# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1855_S327 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 327 wie es recht ist, und so auch die unwissenden Einzelnen, die zum Abendmahl gehen wollen, nicht nach Nothdurft belehren, also daß sie, auch von dieser Seite besehen, nicht ohne Schuld sind, wenn diese und jene das Sakrament unwürdig genießen; denn unmöglich ist es, daß es Jemand könne würdig genießen, der nicht den geringsten Verstand vom Worte und Christus, vom Gesetz und Evangelium und vom Sakramente selber hat, folglich auch außer Stande ist, der Weisung des Apostels nachzukommen: „ein jeglicher prüfe sich selbst." Wie wenig aber dafür selbst die meisten der gläubigen Pastoren drüben, bei dem durchschnittlich zu hohen und vornehmen Zuschnitte ihrer ganzen Ausdrucksweise, eine genügsame Anleitung geben, werden wir wohl alle aus eigener Erfahrung wissen. Wie sollen wir nun hier diesem Elende wehren, wenn wir anders auch hierin als treue Haushalter wollen erfunden werden? Wir müssen uns eben herunterhalten zu den Niedrigen, den Schwachen ein Schwacher werden, das Hephata des HErrn fleißig aufseufzen, unser sündliches Verderben in Adam reumüthig mit beklagen und Hand ans Werk legen, um so einfältig als möglich den Unwissenden das ABC des Christenthums und die Elemente der christlichen Lehre beizubringen, ihnen, gleich als durch den engen Hals eines Arzneiglases das zuzutröpfeln, was sie bei dem Ausströmen des geistlichen Lebenswassers in der Predigt nicht zu fassen vermögen, sondern bei ihnen überhinrauscht. Und da dieses, unter bewandten Umständen, eine sehr mühselige Arbeit der Liebe ist, bis sie auch nur den nothdürftigen Verstand der ersten 3 Hauptstücke des Katechismus und den allernothdürftigsten von den Sakramenten erlangen, so haben wir hier zwiefach nöthig, uns von dem HErrn ausharrende Geduld und rechte Freundlichkeit gegen unsere armen verwahrlosten Pfleg- und Zöglinge zu erbitten, da es sich sonst leicht zutrüge, daß wir unmuthig und verdrossen würden; und da dieses sich wiederum leichtlich in unsern Geberden kund thäte, so wäre es natürlich, daß unsere Schüler dadurch um so ängstlicher oder unwilliger würden und wir den Zweck dieser unserer seelsorgerlichen Berufsarbeit nicht so vollständig erreichten. Sind wir aber treu im Bitten, Fürbitten und Lehren, so fließt gerade durch diese mühsame selbstverleugnende Arbeit der Liebe und solches Werk des Glaubens mehr Segen und Wohlthat vom HErrn auf uns hernieder und wir werden dadurch in unserer Heiligung mehr gefördert, als wenn wir zwar auf der Kanzel noch so schön ausgearbeitete Vorträge mit noch so beredtem Munde hielten, dieses stille verborgene Werk aber lässig trieben. B. Das Zurechtbringen der Irrenden. Es ist bereits oben gemeldet, daß, wie das Wort Gottes nicht bloß zur Lehre, sondern auch zur Strafe nütze sei, demgemäß der Diener des Wortes dasselbe auch öffentlich im gemeinsamen Gottesdienste zu handeln habe, theils um die reine Lehre der lutherischen Kirche wider die irrige der andern Glaubenspartheien zu vertheidigen und deren Angriffe zurückzuweisen, theils um