# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S333 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 333 dem geläuterten Silber sein (durch die Wiedergeburt als den rechten Silberblick ihnen von Neuem eingepflanztes) Ebenbild immer klarer zu erkennen. Unter den innerlichen Ursachen der Traurigkeit der Gläubigen sind nun die bemerkenswerthesten: der schwermüthige Hang des Temperaments; ferner das Gelüsten des Fleisches wider den Geist, theils durch, theils ohne Reizung der bösen Welt, das Drohen und Fluchen des Gesetzes und die Angst des Gewissens und Furcht des Todes, die listigen Anläufe und feurigen Pfeile des Satans in allerlei Versuchung von Außen oder geistlicher Anfechtung von Innen. Sehr häufig greifen auch diese innerlichen und jene äußerlichen Ursachen zur Traurigkeit durch einander und wirken zusammen, diesen Gemüthszustand zu erzeugen oder zu verstärken, also daß theils die evangelische Erkenntniß verdunkelt, theils der Glaube geschwächt wird. Es kann natürlich auch hier nicht unser Vornehmen sein, ein ins Einzelne gehendes Pastorale für das Trösten der Traurigen zu liefern, sondern wir wollen uns begnügen, den evangelischen Sinn aufzuzeigen, den der lutherische Seelsorger auch hier haben soll. Dieser nun soll sich zuerst darin erweisen, daß es dem Hirten nicht an dem herzlichen Erbarmen und der mitleidenden Liebe Christi fehle, Angesichts der Traurigkeit seines Schäfleins, und daß sein Herz ihm entgegenwalle, ihm alsbald nach bestem Rath und Vermögen zu helfen. Sodann liegt es ihm ob, mit freundlicher Theilnahme, christlicher Weisheit und Bescheidenheit nach der Ursache, Sitz und Beschaffenheit des Uebels zu forschen, ob es mehr einfacher oder zusammengesetzter Art, mehr von Außen oder Innen entstanden, mehr selten und außergewöhnlich oder temperamentlich-habituell, durch vorübergehende Ursachen oder bleibende Uebelstände erzeugt sei; denn je nach der eigenthümlichen Entstehung und Beschaffenheit der Traurigkeit wird er dann auch aus der großen Apotheke der Schrift die passenden, heilskräftigen Trost-Arzeneien auszuwählen und anzuwenden haben, die, bei Willigkeit des Patienten, ja auch gründlich und vollkommen heilen. Natürlich ist bei dieser Anweisung vorausgesetzt, daß in diesem Zustande der Traurigkeit der Glaube nur schwach und angefochten, sonst aber aufrichtig und gesund sei; denn falls die Traurigkeit aus einer Bestrafung des Gewissens herrührt, weil der Mensch falscher Lehre Raum gegeben oder in diese und jene früher beliebte und gewohnte Sünde zurückgefallen oder in Reizungen zu neuen Uebertretungen des göttlichen Gesetzes eingewilligt und in der Ausübung derselben bereits begriffen ist, so muß natürlich hier der Seelsorger auch zuerst strafen und, ob Gott will, sein Kirchkind durch herzliche und eindringliche Ermahnung dahin zu bewegen suchen, durch rechtschaffene Buße und Bekehrung das Fremdartige auszustoßen, da dann jene Bestrafung des Gewissens aufhört, die daher rührende Traurigkeit weicht und Gerechtigkeit, Friede und Freude im heil. Geist wiederum das Herz erfüllt. Die echt-lutherische Praxis nun bei obigem Trösten, wo also nicht die