# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S331 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 331 großen Gebiete gleichfalls beflissen ist, das herbe gesetzestreiberische Wesen papistischer oder schwärmerischer Pönitentiarier zu meiden, die sich eben nur an den einzelnen Sünden abarbeiten und in deren äußerlicher Hinwegschaffung ein Großes geleistet zu haben wähnen, indem sie nur ihre Ehre, aber nicht des Sünders gründliche Sinnesänderung und Bekehrung im Auge haben. Vielmehr liegt es ihm stetiglich an, daß diese innere Umwandlung von Grund aus erfolge: und demgemäß benutzt er denn auch den gerade vorliegenden besonderen Sündenfall, als von außen gegebene Veranlassung, um in eben so heiligem Eifer um die Ehre Gottes, als herzlichem Erbarmen und väterlicher Liebe um die Seele seines noch unbekehrten Kirchkindes nicht bloß dessen Gewissen das Gesetz zu bezeugen, sondern zugleich auch sein Herz für Christum zu gewinnen. Diese letztere evangelische Bemühung aber geschieht dergestalt, daß er ihm die Liebe Gottes zu seiner unsterblichen Seele, nach allen drei Artikeln des Glaubens, so kräftig und beweglich, als der heil. Geist ihm dafür Gnade und Gabe schenkt, vormale, und daraus ihm so eindringlich als möglich die Würde und Herrlichkeit seines Christenberufs vorhalte, den er durch Sünden- und Teufelsdienst so schmählich und verderblich verleugne. Die also gehandelte, zugleich amtliche und brüderliche Bestrafung wird dann sicherlich nicht ohne die Wirkung bleiben, daß sie entweder, durch Gottes Gnade, den Schuldigen erweicht, oder durch die Schuld seines bösen Herzens und Willens, und nach Gottes gerechtem Gericht, ihn verstockt. D. Das Trösten der Traurigen. Dieses ist ja freilich das süßeste und lieblichste Stück der Privat-Seelsorge, und sonderlich für einen echt-evangelisch gesinnten d. i. lutherischen Pastor; aber — Gott sei es geklagt! — durchschnittlich sind es die seltenern Fälle, da er zu trösten hat; und deren sind viel mehr, da er leider zu strafen und zunächst den Stab Wehe zu führen hat; denn selbst in älteren, vielleicht seit Jahrzehnten mit Gottes reinem und lauterem Worte versorgten Gemeinden sind gemeiniglich deren mehr vorhanden, die wegen ihres Undanks, gegen das Evangelium, wegen des einbrechenden Weltsinnes, wegen laulichten und kaltsinnigen Wesens, wegen Theilerei zwischen Gott und der Welt, wegen Unfleißes in guten Werken trotz der formgerechten Erkenntniß zu strafen, als deren, die wegen göttlicher Traurigkeit, Anfechtung und Kleinglaubens zu trösten sind, wie solche traurige Wahrheit aus der Geschichte gar mancher lutherischen Gemeinde selbst aus der edlen herrlichen Reformationszeit vor Augen liegt; — und deshalb ist es kein Wunder, wenn die Hirten solcher Gemeinden selber nicht selten trostbedürftig und angefochten sind, ihres Amtes mit vielem Seufzen und unter nicht geringer Beschwerung und Kümmerniß des Herzens warten und sich eng an Jes. 55, 10—13. anklammern müssen, um nicht zu verzagen, da sie sehen, daß es trotz ihres Anhaltens mit Beten, Fürbitten, Lehren, Strafen, Locken, Drohen u. s. w. nirgends recht fort will und die Dornen immer mehr den guten Samen ersticken. Doch Gott sei gelobet! wie es durch seine erhaltende Gnade im Großen