# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S286 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 286 Ein Wort von Thiersch über die moderne christliche ꝛc. großen Männern der Kirche lesen wir, daß sie an großen Männern sich emporarbeiteten; Luther z. B. trieb in einer Weise, die man jetzt gewiß einseitig nennen würde, den Augustinus; wie viel mehr wird's mir Kleinem zuträglich sein, an Großen hinaufzuranken und stark zu werden! Kaum wird mir Jemand den Einwurf machen, ich fordere mit Unrecht auf, Luthern zum Mittelpunkt des theologischen Studiums zu wählen, da die heil. Schrift dieser Mittelpunkt sein müsse. Dem Luther ist die Schrift ans Herz hinangewachsen; so trägt er sie uns nun zu, damit sie auch an unser Herz hinanwachse. Wer Luthern in Keyls Weise studiert, der wird sicherlich in die Schrift hineingetrieben und lernt dazu wirkliche Schriftauslegung. Man hat gesagt, Luther, der Prediger der Rechtfertigung, verstehe wohl den Paulus, aber den Johannes verstehe er nicht; allein dies zu glauben, wäre eben so viel als dafür zu halten, Paulus wisse nichts von Liebe, was doch jedenfalls jeder, der 1 Cor. 13. liest, für eine alberne Rede erklären wird. Man lese z. B. nur einmal die Auslegungen der Evangelien zwischen Ostern und Pfingsten, und aus diesen wenigen Proben allein wird man sehen, daß beim Lesen des Johannes der Dr. Luther der beste Führer ist. Jedes Schriftwort faßt er auf nicht bloß im nächsten, allzeit auch im Zusammenhange mit der ganzen Schrift, das Gold der lauteren seligmachenden Lehre erkundet er mit sicherem Blick und führt es zu Tage, und das Alles in einer Weise, die gleich weit ist von herzloser Nüchternheit wie von wüster Schwärmerei. An der Hand eines solchen Führers und dabei gerüstet mit den Ergebnissen der neueren Wissenschaft, Sprachenkunde u. s. f., wie möchten wir nicht mit inniger Lust wandeln auf den grünen Auen und trinken aus den frischen Quellen des edlen Gotteswortes!“ Ein Wort von Thiersch über die moderne christliche Unterhaltungsliteratur. W. J. Thiersch hat ein kleines Schriftchen ausgehen lassen: Ueber christliches Familienleben. Frankfurt a. M. und Erlangen 1854. Mag auch über Einiges mit dem Verfasser mit Grund gerechtet werden können, wie denn z. B. die evang. Kirchenzeitung in ihren letzten Nummern die Ansichten desselben über Wiederverehelichung Geschiedener in Anspruch genommen hat; so ist doch der tiefe sittliche Ernst, welcher durch diese ganze Schrift mit unerschrockner Consequenz und scharfer Präcision hindurchgeht, um so mehr anzuerkennen, als derselbe nicht etwa ein selbsterwählter Rigorismus ist, sondern auf consequenter Verfolgung der christlichen Principien beruht. Es sei erlaubt, eine mehr beiläufige Bemerkung als Probe den mit dieser Schrift noch unbekannten Lesern zu geben: sie enthält, meine ich, viel Beherzigenswerthes, wenn auch hier noch manche Restriction zu machen sein dürfte. „Was die Schriften der gottseligen Alten betrifft, so halten wir einen heil-