# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1855_S297 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch-theologische Pfarrers-Bibliothek. 297 hards hinterlassene Werke ein lauter, als alles andere, redender Beweis, daß er auch darin vielleicht von keinem Gelehrten übertroffen worden ist. Nicht nur nach seinem Tode hat er daher so allgemein und so große Elogia erfahren, wie nach Luther kein anderer Theolog, sondern auch schon bei seinen Lebzeiten konnten seine Zeitgenossen nicht umhin, die unvergleichbaren Gaben, welche Gott über ihn gleichsam ausgeschüttet hatte, in den stärksten Ausdrücken öffentlich und privatim anzuerkennen und zu preisen. Hoe von Hoenegg nennt ihn in seinen Briefen an ihn nicht anders, als: „das Auge, den Banner- und Lichtträger der Theologen, den Erztheologen, Licht und Säule der christlichen Republik." Michael Walther schreibt im Jahre 1635 an Glassius: „Der himmlische David, Christus JEsus, sah und gab seit der Zeit der so nothwendigen Reformation zwar bisher mehrere wahrhaft unerschrockene und überaus gelehrte Theologen in der rechtgläubigen Kirche; drei jedoch haben ohne allen Zweifel allen übrigen die Palme entrissen, deren ganz besondere Gaben und Thaten nicht leicht jemand erreichen konnte, nehmlich der Megalander (der Groß-Mann) Luther, Chemnitz und Gerhard. 2 Sam. 23, 16. Wie ich daher mit Gott darnach trachte, mit dem Kalbe derselben zu pflügen, so rechne ich mir dies zu meinem Lobe an." Dilher schreibt; „Gerhards Haus war das Museum der christlichen Welt und gewissermaßen ein Tempel des heiligen Geistes, wo Männer aller Stände und jedes Alters Unterricht erhalten konnten." Fast alle Theologen von Bedeutung aus jener Zeit ehrten in Gerhard ihren geistlichen Vater und Lehrer. Als er starb, lud die Universität durch ihren Rector und ihre Professoren in dem lateinischen Programm zu seinem Leichenbegängniß mit den Worten ein: „Kommt eilends zusammen; kommt eilends zusammen, ihr Bürger der Academie! Die Grundfesten der Academie sind erschüttert. Erscheinet! Trauert! Nehmet Gerhards Sarg auf eure Schultern! In Schaaren, in Schaaren gebt ihm die letzte Ehre! Eines größeren Theologen Bestattung hat Jena nie gesehen (oder wird sie sie sehen?) Trauert, klaget alle Gute! ... Unser Gerhard ist über alles Lob erhaben, ein Mann, dessen Verdienste um die ganze christliche Kirche keine Zunge genügend aussprechen kann." Auch die Wittenberger Universität veranstaltete eine Gedächtnißfeierlichkeit; in dem zu diesem Zwecke ausgegangenen Programme heißt es: „Niemand kann jemals weder den Heimgang jenes größten und unvergleichlichen Theologen genug beweinen, noch sein Lob genug besingen und durch eine würdige Rede den Nachkommen überliefern. Denn er war ein Mann von so ausgezeichnetem Geist und so großer natürlicher Güte, von so außerordentlicher Gelehrsamkeit, von solcher Tugend endlich und Heiligkeit der Sitten, daß, wer dies alles nach einander betrachtet, leicht gestehen wird, daß dies bei weitem das Maaß dessen, was dem Menschen beschieden ist, übersteige und etwas Göttliches und Himmlisches athme, was leichter bewundert, als mit Reden ausgedrückt werden kann." Auch der vortreffliche Justus Feuerborn in Gießen hielt hier Gerhard eine Gedächtnißrede, worin er u. A. sprach: „Gefallen ist die evangelische Posaune; zer-