# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S285 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutherophilus. 285 zuredenden, lockenden Worten, daß die widerstrebenden Herzen zur göttlichen Traurigkeit, Reue und Glauben hindurchdringen und die Geängstigten sich trösten lassen müssen; mit scharfem evangelischen Blicke überschaut und prüft er, was sich regt und bewegt in der Christenheit, und weiß die Seinen vor der gleißendsten Verführung zu warnen; jeder Satz endlich nicht bloß seiner Predigten, auch aller seiner Schriften zumal zeugt von einem festen Herzen, sein ganzes Auftreten von einer unüberwindlichen fröhlichen Gewißheit, daß seine Sache Gottes, sein Wort des Herrn ist: er hat Alles, was uns jetzt so Noth ist, und wir sollten es nicht von ihm nehmen? Die Form seiner Rede, die er selbst durch das Wort Gottes bilden ließ, diese einfältige und doch so frisch und lockend zum Herzen klingende Sprache ist allein schon des Studiums werth, damit wir Prediger endlich einmal wieder zum Herzen des ganzen Volks sprechen können. Der Schüler der Theologie studiere fleißig die einzelnen theologischen Wissenschaften, aber zum Mittelpunkte seiner Arbeit mache er den Dr. Luther, und die Kenntnisse, die er in den einzelnen Wissenschaften erwirbt, werden sich in seinem Geiste der lauteren Lehre des Wortes Gottes zu Gebote stellen in bester Ordnung und Uebersicht zu Gebrauch und Uebung. In schmähliche Abhängigkeit und Einseitigkeit durch solches Studium zu gelangen, fürchte niemand. Man kann Luthern nicht nachahmen, wie man Dräseke oder Claus Harms nachgeahmt und sich damit zur Fratze gemacht hat, man kann sich eben nur an ihm hinaufarbeiten und an ihm stark werden, weil er nicht sowohl diese oder jene besondere Eigenthümlichkeit hat, sondern außerordentlich umfassend begabt nicht der Meister einer Schule, sondern der Führer einer Kirche ist; einseitig dazu ist Dr. Luther wahrlich nicht gewesen und kann daher seine Schüler auch nicht einseitig machen. Keyl's Vorschlag ist übrigens nur eine Ausführung des Rufes, welcher von vielen Seiten in der lutherischen Kirche erschallt und vom seligen Catenhusen so ausgesprochen wurde: wir müssen wieder zu Luther hinan. B. Lindner in seiner Kirchengeschichte III, 1. S. 2 spricht: „was von kirchlicher Erneuerung bis jetzt zu spüren ist, das geht dankbar auf ihn (Luther) als Urheber zurück; möchte sich die Erweckung auch auf diesem Gebiet an ihm zu wahrer Kraft und Volksthümlichkeit heranbilden!“ Nun hat Keyl einmal wirklich Ernst gemacht, sich an Luther heranzubilden. Das bloße Lesen fand er nicht genügend, er las mit der Feder, und seine Arbeit trägt die edelste Frucht; wer seine Predigt hört, muß wünschen, auch also predigen zu können, und sein Buch, die Katechismusauslegung aus Luther und den Symbolischen Büchern, ist lehrhaft durch und durch. Wäre es thöricht, wenn andere Theologen auch einmal Ernst machten mit dem Studium Luthers, nachdem dasselbe nun nicht bloß von Lehrern, wie Lindner empfohlen, auch von Keyl wirklich geprüft ist? Ich habe es lange für Thorheit gehalten, so wie Keyl den Luther zu studieren, aber seitdem ich es vor etwa 2 Jahren angefangen habe, ist es mir von solchem Nutzen geworden, daß ich mit jedem Tage eifriger und freudiger studiere: meine eigne Gemeinde würde dafür zeugen. Von