# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 07 25_S96 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) rus, und Offenb. Joh. 6, 10. zu sehen sei), und werde durch Gottes gewaltige Hand zu dem Leibe am jüngsten Tage wieder kommen und ihn lebendig machen. So habe Luther jetzt sein Wesen unter den lieben Engeln und Auserwählten Gottes, insonderheit des heiligen Apostel Paulus, dessen Schriften er wiederum ans Licht und zum rechten Gebrauch der Kirche gebracht habe. Er schließt mit der Ermahnung, „daß wir, durch den heil. Geist erleuchtet, uns durch seine Bücher in die heil. Schriften führen lassen und im rechten Glauben und Leben, unser letztes Stündlein auch seliglich beschließen! Amen.“ (Schluß folgt.) (Eingesandt.) Lesefrüchte. Schon früher einmal ist im „Lutheraner“ der bekannte luther. Theolog Nic. Selneccer, Verfasser des vortrefflichen Kirchenliedes: Allein Gott in der Höh, u. s. w., erwähnt worden, und das Bild, was die Leser durch sein damals angeführtes gottesfürchtiges und liebevolles Urtheil über die in der schrecklichen Pariser Bluthochzeit grausam ermordeten Reformirten bekommen haben, stimmt gewiß mit dem überein, was man hin und wieder von ihm antrifft, indem er als ein Mann von sanftmüthigem Gemüthe, der gar keine Lust zu Zänkereien gehabt habe, und doch dabei ein aufrichtiger Bekenner der reinen Lehre gewesen sei, geschildert wird. Da Selneccer als Mitverfasser des Concordienbuchs in die Reihe der allereinflußreichsten Theologen der luth. Kirche gehört, so wird es gewiß nicht ohne Interesse sein, wenn sein Andenken noch einmal im „Lutheraner“ erneuert wird, indem Einsender dieser Zeilen den lieben Lesern unsers Blattes das nachfolgende schöne Bekenntniß des seligen Selneccers, seine theologische Bildung betreffend, mittheilt, aus dem insbesondere alle Freunde des Concordienbuchs mit Freuden sehen werden, daß diese herrliche Bekenntnißschrift Männer zu Verfassern habe, die in der Schule der Anfechtung vieles lernten; die nicht Herren, sondern demüthige Schüler des göttlichen Wortes waren, und daher vom heiligen Geiste ausgerüstet wurden, auch andere, ja die späte Nachwelt zu lehren. Selneccer sagt über die Worte Ps. 119, 67: „Ehe ich gedemüthigt ward, irrte ich: wir meinen, es sei viel Vernunft, Weisheit, Kunst und Frömmigkeit in uns; wenn wir aber ein starkes Creuz bekommen, Herzensangst, geistliche Traurigkeit und Schwermuth, so sehen wir, daß wir weit geirret und nichts in uns ist, dadurch wir uns selbst rathen und helfen könnten, wo nicht der heilige Geist durch das Wort Gottes uns beisteht und hilft. Ich für meine elende Person muß frei bekennen, daß es also ist. Da ich noch frei und ohne Amt war, deuchte mir nichts zu schwer sein, davon ich nicht hätte wollen reden und disputiren in dem göttlichen Worte, da nahm ich mir vor, bald Ritter zu werden in den höchsten Streithändeln, und däuchte mich aller andern Lehrer Meinung nicht so gut, als eben meine, so ich doch jung und ein Schüler war. Ich unterstund mich auch von Stund an zu schreiben über die heilige Schrift und zu lesen öffentlich die Geschichte der Apostel, den Matthäum, Johannem, Danielem und andere. Da war es köstlich Ding, da war ich Magister Magistrorum (Meister über alle Meister) und hatte alles auf ein Nägelchen geschrieben und ausgesoffen, da ich aber zum Predigeramt berufen ward und ich nicht allein mit leiblicher Krankheit und andern Unfällen heimgesucht, sondern auch mit gefährlichen Gedanken und Todesangst geplaget war, und solches nicht ab⸗, sondern täglich zunahm, also, daß ich fast für keinen Menschen tüglich und mir das Gesicht verging, und ich allen Muth und Herz verloren und schier weder predigen noch sonst mein Amt ausrichten konnte, da ward ich in die Schule geführt und lernte: Nil sum. (Ich bin nichts.) Und wiewol mir solches Creuz einen großen Stoß an meiner Gesundheit und am Leben gethan, noch danke ich Gott von Herzen, daß er mich also gedemüthigt und aus meiner Jugend Frevel, Uebermuth und Stolz geführt hat, und bin allerdinge gar wohl zufrieden, wenn ich nur ein wenig meines Amtes kann abwarten, wiewohl es mir ja sauer wird, und habe, Gott sei Lob, allein das bloße Wort Gottes, daran ich mit andern Gläubigen mich halte, wider meine eigene Gedanken und wider alle Anfechtung des Teufels, Todes, Ketzer und die Welt. Solches scheue ich mich nicht zu bekennen. Es ist ja wahr und ist mein Trost, daß ich lese, daß dergleichen auch anderen widerfahren, wie Taulerus schier zwei Jahre nicht hat dürfen unter die Leute gehen, und hat weder predigen noch lehren können, aus lauter Blödigkeit, daß man ihn auch für einen wahnsinnigen Menschen hielt.“ „Sirach redet auch also:“ „„Da ich noch im Irrthum war, konnte ich auch viel Lehrens, und war so gelehrt, daß ichs nicht alles sagen konnte. Und bin oft in Fahr des Todes darüber kommen, bis ich davon erlöset worden. Nun sehe ich, daß die Gottesfürchtigen den rechten Geist haben. Denn ihre Hoffnung stehet auf den, der ihnen helfen kann.““ Sirach 34, 12—15.“ „Jetziger Zeit siehet man solches auch. Junge Leute, die ein wenig ihre Philosophiam studirt, machen sich bald hervor und wollen Meister sein in göttlichen Sachen, und was sich reimet zu ihrer Vernunft, das muß recht sein, das andere muß falsch sein. Ich bin jung gewesen und kann mit Wahrheit sagen, daß sie keine Kunst oder Argument haben noch führen, das ich auch nicht gehabt und geführt hätte, da ich noch im Zweifel steckte und da mir ihre Kunst wohlgefiel. Aber wenn sie einmal sollten ihr Herz erforschen, und ihr Gewissen vor Gott bringen, wie es ja wird geschehen, da würden sie und werden es auch erfahren, daß sie Narren sind mit ihrer großen Kunst, und daß sie nichts gewiß wissen noch haben, sie bleiben denn allein bei dem Worte Gottes. Es ist ja wahr und bleibt also, ohne das Creuz kann kein Mensch Gottes Wort verstehen, er sei wer er wolle, vexatio dat intellectum, Creutz und Anfechtung lehret aufs Wort merken. Sonst sind wir alle naseweise Philosophi und sichere Disputirer. Wolan wir wünschen allen Künstlern nichts anders, denn ein starkes Creuz und Gewissensangst, sonst bekehren sie sich nicht, hören nicht auf zu künsteln.“ N. Methodismus. Wir halten es für unsere Schuldigkeit, den Lesern des „Lutheraner“ dasjenige mitzutheilen, was von Seiten der Methodisten auf unsern Aufsatz von der „heil. Absolution“ geantwortet worden ist. Wir achten für unnöthig, etwas hinzuzusetzen; wir meinen, die unglückseligen Methodisten haben durch nichts mehr unseren Behauptungen das Siegel der Wahrheit aufgedrückt, als durch die Art, wie sie sich hierbei weiß zu brennen gesucht haben. Im „Anzeiger des Westens“ schreibt man Folgendes: „Wir fühlen uns gedrungen für Wahrheit und Recht so wie aus Pflichtgefühl für uns selbst, dem Blatte des sogenannten Lutheraner zu entgegnen, — Herausgeber C. F. W. Walther. Derselbe erlaubt sich öffentlich den Methodisten die gröbsten Unwahrheiten nachzureden. Welches wir jeden, der verlangt, zu erweisen uns erbieten. Derselbe beschuldigt uns Grundsätze, die wir weder haben noch lieben, sondern vielmehr von Herzen verabscheuen. und deßhalb thut es uns von Herzen wehe, solche Lügen von einen Prediger zu vernehmen, der sich Schmeichlent für einen Rechtgläubigen ausgibt. Doch jeder mache selbst prüfen durch wessen Geist, der oben benannte Pastor zum Lügen und Schmähen angetrieben werde. Keineswegs lassen wir uns auf die Stolzen und unnützen Religions-Streitigkeiten ein Deuten aber an, daß wir nicht umhin können solch freches Lügen und treiben des Pastor, Walther, auf uns ruhen zu lassen.“ Mehrere Mitglieder der bisch. meth. Kirche. J. K. Herr. K. Alt. Louis Kunz. In der hier erscheinenden „Deutschen Tribüne“ heißt es ferner also: „Wir machen folgende Erklärung, die wir uns selbst und der Wahrheit schuldig zu sein glauben. Pastor C. F. W. Walther erlaubt sich in seinem Blatte, dem sogenannten Lutheraner, den Methodisten öffentlich Lügen nachzureden, welches wir einem jeden, der es verlangt, zu erweisen uns erbieten. Wir machen diese Erklärung nur um das Wesen und Treiben jenes Mannes offenbar zu machen, der verkleidet in den Engel des Lichts, wie wir glauben, die Methodisten verdächtig machen will. Keineswegs lassen wir uns auf die stolzen und übermüthigen Religionsstreitigkeiten und Schmähungen des Herrn Walther ein, wollen ihm aber andeuten, daß wir seine Lügen und Unwahrheiten nicht erdulden wollen.“ Mehrere Mitglieder der bisch. meth. Kirche. Friedrich Schrage. Th. Heinz. H. Shrempf. In der nächsten Nummer gedenken wir noch die Antwort Herrn Nast's mitzutheilen. Gedruckt bei Weber und Olshausen.