# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1855_S301 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. 301 aus der Schrift ist durchgängig klar und gründlich; die Widerlegung der Gegner ist ebenso mit dem Geiste der Liebe gegen dieselben, wie zur Wahrheit durchweht und so schlagend, den Gegner in allen Schlupfwinkeln aufsuchend und jederzeit die letzte Stütze ihm raubend, daß fernerer Widerspruch unmöglich zu sein scheint; *) die Anwendung des Ganzen wie des Einzelnen ist einfach, lichtvoll, übersichtlich; frei von zerstreuender Zerstückelung — zuweilen ein Fehler späterer Dogmatiker —, fließt die ganze Lehrentwickelung mit ihren sprachlichen, historischen und antithetischen Excursen wie Ein großer, angenehme Krümmungen beschreibender Strom auf klarem Grunde munter dahin; alles ist wie aus Einem Guß. Die Moral ist hier noch nicht von der Dogmatik getrennt; sie erscheint hier wie die aus den saftvollen Reben quellenden Trauben. Die biblische Isagogik, die Hermeneutik, die Exegese, die Dogmengeschichte, die Patristik, die Polemik sind hier nicht als eine bloße werthvolle Zugabe angehängt, sondern sind organisch dem Ganzen eingefügt, als ebenso nothwendige Balken, wie Auszierungen in diesem Wunderbau. Der Ausdruck und Styl ist so bestimmt und dabei so einfach und munter, die Entwickelung der Sachen geht bei aller erschöpfenden Gründlichkeit ohne lästige Wiederholungen so rasch vorwärts, selbst die trockensten und subtilsten Gegenstände sind mit so ausnehmender Frische und Leichtigkeit auseinandergesetzt, alles mit einem so heiligen Ernste behandelt und die Worte mit einem so gottseligen Sinn getränkt, daß man, hingenommen von der Rede des theuren Mannes, nicht weiß, ob man ein Werk zur Beförderung christlicher Gelehrsamkeit oder ein Erbauungsbuch vor sich hat; man wird nicht müde, so lange man auch darin liest, und spürt, wie Licht und Wärme aus dieser Rede edelster Einfalt und wahrer Geistestiefe hervorgeht. Summa: nach unserem Dafürhalten ist diese Dogmatik das Herrlichste, das Vollkommenste, was auf diesem Gebiete in der Christenheit je geleistet worden ist nach Inhalt und Form und wird wohl bis an den jüngsten Tag Vorbild für alle bleiben, die auf diesem Gebiete sich versuchen. Wäre der Wunsch nicht zu kühn, so würden wir den Wunsch als unseren größten in Absicht auf Theologie aussprechen, Gott wolle doch unserer letzten Zeit einen Mann schenken, der als ein zweiter Gerhard unserer Zeit die Gegensätze des letzten Jahrhunderts und der Gegenwart in sich selbst und für die Christenheit so bewältigt hätte, wie Gerhard die seiner Vergangenheit und Gegenwart und uns eine Fortsetzung seiner unsterblichen Loci lieferte. So wenig aber unsere Zeit fähig zu sein scheint, einen zweiten Straßburger Münster auszudenken und zu schaffen, so wenig und noch weniger fähig scheint sie zu sein zu geistlichen architektonischen Schöpfungen, wie sie *) Es ist daher erklärlich, daß Gerhard während seines Lebens auch nicht Einen gefunden hat, der es wagen wollte, den Kampf mit ihm aufzunehmen. Als jedoch der Tod diesem Helden das furchtbare Schwerdt seiner harmlosen Feder für immer aus den Händen gerissen hatte, da erwachte endlich unter Calvinisten und Papisten ein so großer Muth, daß man nun auch gegen einen Gerhard zu Felde zog und der erstaunten Welt die große Schwäche enthüllte, an welcher seine Beweisführungen, bisher ungeahnt, gelitten haben.