Dank wissen. Es ist damit durchaus anders bewandt, als mit der Kunstsprache der neueren Theologen, die es vielfach unmöglich macht, zur Gewißheit darüber zu kommen, was der Schreiber eigentlich meine, wenn man nicht alle anderen Werke desselben Schreibers studirt und daraus die eigenthümliche Terminologie desselben verstehen zu lernen sich bemüht hat. Ja, während es auch in diesem Falle oft zweifelhaft bleibt, ob man mit den Ausdrücken des Schreibers wirklich dessen Sinn verbinde, da jetzt nicht selten die Schreiber selbst Mode gewordene Termen gebrauchen, von deren streng abgegrenzten Sinn sie weder sich selbst, noch anderen, Rechenschaft geben kön-