# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S335 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 335 gelischer d. i. lutherischer Seelsorger. Hier nämlich findet er die erwünschte Gelegenheit, die Allgenugsamkeit, Vollgültigkeit, Kraft, Süßigkeit, Tiefe, Umfang und den überaus reichen Trost der Gnade des Vaters und des alle Sünden der ganzen Welt sühnenden und deren Schuld und Strafe hinwegnehmenden Blutes und Todes Christi, so wie schließlich des herrlichen und gnadenreichen Evangeliums und Sakraments den göttlich Traurigen lieblich und lockend vor die Augen zu malen und an die Seele zu halten, damit sie Christum und sein Verdienst von Neuem daraus ergreifen und aus dessen Fülle nehmen Gnade um Gnade, Licht um Licht, Trost um Trost, und aus Glauben in Glauben seliglich wachsen. Besonders wichtig ist nun hierin für den Seelsorger, daß er den Trostbedürftigen von all seinem Dünken, Meinen und Fühlen, darin er sich von Gott gestraft, ja verstoßen wähnt, auf das feste, geschriebene, unveränderliche, evangelische Gnaden- und Verheißungswort im Alten und Neuen Testament weiset, das auch an ihn gerichtet sei; daß all seine Sünde lange vor seiner Geburt am Stamme des Kreuzes von Christo gebüßet und gesühnet sei; daß er des unendlichen und allerheiligsten Verdienstes Christi schon in der heil. Taufe theilhaftig geworden, darin Gott mit ihm einen Gnadenbund geschlossen habe, der auch, trotz seiner manchfaltigen Untreue, von Seiten Gottes noch fest stehe, dessen Gaben und Berufung ihn nicht gereue; daß er ja durch Erneuerung der Buße und des Glaubens in rechtschaffener Bekehrung den treuen Bundesgott wiederum gesucht und gefunden habe; daß dieser auch heute zu seiner Seele spreche durch den Mund seines Knechtes: „Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben," und diese gnaden- und trostreiche Absolution durch seinen wahren Leib und Blut im heil. Abendmahle in mündlicher Nießung bestätige und versiegele. Summa, die Herrlichkeit der auch für ihn, den Traurigen, eben so sehr und gewiß, als für Alle geschehenen großen Gnadenthaten Gottes, und die Kraft und Wirksamkeit der dieselben auch ihm darreichenden und aneignenden und versiegelnden Gnadenmittel des HErrn stellt der lutherische Seelsorger also tröstlich den Betrübten vor Augen und legt sie ihm so eindringlich und liebreich ans Herz, daß es nicht seine Schuld ist, wenn der Traurige nicht fröhlich und freudig wird in dem HErrn. — Je mehr nun, auf die in diesem Artikel angedeutete Weise, die Privat-Seelsorge getrieben wird, desto seelsorgerischer, erbaulicher und eindringlicher wird dann auch die öffentliche Predigt werden und nicht in Gefahr gerathen, eine abstrakte Lehr-Abhandlung zu werden. Je kräftiger aber wiederum das gepredigte Wort in die Herzen fährt und Buße, Glauben und Gottseligkeit erweckt, nährt und pflegt, desto mehr Gelegenheit zur Privat-Seelsorge wird abermals geboten, so daß Predigt und Seelsorge in solch' lieblicher Wechsel- und Zusammenwirkung unstreitig die wichtigsten und vornehmsten Mittel sind, echt-lutherische Gemeinden zu begründen und zu erbauen. —