# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1855_S298 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 298 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. brochen ist das güldene in der ganzen Welt alles überglänzende Gefäß. Gefallen ist die Krone der Academien. Gefallen die Säule der Gelehrten. Gefallen die Zuflucht der Studirenden. Die Denker haben den Theologen, die Fröhlichen den Zügel, die Kreuzträger die Tröstung, das Alter den Stab, die Jugend den Mahner, die Armuth den milden Spender, der Reichthum den Verwalter, die Wittwen den Beschützer, die Unmündigen den Vater, die Armen den Liebhaber der Armen, die Brüder den Liebhaber der Brüder, die Kranken den Arzt, die Gesunden den Bewahrer der Gesundheit, — Alle haben ihn verloren, der Allen Alles wurde, um Alle oder Etliche zu gewinnen.“ Salomon Glassius, Gerhards Nachfolger im Amt, nennt ihn in seiner Gedächtnißrede: „Jenen Vornehmsten (principem) unter den Theologen, jenes Licht sowohl dieser Universität, als der ganzen christlichen Welt, jene starke feste Säule im Hause des HErrn, jenes prächtige Gestirn im Himmelreich, jenen muthigsten Heros in Bekriegung und Ueberwindung so vieler Ketzerheere, jenes offenbare und leuchtende Vorbild aller Frömmigkeit und wahren Gottesdienstes, jenen reinen und unbefleckten Spiegel aller, Männern Gottes geziemenden Tugenden, jenes dem allmächtigen Gott theure Herz, jenen Liebling aller JEsu ergebenen Gemüther: Gerhard meine ich, den ich nur zu nennen brauche, wenn ich sein schuldiges Lob aussprechen will.“ Joh. Dilherr sagt in seiner Gedächtnißrede: „Nicht die Academie hat Einen von ihren Doktoren verloren, sondern die Doktoren haben ihre Academie verloren. Er war ein „Canon“ eines guten Mannes und ein Maaßstab eines christlichen Lehrers; ein Mann, der über allen unseren Lobsprüchen weit erhaben war; den die, welche ihn kannten, nicht genug hochschätzen konnten, die, welche ihn nicht hochschätzten, nicht genug kannten.“ Doch wir schließen nun mit dem Ausspruch Buddeus': „Niemand ist mit den größten Verdiensten Gerhards um unsere Kirche unbekannt, außer wer nie Gerhards Namen gehört hat.“ *) Es mag hier nicht am Orte gewesen zu sein scheinen, daß wir diesen Excurs zum Lobe Gerhards uns erlaubt haben; wir haben jedoch nicht umhin gekonnt, wenigstens so viel auszuheben, um diejenigen unserer geehrten Leser, denen Gerhard weniger bekannt ist, einen Blick in die unvergleichbare Bedeutsamkeit dieses Dogmatikers *) Gewiß mit Recht schreibt Heinsius in seiner Kirchenhistorie, daß Gerhard freilich nicht ohne viel Kreuz und Trübsal habe bleiben können, weil sonst die außerordentliche Ehre, welche er von allen Seiten erfuhr, ihm, als einem armen Menschen, unerträglich und es kaum möglich gewesen wäre, daß er sich sonst nicht sollte überhoben haben. Aber eben durch vielfältiges Kreuz bewahrte Gott dieses theure Rüstzeug davor. Keine Tugend glänzt in Gerhard herrlicher, als die Demuth. Als er 1610 Generalsuperintendent in Celle werden sollte, schrieb er dies ab, u. a. diesen Grund angebend: „Ich bin nur der Schatten von einem Theologen.“ Als er zehn Jahre später von Jena nach Wittenberg als Professor berufen werden sollte, erklärte er, die Schatten Jena's mit dem Lichte Wittenbergs nicht vertauschen und mit einem Meisner und Hunnius sich nicht vergleichen, geschweige sich ihnen voranstellen zu können. Die Worte nervose, solide et copiose, die auf dem Titel seiner Loci stehen, rühren nicht von Gerhard, sondern von dem her, der den Druck in Jena besorgte; Gerhard klagt darüber.