# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S276 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 276 Trost eines Lutheraners aus der gnädigen Fürbitte Maria's. In der diesjährigen Mai⸗Nummer der „lutherischen Dorf⸗Kirchenzeitung “ sucht der Redakteur, Pastor Diedrich in Jabel im Königreich Preußen (der, beiläufig gesagt, ebenso unverständig als unchristlich auf Grund von Berichten unserer Gegner wider unsere Synode und deren Lehre eifert), den von ihm früher aufgestellten Satz zu rechtfertigen: daß er sich „der gnädigen Fürbitte Maria's getröste.“ Um zu beweisen, daß man von einer „gnädigen“ Fürbitte Maria's reden könne, geht der Genannte so weit, zu behaupten, daß man Maria selbst „eine Himmelskönigin“ nennen könne. Ja, dem Manne ist es in seinem Kampf für Maria so Ernst, daß er sich selbst zu der Aeußerung hinreißen läßt: „Wir sollen auch dicht an die Grenze rücken und unser Schwerdt, des HErrn Kreuz, in den Boden stoßen und rufen, wenn sonst einmal: hie Schwerdt des HErrn und Gideon! so für diesmal: hie Schwerdt des HErrn und Maria!“ Und kurz zuvor: „Christus hat uns auch seine Mutter gegeben: ich sage darum nicht, wir brauchten sie nicht zu haben: ich freue mich dessen, daß sie auch zu uns gehört und ehe ich diese Freude fahren lasse, will ich lieber über Scheidung von manchen andern trauern.“ Hernach: „Man solle den HErrn nicht seiner Mutter gegenüberstellen oder sie für sich allein hinstellen und dann sagen: Sie ist nichts.“ Man traut kaum seinen Augen, wenn man daran denkt, daß Solches ein Mann geschrieben haben soll, der durchaus ein orthodoxer Lutheraner sein will. In demselben Blatte redet zwar Herr Diedrich an einer anderen Stelle sehr verächtlich von dem treuen Festhalten an den Symbolen. Er schreibt: „Die Missourier sind durch ihren modernen (!) Begriff von unsichtbarer Kirche wesentlich unirt (!), mögen sie auch die Symbole verehren wie die Juden weiland die eherne Schlange.“ (Es ist dies bekanntlich der Vorwurf, den einst Spener den s. g. Orthodoxen gemacht hat. Wie sich doch die Scene bei diesen Herrn ändert!) „Die Symbole machen sie“ (die Missourier) „zum papiernen Pabste.“ Und was thut Herr Diedrich selbst? Zur Rechtfertigung seiner Tröstung mit der gnädigen Fürbitte Maria's beruft er sich auf die Symbole, weil es ihm dafür an Grund der Schrift fehlte! Er beruft sich nehmlich auf die Worte in der Apologie im 21. Artikel: „Ob nun gleich Maria , die Mutter Gottes, für die Kirche bittet.“ Dieses Citat beweist, daß es dem lieben Manne sicher nichts schaden könnte, wenn er die symbolischen Bücher ein wenig besser studirte, dann würde er erstlich aus der Vergleichung mit dem lateinischen Original der Apologie den rechten Sinn obiger citirter Worte herausgefunden haben, der ihn freilich an die Wacklichkeit seines Trostgrundes erinnert haben würde. Denn so heißt es im lateinischen Original: Ut largiamur , quod beata Maria oret pro ecclesia, das heißt, wenn wir auch zugeben wollen, daß die selige Maria für die Kirche bittet. Jeder sieht, daß die