# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S332 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 332 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. und Ganzen beim tiefsten Verfall der Kirche im Alten und Neuen Testament immer rechtschaffene Kinder Gottes mitten unter dem abgefallenen und ehebrecherischen Geschlechte gegeben hat: — also giebt es auch in den einzelnen Gemeinden, die etwa denen von Laodicäa und Sardes gleichen, immer noch einzelne wahre und lebendige Christen, die nun eben, theils wegen äußerlicher Trübsale, theils wegen innerlicher Anfechtungen, des Trostes vielfach bedürftig sind. Aber auch sonst bei einer gesunden lebenskräftigen Gestalt und einem frischen und fröhlichen Fortgang des Gemeindelebens wird es niemals und nirgends an den Traurigen zu Zion fehlen, die da Schmuck für Asche, Freudenöl für Traurigkeit, schöne Kleider für einen betrübten Geist bedürfen. So gewiß es nun aber ist, daß die alleinige Trostquelle und Heilsbrunnen, das wahre Lebens-Elixir und einzige Panacee, Balsam und Salbe das gnaden- und trostreiche Evangelium von der freien allein durch den Glauben ergreifbaren und aneignungsfähigen Gnade in Christo ist, eben so gewiß ist doch auch andererseits für die rechte Anwendung dieser köstlichen und edlen, von Grund aus heilenden Arzenei erforderlich, daß der Seelsorger, als geistlicher Arzt, in seinen einzelnen trostbedürftigen Patienten den vornehmsten Sitz, Wurzel und Quelle ihrer Traurigkeit kenne; denn wenn es gleich wahr ist, daß bei jeder geistlichen Traurigkeit, der Glaube abgeschwächt und heruntergedrückt ist und nun eben der Hebung und Stärkung durch das Heilmittel des Evangeliums bedarf: so ist es doch Noth, zu wissen, durch welche Ursache diese Schwächung des Glaubens und der gedrückte Gemüthszustand, den wir Traurigkeit nennen, bewirkt worden ist, um demgemäß die gerade passenden Trostsprüche anzuwenden. Diese Ursachen nun sind entweder äußerliche oder innerliche; unter jenen sind die vornehmsten: größerer oder kleinerer Verlust der irdischen Habe; Beschädigung der bürgerlichen Ehre und des guten Gerüchts durch böse Zungen; schmerzhafte oder längere Krankheiten oder Sterbefälle in der Familie und Verwandtschaft, Erkrankung oder Siechthum am eigenen Leibe, die ärgerlichen oder verführerischen Exempel der Welt, und andere derartige Zucht Gottes, die der HErr, nicht mehr zur Strafe, sondern zur Kreuzigung des alten Menschen und zur Uebung und Stärkung des Glaubens und des gottseligen Wesens auch über seine lieben Kinder sonderlich sendet, zusammt den gemeinen Landplagen, als Schwert, Hunger, Pestilenz und andere Trübsale, die wie über die Kinder dieser Welt, so auch zugleich über die wahren Christen kommen; denn gleichwie der allgütige Gott auch über die Bösen seine Sonne aufgehen und über die Ungerechten regnen läßt, um sie, wo möglich, durch den Ueberschwang seiner Güte zur Buße zu leiten, so läßt er auch allerlei Unfall und Trübsal über seine rechtschaffenen Kinder kommen, um ihren Gehorsam und lautere Liebe zu ihm zu erproben und sie vor Heuchelei zu bewahren; um das immer noch vorhandene Fleisch immer mehr zu tödten, um sie durch Läuterung des Goldes des Glaubens im Feuerofen des Elends überaus köstlich und bewährt zu machen, um in dem Schmelztiegel der Trübsal aus