# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1855_S316 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 316 Vermischte kirchliche Nachrichten. sondern in aller Welt; wie die Propheten verkündigt haben, daß Christi Evangelium sollte in alle Welt kommen (Ps. 2. 19.), daß also unter Pabst, Türken, Persern, Tartarn und allenthalben die Christenheit zerstreut ist leiblich, aber versammelt geistlich in Einem Evangelio und Glauben, unter Einem Haupt, JEsus Christus." (Siehe Luthers Glaubensbekenntniß, als Anhang zu seinem großen Bekenntniß vom Abendmahl.) Eine merkwürdig stolze Ausflucht ist übrigens diese, daß es zwar auch außer ihrer sichtbaren rechtgläubigen Kirche Gläubige gebe, daß aber diese keine Kirche ausmachten, sondern zu ihnen, den Gliedern der rechtgläubigen Kirche, zu zählen seien. Wie? ihr lieben Herrn, wenn es nun Gott gefiele, umgekehrt euch zu den verborgenen Kindern Gottes unter den irrgläubigen Predigern zu zählen? Wäre euch das etwa zu despectirlich? Wir unsererseits sind das sehr wohl zufrieden und machen durchaus keinen Anspruch darauf, daß jene Kinder Gottes gerade zu uns gezählt werden, wenn uns nur der barmherzige Gott um Christi willen zu ihnen zählt. Daß die lutherische Kirche katholisch in dem Sinne von „rechtgläubig" sei, darüber kann natürlich unter Lutheranern kein Streit sein; ebenso wenig darüber, daß alle Glieder der katholischen Kirche keinen anderen Glauben haben können, als eben den, welchen unsere Kirche hat und bekennt; auch das ist uns nicht fraglich, daß die lutherische Kirche in diesem Sinne allein katholisch ist; daß aber die sichtbare lutherische Kirche die Kirche kat' exochen, der Leib JEsu Christi sei, das ist etwas in der rechtgläubigen lutherischen Kirche bis in die neuere Zeit Uncrhörtes. So schreibt Carpzov in seiner Einleitung zu den symbolischen Büchern, diesem besten Werke, welches unsere Kirche zur Erklärung ihres Concordienbuches hat: „Wir haben uns nicht von der römischen Kirche durch die Reformation getrennt, sondern wir haben nur das ihr anhängende Uebel, nehmlich das Pabstthum, hinweggethan und wir geben zu, daß unsere Kirche eine Particularkirche sei; daß sie aber allein die wahre Kirche sei, sagen wir nicht. Denn mag es immerhin, was die sichtbare Versammlung betrifft, keine andere reine und von Flecken in der Lehre freiere geben, als die lutherische, so leugnen wir doch nicht, daß es eine andere Particularkirche gebe, was die rechtschaffenen und Gott allein bekannten Glieder betrifft, die unter einem anderen sichtbaren Haufen, und zwar auch unter einem unreinen, verborgen liegen, in denen die wahre Kirche eigentlich besteht." (l. c. p. 876.) — Schließlich müssen wir noch bemerken: diejenigen, welche nirgends Kirche zugeben wollen, als da, wo das Wort Gottes ganz rein und lauter gepredigt wird, sprechen damit selbst das Gericht über sich aus, denn wäre dem so, so wären sie um ihrer vielen Irrthümer willen selbst nicht in der Kirche und müßten es sich im besten Falle gefallen lassen, anderwärtshin gezählt zu werden, um noch selig werden zu können. Die Preußischen Lutheraner. Im „Freimund" heißt es von ihnen: „Die Gemeinden haben sich stark vermehrt und tragen auch viel