# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S328 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 328 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. auch, wo nöthig, scharf zu strafen, falls etwa aus des Teufels Getrieb innerhalb einer lutherischen d. i. rechtgläubigen Gemeinde Männer aufstünden, die da verkehrte Lehren redeten, die Jünger an sich zu ziehen und solches Krebsgeschwür schnell um sich griffe. Käme es aber auch nicht häufig zu diesen letzteren Falle, so wird es an dem schwerlich irgendwo und wann fehlen, daß nicht ein lutherischer Pastor Irrende in seiner Gemeinde hätte, die er meist erst durch die seelsorgerische Unterredung bei der Beichtanmeldung als solche ausfindet. Wie hat er nun hier zu verfahren? Jedenfalls hat er zunächst, als ein besonnener geistlicher Arzt, zuzusehen, wo der Sitz dieses Uebels sei, ob es überwiegend im Verstande oder im Herzen und Willen hafte. Dieses wird sich ihm aber, wenn auch nicht auf das erste Mal, doch allmählich klar herausstellen, wenn er aus Gottes Wort, als der großen Apotheke für alle Krankheiten, die Arznei hervorholt, welche, als die feste, gewisse Wahrheit, so auch das untrügliche betreffende Heilmittel für den betreffenden Irrthum ist. Da wird es ihm nun offenbar werden, wo der eigentliche Sitz des Uebels sei, und worin es wurzele? Zeigt nämlich der Patient aufrichtige Willigkeit, dies Wort auf- und anzunehmen, das gewiß ist und lehren kann, um als die Sonne der Wahrheit schneller oder langsamer den Nebel des Irrthums zu durchbrechen und zu zerstreuen, so zeigt sich darin der Irrende als ein aufrichtiger Mensch, bei dem der Irrthum im Kopfe sitzt und dem es, bei fortgesetzter Willigkeit, sich lehren zu lassen, auch gelingen wird, durch die siegende Macht der Wahrheit des Irrthums los zu werden. Geht aber der Irrende entweder gar nicht darauf ein, sich gründlich unterweisen und überführen zu lassen und beharrt er in solchem Widerstreben oder hält er, nach angenommenem Unterrichte und wirklicher Ueberweisung seines Verstandes und Gewissens, also daß er keinen der früheren Scheingründe, unter fälschlicher Anziehung von Gottes Wort, irgend mehr vorzubringen weiß, dennoch den Irrthum hartnäckig fest und sucht ihn zudem auch anderweitig zu verbreiten und Andere zu verführen: — so wird daraus offenbar, daß bei ihm der Irrthum im Hochmuth des Herzens seinen Sitz und Ursprung hat und daß er ihn jetzt wider besser Wissen und Gewissen aus bösem Willen hegt und pflegt und in andere überzupflanzen sucht, also ein ketzerischer Mensch ist, der sich selbst gerichtet hat und nach St. Pauli Befehl zu meiden ist. Doch giebt es zwischen beiden Fällen noch einen dritten, der zuerst schlimmer ist, als der erste, zuletzt aber einen bessern Ausgang nimmt, als der letzte. Das ist der Fall, wenn der Irrende im innersten Wesen wohl einen aufrichtigen Herzensgrund, gleichwohl aber einen ziemlich starken temperamentlichen Eigensinn und dabei entweder ein mehr gefühlig-imaginatives Wesen, als schulgerechten Verstand oder einen ziemlich dicken und ungelenken formellen Verstand hat, dabei denn auch zwischendurch etwas hochmüthige Dummklugheit und Dünkelweisheit nicht fehlt. Solche Leute sind allerdings keine leichte Aufgabe für die seelsorgerische Weisheit und Geduld; denn da sie, zumal im Anfange, in den ersten Verhandlungen häufig den Eindruck der böswillig [unleserlich]