# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S283 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 283 Der „Lutherophilus.“ Diese in zwanglosen Heften erscheinende Zeitschrift *), redigirt von Herrn Pastor E. G. W. Keyl in Baltimore, die hier, ohne Zweifel wegen ihrer so gänzlich wider den Strom der Neuzeit schwimmenden Tendenz, im Ganzen wenig Unterstützung und Aufmunterung gefunden hat, ist hingegen in Deutschland durchaus nicht ohne Berücksichtigung geblieben. Sie wird im zweiten dießjährigen Quartalheft der Rudelbach-Guericke'schen Zeitschrift nicht nur angezeigt und characterisirt, sondern auch mit den kurzen, viel sagenden Worten recensirt und in Deutschland eingeführt: „Recht lesens- und beachtenswerth!“ Zwar können auch wir uns nicht völlig mit der Art der Benutzung Luthers für die Ausarbeitung der Predigten versöhnen, welche der „Lutherophilus“ und die von demselben Verfasser neulich erschienenen „Predigtentwürfe“ anempfehlen, aber die Richtung selbst: „Wir müssen wieder zu Luther hinan!“ ist außer allem Zweifel die allein richtige. Ja, wenn wir an die ungesalbten, gehaltlosen, von neumodischen und unbiblischen Phrasen strotzenden Predigten denken, welche jetzt meist von den Canzeln nicht nur der Sektenprediger, sondern der gutlutherisch sein wollenden erschallen, so werden wir stark versucht, einen jeden um Gottes willen zu bitten, anstatt aller andern unglücklichen Versuche der Besserung den Weg bis aufs Kleinste zu verfolgen, den unser theurer Mitarbeiter am Werke des HErrn, Keyl, vorzeichnet. Jedenfalls aber ist, was Herr Pastor Keyl aus dem Schatz einer mehr als 25jährigen Amts-Erfahrung und eines unermüdlichen Studiums in Luthers Schriften bei Morgenlicht und Lampenschein uns in seinem „Lutherophilus,“ in seinen „Predigtentwürfen“ und in seiner „Katechismusauslegung“ (Nördlingen bei Beck; auch in New-York, Philadelphia und St. Louis zu haben) darbietet, so wichtig, daß es eines jeden lutherischen Predigers ernstliche Beachtung verdient und ohne eine reiche Frucht in aller Beziehung nicht gebraucht und benutzt werden kann. Die Sorge, daß das Bekenntniß unseres, wiewohl nur theilweisen, Dissensus, den zu verheimlichen die Ehrlichkeit uns jedenfalls verbot, unsere Empfehlung neutralisiren würde, hat uns bisher abgehalten, die Leser auch auf jene Früchte von dem Baume unserer Synode aufmerksam zu machen. Wir sehen jetzt ein, daß wir im Irrthum waren, und suchen daher das Versäumte hierdurch nachzuholen. Herr Pastor A. Hoyer in Philadelphia hat es für seine Pflicht gehalten, Herrn Professor Dr. Guericke auf den „Lutherophilus“ aufmerksam zu machen und ihm ein Exemplar desselben zuzuschicken. Er hat es mit einem Privatbriefe an ihn begleitet und Dr. Guericke hat diesen Brief „zum Frommen auch der diesseitigen Christenheit und ihrer Lehrer“ in seiner Zeitschrift abdrucken lassen. Wir können nicht umhin, die schöne Gabe von hier wieder *) Das erste Heft erschien bei Schäfer und Koradi in Philadelphia im vorigen Jahre und ist hier wie in St. Louis und New-York für 20 Cts. zu haben.