# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1855_S299 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. 299 thun zu lassen. Wir sprechen bei dieser Gelegenheit den Wunsch aus, daß es ein Glied unserer Synode unternehmen möchte, unsere hiesige Kirche mit einer ausführlichen Biographie Gerhards zu beschenken. Es würde eine solche gewiß für unsere Kirche, Lehrer und Gemeinden von hohem Nutzen sein. — Es wird jedoch nun Zeit, daß wir wieder einlenken und zu unserem eigentlichen Gegenstand, der Beschreibung der Gerhardschen Loci theologici, zurückkehren. Gerhard hat dieses Werk schon im Jahre 1610, als er noch, 27 Jahre alt, Superintendent in Heldburg *) war, begonnen. Hier gab er nehmlich die vier ersten Tomi, die fünf letzten aber in Jena in 4. heraus, wo er das Werk Dom. Rem. 1621 vollendete; bei welcher Gelegenheit er den academischen Senat zu einem Dankmahl in sein Haus einlud. Gerhard befolgt in seinen Locis bekanntlich die synthetische Methode, indem er von den Ursachen ausgeht und zu den Wirkungen fortschreitet, das ganze System der christlichen Lehre in „Loci“ oder Hauptstücke des christlichen Glaubens eintheilend. Es war Gerhards Plan anfänglich nicht, ein so weitläuftiges Werk zu liefern, als es später geworden ist. Die ersten Loci: von der heil. Schrift, von Gott, von der heil. Dreieinigkeit und von Christi Person und Amt, stehen daher in Ausführlichkeit der Behandlung den folgenden nach. Gerhard hat daher einen Supplementband zu den vier ersten Locis herausgegeben, worin auch noch ein überaus werthvolles Proömium „von der Natur derTheologie“ sich findet. Dieses vervollständigende Werk (was derjenige, welcher die erste Ausgabe der Loci besitzt, kaum entbehren kann) trägt den Titel: Exegesis sive uberior explicatio articulorum de scriptura S., de Deo et de persona Christi in Tomo primo Locorum theol. concisius tractatorum. Jenae 1625. 4. Später faßte Gerhard den Plan, seine Loci in ein compendiöseres Werk zusammenzuschmelzen und zugleich darin das nachzuholen, was ihm in den Locis und in der zuletzt angeführten Exegesis noch zu mangeln schien. Der Tod hinderte die Vollführung eines so erwünschten Werkes. Nur der erste Theil, welcher die beiden ersten Tomi completirt, kam 1634 in 4. unter folgendem Titel heraus: Disputationes isagogicae. Gottfried Cundisius, Professor der Theologie zu Jena, gestorben 1661, hat sich daran gemacht, dieses die Loci ergänzende Werk fortzusetzen, hat aber nur die Ergänzungen zu dem dritten Tomus in zwei Voluminibus liefern können. Der Titel des ersten ist: Specimen Isagoges ad Locos theol. Gerhardi seu Decas prima disputatt. in Tomum III. de Lege et Evangelio. Jenae 1648. 4. Des zweiten: Decas altera etc. de justificatione. Ib. 1650. 4. Wir kennen hieraus nur kurze Citate. Cundisius stand seiner Zeit in dem Ansehen eines treuen und scharfsinnigen Theologen. Gerhards würdiger Sohn, Johann Ernst Gerhard, hat einen Auszug aus dem ganzen Werke seines Vaters in 3 Quartbänden geliefert, den wir nur aus kurzem Gebrauche *) Gerhard wurde schon im 24. Jahr seines Alters Superintendent daselbst und Doktor der Theologie.