# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 08 03_S97 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 2. St. Louis, Mo., den 8. August 1846. No. 25. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingesandt von Pastor Keyl.) Beschreibung des Begräbnisses Dr. Martin Luthers. (Schluß.) Bald nach dieser Leichenpredigt (als am Sonnabend d. 20. Febr.) wurde zwischen 12 und 1 Uhr Mittags der noch in der Kirche stehende Sarg mit der Leiche Luthers erhoben, auf einen Leichenwagen gesetzt und aus Eisleben hinweggeführt unter dem Gesange christlicher Lieder, unter dem Geläute aller Glocken und unter zahlreicher Begleitung der oben erwähnten Fürsten und Grafen mit ihrem Gefolge, so wie einer großen Menge Volkes. Fast in allen Dörfern, durch welche dieser ansehnliche und ehrwürdige Leichenzug ging, wurden die Glocken geläutet und so stimmten gleichsam auch die Kirchen, in denen durch Luthers Dienst das Wort Gottes rein ertönte, in das Wehklagen des Volkes über seinen Tod ein. So kam die Leiche Abends um 5 Uhr vor Halle an, wo sie von den sämmtlichen Predigern, dem Rathe, der Bürgerschaft und den Schulknaben mit ihren Lehrern feierlich empfangen und abermals unter dem Gesange christlicher Begräbnißlieder und unter dem Geläute der Glocken in die Stadt begleitet wurde. Das Wehklagen und Weinen war so laut, daß man es in dem letzten Wagen hören konnte, und das Gedränge um den Leichenwagen so groß, daß der Zug sehr oft aufgehalten wurde und erst nach 1½ Stunden, nämlich Abends ½7 Uhr in der Kirche zu unsrer lieben Frauen ankam. Hier stimmte das zahlreich versammelte Volk bei der Leiche Luther's sein Lied: „Aus tiefer Noth schrei ich zu dir ꝛc.“ an, was aber mit kläglicher gebrochener Stimme mehr herausgeweint als gesungen wurde. Da es nun zu spät geworden war, um noch eine Predigt halten zu können, so wurde die Leiche in die Sacristei gesetzt und von Bürgern bewacht. Am folgenden Tage, Sonntags den 21. Febr., wurde dieselbe früh um 6 Uhr wieder auf die eben beschriebene Weise aus der Kirche bis an das Thor begleitet und in Bitterfeld, wo sie gegen Mittag anlangte, von dem Schloßhauptmann und noch zwei churfürstlichen Commissären in Empfang genommen und unter ähnlichen Ceremonien Abends nach Kemberg gebracht. Während dies Alles geschah, ergingen zwei churfürstliche Schreiben nach Wittenberg. Das eine vom 20. Febr. war ein Trostschreiben an Luthers Wittwe, worin es unter andern heißt: „Wir zweifeln nicht, ihr werdet nunmehr erfahren, daß der ehrwürdige und hochgelahrte, unser lieber, andächtiger Dr. M. Luther, seliger Gedächtniß, euer Hauswirth, sein Leben von diesem Jammerthal zu Eisleben am letzten Donnerstag zwischen 2 und 3 Uhr, christlich und wohl, mit göttlichen der heil. Schrift Sprüchen beschlossen hat.“ Das andere Schreiben vom 21. Febr. enthielt eine Verordnung des Churfürsten wahrscheinlich an den Rector der Universität, wegen Bestellung von zwei Messingplatten auf das Grab Luthers und an die Mauer in der Nähe desselben zu Grabschriften. An demselben Tage (den 21. Febr.) ließ der Rector der Universität ein lateinisches Programm (Bekanntmachung) öffentlich anschlagen, wie es mit dem feierlichen Empfange der Leiche Luthers gehalten werden solle. Als nun die Leiche Montags den 22. Febr. vor Wittenberg anlangte, worin Luther 38 Jahre lang gelebt, gelehrt und gelitten, der diese Stadt und Universität in aller Welt berühmt gemacht und noch vier Wochen vorher zum letzten Mal darin gepredigt hatte, so war alles aufgeboten worden, damit sein Begräbniß ein wahrhaft fürstliches würde (wie er auch solches wohl verdient hatte); also, daß keinem Lehrer eine solche hohe Ehre zu Theil geworden ist. Die ansehnliche und zahlreiche Procession bewegte sich, während das Trauergeläute ertönte, in folgender Ordnung nach der Schloßkirche: 1.) Die Schüler, welche christliche Begräbnißlieder sangen, mit ihren Lehrern, denen sämmtliche Prediger Wittenbergs folgten. 2.) Die churfürstl. Commissäre nebst ihrem Gefolge zu Pferde. 3.) Die Grafen von Mansfeld mit ihrer Dienerschaft, welche mit den Vorigen einen Zug von 65 Reutern bildeten. 4.) Der Leichenwagen mit 4 Pferden bespannt und mit einem kostbaren Leichentuche von schwarzem Sammet bedeckt, welches der Churfürst der Wittwe zum Geschenk machte. 5.) Die hinterlassene Wittwe Luthers, Catharina von Bora, welche nicht bei seinem Tode hatte sein können, nebst ihrer zwölfjährigen einzigen Tochter Margaretha, welche mit anderen Frauenspersonen auf einem Wagen fuhren. 6.) Die drei Söhne Luthers, Johannes (20 Jahre alt), der zwar seinen Vater nach Eisleben begleitet hatte, ohne Zweifel aber bald darauf zu seiner Mutter zurückgekehrt war; ferner Martinus von 15 Jahren und Paulus von 13 Jahren, welche mit am Sterbebette ihres Vaters gestanden hatten. 7.) Luthers Bruder, Jakob Luther aus Mansfeld, seine beiden Schwestersöhne und andere seiner Anverwandten. 8.) Der Rector der Universität, Dr. August Schurf, in seinem Ornat in Begleitung von studirenden Fürsten und Grafen. 9.) Der Canzler Dr. Gregorius Brück. (Der als solcher drei Churfürsten gedient hat. Luther hat von ihm gerühmt, daß er allein unter allen Juristen Gott gäbe, was Gottes sei, und dem Kaiser, was des Kaisers sei, und daß er täglich in der Bibel lese, um in der Lehre immer gewisser zu werden; war ein thätiger Vertheidiger des lutherischen Bekenntnisses auf vielen Reichstagen und war bei der Ueberreichung der Augsb. Confession.) Ihm folgten folgende Professoren: Phil. Melanchthon, mit Recht der Lehrer Deutschlands genannt und als treuer einstimmiger Mitarbeiter Luthers, besonders bis zum Jahr 1535, berühmt. Dr. Caspar Cruziger, von dem Luther sagt: Es ist das ein Mann (wo mich nicht die Liebe blind macht), der einen Elisam abgeben wird, wenn ich irgend (daß ich hier niedere und geringe Dinge mit hohen vergleichen mag,) ein Elias gewesen bin. Leider willigte er noch bei Luthers Lebzeiten in Melanchthons Nachgiebigkeit hinsichtlich des Sacramentsstreits. Dr. Hieron. Schurf, Professor der Rechte, den Luther einen der besten und vornehmsten Juristen nennt, der noch überdies ein Christ sei. Diesen folgten die übrigen Professoren ꝛc. 10.) Der ganze Stadtrath. 11.) Die Studenten in großer Anzahl. 12.) Die gesammte Bürgerschaft. Das Weinen und Wehklagen bei diesem Leichenzuge war so laut und das Gedränge in allen Gassen und auf dem Markte so groß, daß viele Bewohner Wittenbergs bekannten, nichts Aehnliches gesehen zu haben, obgleich in der