# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S277 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Trost eines Lutheraners aus der gnädigen Fürbitte Maria's. 277 Apologie nach ihrem irenischen Character hier, wie Carpzov ganz richtig bemerkt , den Gegnern nur eine Concession ex hypothesi macht, weil die Schrift weder für noch wider die Meinung spricht, daß die Heiligen im Himmel für die Kirche beten. Die Apologie sagt aber dies auch ausdrücklich im Vorhergehenden , da es heißt: „Wiewohl wir nachgeben, daß, gleichwie die lebendigen Heiligen für die ganze Kirche bitten in gemein oder in genere, also mögen für die ganze Kirche die Heiligen im Himmel bitten (orent) in gemein, in genere. Doch hat solches kein Zeugniß in der Schrift, denn allein den Traum, der genommen ist aus dem andern Buch Maccabaeorum.“ Daher heißt es denn auch in den von Luther aufgesetzten Schmalkaldischen Artikeln: „Wiewohl die Engel im Himmel für uns bitten, also auch die Heiligen auf Erden, oder vielleicht auch im Himmel.“ (Theil 2. Art. 2. b.) Hieraus kann denn Herr Diedrich ersehen, daß es allerdings unbiblisch, unlutherisch und närrisch ist, sich „der gnädigen Fürbitte Maria's zu getrösten.“ Denn was für ein Trost ist das, der keinen Grund in Gottes Wort hat, und auf Menschengedanken beruht, die man billig weder bekämpft noch vertheidigt, sondern eben, wie unsere Symbole thun, auf sich beruhen läßt! Es ist doch kläglich, daß Lutheraner, die die Symbole nicht durch und durch für die Stimme der katholischen Kirche erkennen, dieselben dazu benutzen, allerlei römische Brocken daraus herauszulesen, um diese dann als lutherische Kleinodien feilbieten zu können, während sie dann unglücklicher Weise etwas erfischen, was nicht auf dem Wasser des Bekenntnisses schwamm, sondern über ihre Brille lief. Pastor Diedrich schließt seine Apologie für den Satz, daß er sich der gnädigen Fürbitte Maria's tröste, mit den Worten: „Hiernach, lieber Freund, wirst du mich nicht in Verdacht haben, unnöthiges gesagt zu haben: jetzt mag es noch unnöthig scheinen: ich denke nach zwanzig Jahren wird man anders urtheilen.“ Hierin geben wir dem Schreiber vollkommen Recht, denn gewisse Lutheraner sind auf dem besten Wege, bald noch größere nach Papismus stark riechende Brocken verdauen zu lernen. Wir unsererseits gedenken unterdessen durch Gottes Gnade bei dem reinen Bekenntniß unserer Kirche zu bleiben, mögen dann eine Art Lutheraner uns immerhin deßwegen für Anbeter der ehernen Schlange oder eines papiernen Pabstes ansehen; jedenfalls ist uns ein solcher papierner Pabst, wie das liebe Concordienbuch ist, lieber, als der Pabst zu Rom. Denn dieser decretirt aus dem Schrein seines Herzens unter dem Titel der sichtbaren heiligen katholischen Kirche; jener „papierne Pabst“ aber decretirt nichts, sondern „glaubt, lehrt und bekennt “ mit uns, was da geschrieben steht in dem Wort, das da bleiben wird, ob Himmel und Erde vergeht, daher wir ihm mit Freuden seine Füße küssen.