# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S341 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. 341 Bekenntnisse mit demselben übereinstimmen, in jener Verpflichtungsformel den Sinn erblicken, den die Wittenberg Synod darin gefunden hat, aber sie werden einsehen müssen, daß dieser Sinn darin gefunden werden kann, und diese Einsicht wird allein schon einen Protest hervorrufen, wie er sich Protestanten gebührt. Uebersehet endlich nicht, daß trotz allen Geredes, als seien kirchliche Bekenntnisse und Verpflichtung darauf unnöthig, dennoch sich die Erfahrung aufdrängt und die Erkenntniß Bahn bricht, daß ein festes, starkes Kirchenwesen nicht aufgebaut werden noch bestehen kann ohne ein bestimmtes Bekenntniß. Diese Erfahrung hat zur Aufstellung der verstümmelten Augsburgschen Confession selbst wie zu dem Beschlusse der Wittenberg Synod geführt und wird alle Prediger der Generalsynode, die es aufrichtig mit der Lutherischen Kirche meinen, nöthigen, die Bekenntnisse der Kirche nicht mehr durch die Brille ihrer im alten Schlendrian supranaturalistischer Halbheit festgerannten Professoren, sondern mit eignen Augen zu prüfen. Sie werden finden, daß wer sich mit der Augsburgschen Confession und den Schriften des Concordienbuchs überhaupt bekennt, allem papistischen Wesen und Gedanken absagt und sich rückhaltslos, sonder Clausel und Bedenken in den Gehorsam des Wortes Gottes gefangen giebt. Das aber ist das Eine, das Noth thut. — Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. (Fortsetzung.) b. Nächst einem ausführlichen dogmatischen Werke hat ein Prediger das Bedürfniß eines kurzen übersichtlichen Compendiums der Dogmatik. Unter allen Werken dieser Art wissen wir kein besseres, als folgendes zu empfehlen: Jo. Guilielmi Baieri Compendium Theologiae positivae, adjectis notis amplioribus etc. Der Verfasser dieses Werkes, Johann Wilhelm Baier, ist in Nürnberg den 11. Nov. 1647 als Posthumus geboren worden, hat zuerst als Professor zu Jena, dann im Jahre 1694 als solcher auf der neugegründeten Hallischen Universität öffentlich gelehrt und ist hierauf nach kurzem Wirken als Oberhofprediger und Generalsuperintendent zu Weimar den 19. October 1695 verstorben. Dem großen Jenaischen Theologen Johannes Musäus nahe verwandt (er war desselben Schwiegersohn), ist er, insonderheit was das Treffliche der Musäus'schen Theologie betrifft, ganz in dessen Fußtapfen gegangen. Die Vorzüge, durch welche sich das angezeigte Compendium vor allen anderen dieser Gattung auszeichnet, ist erstlich große Vollständigkeit bei gedrängter Kürze, Ausscheidung alles fremdartigen Stoffes, vortreffliche Auswahl und überaus accurate Auslegung der biblischen Beweisstellen, kritische Vergleichung und Benutzung der Arbeiten seiner Vorgänger auf dem dogmatischen Gebiete und, neben lutherischer Treue in der Lehre, Ausdruck