# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1855_S302 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 302 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. einst dem Geiste eines Johann Gerhard entsprungen sind. So wollen wir denn dem HErrn danken, daß diese so dauerhaft sind, so daß wir hoffen können, erst mit dem Zusammenfallen der Welt werden auch sie zusammenstürzen, aber um uns dann den Archetypus selbst schauen zu lassen, nach welchem sie gebaut waren. — Alle rechtgläubigen Theologen, sowohl die Gerhards Zeitgenossen waren, als die nach ihm geschrieben haben, haben im Lobe der Loci gewetteifert; selbst viele Theologen der römischen und reformirten Kirche haben dem Werke ihre tiefste Bewunderung nicht versagen können und dies aussprechen müssen. Um nicht zu weitläuftig zu werden, unterlassen wir, Zeugnisse hiefür beizubringen. Es genüge, hier nur zwei Männer unserer Zeit reden zu lassen, von denen man den ersten gewiß nicht in Verdacht altlutherischer Bornirtheit haben kann, dem andern Competenz des Urtheils schwerlich abstreiten wird; wir meinen erstlich Schneckenburger. Derselbe schreibt von der Theologie des 17. Jahrhunderts und somit vor Allem von der Lehrdarstellung eines Gerhard u. A. Folgendes: „Der Verfasser hat alle Hochachtung vor dem vielen Trefflichen, Glänzenden, Tiefsinnigen, was in der Sprache und Anschauung unserer Zeit zur Geltendmachung der ewigen Wahrheiten des Christenthums geschieht und geschehen ist. Indem er dies alles der dankbarsten Benutzung würdig achtet und jeder Zeit ihr Recht im vollsten Sinne gewahrt wissen will, bekennt er, im klaren Bewußtsein des Einseitigen und Beschränkten, welches der alten Lehre in ihrer doppelt kirchlichen Form vielfach anklebt, *) daß ihm doch, was von Umbildungsversuchen der kirchlichen Lehre durch die neuere Theologie bekannt geworden ist, nur den Respekt vor der Großartigkeit und Tiefe jener Systeme vermehrt hat, in welchen unsere Väter Jahrhunderte lang ihre höchste Anschauung niederlegten und worin ganze, tüchtige Menschen ihre religiöse Gedankenarbeit vollzogen, und tröstet sich bei seinen archaistischen Sympathien mit einem Manne (Lessing), der kein Alterthümler war und doch meinte, das alte System sei nicht das Werk von Stümpern und Halbphilosophen.“ (Siehe: Beleuchtung der Göttinger Denkschrift von Dr. L. A. Petri, Hannover 1854. S. 40.) Der andere Mann, den wir hier noch reden lassen wollen, ist unser Kahnis. Derselbe schreibt in: „Der innere Gang des deutschen Protestantismus“: „Die luth. Theologie hat eine Ahnenreihe von Theologen aufzuführen, deren sie sich nicht zu schämen hat. Von den absprechenden Urtheilen, welche in manchen Theologenkreisen noch immer über die Theologen des 16. und 17. Jahrhunderts gäng und gäbe sind, darf man getrost an die gründlicheren Studien der Zukunft appelliren .. Mit der dilettantenhaften Vielseitigkeit und Beweglichkeit unserer Wissenschaft geht Hand in Hand ein Mangel an Wahrheitssinn und an Menschenverstand, an logischer Energie, an Ursprünglichkeit der Auffassung, an metallinischem Guß *) Was einem Lutheraner die fröhlichste Freiheit ist, weil die Wahrheit frei macht, das muß freilich einem Schneckenburger Einseitigkeit und Beschränktheit sein. Dennoch aber freuen wir uns seines Zeugnisses.