# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S279 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchliche Zustände im Königreich Sachsen. 279 Mit Recht schreibt in Betreff dieser Erklärung ein Correspondent im Kirchenund Schulblatt: „Mancher wünschte vielleicht, er hätte tapferer antworten mögen; aber gegen ein Bombardement von Seifenblasen kann man das Pulver sparen." — Auf den Vorwurf, daß das mehrgenannte Blatt ein Parteiblatt sei, antwortet der bereits angezogene Correspondent in einer Weise, daß wir es uns nicht versagen können, unseren Lesern etwas davon mitzutheilen , indem derselbe Wahrheiten ausspricht, die wir ähnlichen Vorwürfen, welche auch dem „Lutheraner" und „Lehre und Wehre" hier gemacht werden, zugleich entgegensetzen möchten. Der Correspondent schreibt u. A. Folgendes: „Ist das Kirchen- und Schulblatt wirklich ein Parteiblatt? Nicht unter allen Umständen braucht man den Namen einer Partei, eines Parteiblattes u. s. w. zu perhorresciren, denn nicht immer begründet er einen wirklichen Vorwurf. Es gibt wie im Staate so in der Kirche Zeiten und Umstände, wo die Vertreter des sonnenklaren Rechtes gewaltsam in die Stellung einer Partei gedrängt werden. Mußten ja auch die Bekenner zu Augsburg es sich gefallen lassen, für eine Partei zu gelten. Aber selbst in dieser Beziehung, wo der Name Parteiblatt selbst ein Ehrenname sein kann, kann das Kirchen- und Schulblatt denselben sich nicht annehmen. Es hat in seinen bisherigen engen Beziehungen zur Landeskirche sich auch die Aufgabe eines Organes derselben gestellt ... Es hat dies offenbar auf Kosten seines Rufes gethan, indem es sich dadurch mit einer Menge Ballast beladen hat ... Aber allerdings hat das Kirchenund Schulblatt das Fundament der Kirche nicht können verrücken, es hat das Bekenntniß und die Lehre der Kirche nicht als eine bloße Ansicht behandeln und den Rationalismus oder irgend ein anderes System als gleichberechtigt in der Kirche betrachten lassen, es hat seine Spalten nicht als ein neutrales Gebiet betrachten können, auf dem biblische und unbiblische, kirchliche und unkirchliche Ansichten einen freien Tummelplatz hätten. Es ist wunderlich, daß man auf dem Gebiete der Kirche oft Dinge verlangt, die auf verwandten Gebieten keinem verständigen Menschen einfallen. Wird man z. B. von einem im Dienste der Regierung stehenden Blatte verlangen, daß es den Theorien der Socialdemokraten und andern destruktiven Tendenzen offen stehen, Angriffe auf die Verfassung, die Monarchie aufnehmen soll? Und ein Kirchenblatt soll, wenn es nicht ein Parteiblatt sein will, ein Blatt sein, wo allerlei Volk unter dem Himmel sich versammelt, und jeder dumme oder kluge Einfall ein Recht auf Gehör hat? Gibt es denn etwa überall, nur nicht in der Kirche ein Feststehendes, das man zu wahren hat? Gibt es in ihr keine über allen Zeitströmungen und Wechsel der Systeme erhabene ewig gültige Wahrheit? Soll das unter so heißen Kämpfen gerettete Palladium unserer Kirche, ihr Bekenntniß, immer und immer wieder in Frage gestellt werden? Besteht die uns beschiedene Arbeit darin, daß wir immer aufs neue den Grundstein aufwärts wälzen, um ihn wieder herabrollen zu lassen? Sollen wir nie zum Bauen auf dem rechten Grunde kommen? Soll die Revolution, die man im Staate so herzlich satt hat, in der Kirche für