# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S334 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 334 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. eben erwähnte Traurigkeit vorhanden ist, ist auch hier wiederum der der papistischen und schwärmerischen Seelsorger gerade entgegengesetzt; denn weil diesen, als solchen, selber die evangelische Erkenntniß, der gesunde Glaube und die Erleuchtung des heil. Geistes fehlt, so können sie weder jenen Herzenszustand der Traurigkeit und die darin begriffene Anfechtung des Glaubens recht erkennen, noch gegen solches Uebel die rechten evangelischen Heilmittel und die wahre Seelen-Arzenei herbeischaffen. Als zur gesetzes- und werktreiberischen Zunft gehörig — und Genossen derselben sind auch nicht minder die sogenannten evangelischen d. i. pietistisch-unionistischen Prediger, als solche — können sie, als Papisten, hier eben nicht anders verfahren, als daß sie dem ohnehin wunden Gewissen, das den Zorn Gottes, die Wucht seiner Sünden und den Fluch des Gesetzes bereits genugsam schmeckt, alte und neue vermeintlich genugthuende und büßerische Gesetzeswerke, Beten, Fasten, Almosengeben und dergleichen aufladen und demgemäß also, was an ihnen ist, als rechtschaffene Kinder Kains, die Seele ihres Bruders zu Tode schlagen. Sind die sogenannten Seelsorger aber Pietisten, Unionisten, Methodisten und dergleichen, so haben sie, als solche, eben so wenig den rechten evangelischen Trost für die blöden erschrockenen Gewissen zur Hand, sondern wenden, wenn sie selber lax und flau sind, nur die nichtigen und flüchtigen Palliative des leidigen Menschentrostes an, der natürlich nicht haften und heilen kann; oder, sind sie selber von treiberischer Art und Beschaffenheit (fertige Heilige und Werkler, ehe sie gründlich arme Sünder in Adam geworden sind), so haben sie hier keine andere Weise, als die Trostbedürftigen gesetzlich zum Beten zu treiben und sie zu ermahnen, damit anzuhalten, bis sie ein Gefühl der Gnade in ihrem Herzen spüren; dabei stellen sie ihnen Christum und sein Verdienst also dar, als wenn sie erst dann versöhnt und erlöst wären, wenn sie an Christum glaubten, welches Glauben sie eben vornämlich in jenes Fühlen setzen. Sie haben nämlich selber keine klare evangelische Erkenntniß von Christo und seinem Amt und Werke und wirren die Erwerbung des Heils und die Aneignung desselben, zu ihrem und der Ihrigen großen Schaden, unklar durcheinander; denn es steht ihnen nicht, nach Joh. 1, 29. 1 Joh. 2, 2. Röm. 5, 18. klar vor der Seele, daß vor, über und außer allem Glauben der Einzelnen, durch die stellvertretende Genugthuung Christi alle Menschen, der That nach bereits versöhnt und erlöst sind und Christus Allen das Heil erworben und verdient hat, daß aber gleichwohl nur diejenigen desselben theilhaftig werden können, die durch den wahren und lebendigen Glauben aus dem Evangelio Christum und sein Verdienst ergreifen und sich aneignen und dadurch Vergebung der Sünden, den Frieden mit Gott und das ewige Leben erlangen. Und aus dieser Unklarheit ihrer evangelischen Erkenntniß kommt es denn, daß sie die durch das Gesetz zerschlagenen und zerbrochenen Gemüther nicht evangelisch trösten können, sondern, was an ihnen ist, durch ihr gesetzestreiberisches Wesen sie vollends zur Verzweiflung treiben. Ganz anders ja entgegengesetzt verfährt aber, unter obigen Umständen, ein rechtschaffener evan-