# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S284 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 284 Der Lutherophilus. zurückzunehmen, wenigstens zum Theil, da dieselbe dann dennoch dem Beschenkten bleibt. Unser Hoyer schreibt in jenem Briefe u. A. folgendes wohl zu Erwägendes: „Der Weg freilich, welchen Pastor Keyl selbst eingeschlagen hat und Anderen vorschlägt, wird Vielen wenigstens bei erster Anschauung seltsam und verwerflich erscheinen. Also Luther soll mit der Feder gelesen und studiert werden dermaßen, daß er den Mittelpunkt des theologischen Studiums bildet! So etwas dem jetzigen Geschlechte, welchem alle Autorität zuwider, Unabhängigkeit, unabhängiges Streben gemäß der eignen Herzensneigung über Alles geht, zuzumuthen, ist jedenfalls ein starkes Stück, und manche Theologen, wenn sie es anders der Mühe werth halten, über die Sache weiter nachzudenken, werden nicht übel Lust haben, den Herausgeber des Lutherophilus einem gewissen Ritter und den Theologen, welcher bei dieser Arbeit Handreichung zu thun versucht, einem gewissen Knappen jenes Ritters zu vergleichen. Allein erstlich, ist es denn nicht durchaus nothwendig, daß jenem ordnungslosen Studieren und Umherschweifen auf dem ungeheuren Felde der Theologie endlich einmal ein Ende gemacht wird? muß es denn so sein, daß der Student nach absolvirtem Triennium sich genöthigt sieht, den größten Theil dessen, was er gelernt, über Bord zu werfen und alsdann im Bewußtsein der eignen Haltlosigkeit sich irgend einer theologischen Einzelschule, irgend einem bedeutenderen Kopfe anzuschließen, der denn doch am Ende auch wieder nur seine eigne Rede führt? haben wir denn noch immer nicht genug an der entsetzlichen Sprache der heutigen Theologie, welche gleich einem verwirrenden Dämon Besitz nimmt von dem armen Studenten, ihn ins Amt begleitet und seine Predigt, wenn nicht ganz unverständlich, doch unerquicklich und reizlos macht? kurz, wünschen wir nicht endlich einmal an der Stelle von Vielwissern, die vor lauter wissenschaftlichen Bedenken und wider einander streitenden Meinungen zu keinem festen Auftreten kommen können, theologische Persönlichkeiten auf den Kanzeln und unter den Führern der Kirche zu sehen, Leute, bei denen Christus mit Seiner Wahrheit nicht bloß eine Stätte im Gedächtniß, sondern eine Gestalt gewonnen hat? Und zweitens, da ist ja unter uns lebendig vorhanden die umfassendste theologische Persönlichkeit, die seit der Apostel Zeit in der christlichen Kirche gelebt, gearbeitet und geduldet hat, Dr. Luther; lebendig unter uns in seinen Schriften, in welchen er überall sich selbst giebt, nicht bloß einzelne Kenntnisse und Erfahrungen, seine ganze Persönlichkeit vielmehr, sein Herz und seine (geistige) Gestalt, ist er unter den vielen Lehrern bis auf diesen Tag der Vater in Christo und Führer der lutherischen Kirche, an welchem wir uns je nach unseren Gaben zu Hauptleuten über 50 oder 100 hinaufarbeiten mögen: bildet sich doch Persönlichkeit an Persönlichkeit. Ihm war die lautere Lehre des Wortes Gottes wie zur anderen Natur geworden; denen, die unter dem Gesetze sind, weiß er das Gesetz zu schärfen, daß eine erschreckliche Verstocktheit dazu gehört, unter demselben sich nicht zu demüthigen; den Mühseligen dagegen bringt er das Evangelium in solcher Lieblichkeit, mit so süßen