# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S275 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Geschichte der römisch⸗katholischen Vereine ꝛc. 275 neben das oben entworfene Bild des Eifers ein anderes zu stellen, welches das Verständniß des ersteren erleichtert. So schreibt nehmlich der „Wahrheitsfreund für katholisches Leben“ ꝛc., der in Cincinnati erscheint, vom 3. Mai d. J. unter der Ueberschrift: „Ein kurzes Wort über das deutsche katholische Volksschulwesen in den Vereinigten Staaten“: „Abgesehen davon, daß die Katholiken keinen oder nur einen sehr beschränkten Gebrauch von den sogenannten Frei⸗ oder Staatsschulen machen können, obgleich sie ihren Antheil zur Erhaltung derselben auch beitragen müssen, und mithin angehalten sind, eigene Schulen auf eigene Kosten zu unterhalten: so wird doch im Verhältniß zu kirchlichen Leistungen wenig für Volksschulen gethan, und wir können es uns nicht verhehlen, daß im Allgemeinen von unsern geistlichen Obern dieser höchst wichtigen Angelegenheit viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Für weibliche Erziehung wird bedeutend mehr gethan als für männliche; denn der sogenannten Lehrschwestern gibt es eine ziemliche Menge, und für diese und ihre Institute wird stets mehr oder weniger große Sorgfalt getragen, obgleich auch dort nicht Alles Gold ist, was glänzt. Von manchen Schulen und Instituten von Schwestern eines religiösen Ordens geleitet, ziehen die Protestanten oft größere Vortheile als arme Katholiken. Unsere Knabenschulen und Gemeindeschulen beider Geschlechter sind oft übel berathen, und meistens bloß nur aus dem Mangel an guten Lehrern, die eigentlichen Beruf zum Erziehungsfache und die dazu nöthige Bildung haben. Man ist nur zu oft genöthigt, das höchst wichtige Geschäft der Erziehung der Kinder jungen Männern anzuvertrauen, die oft wenig oder gar keine pädagogische Bildung oder keinen Beruf dazu haben, oder denen es gar an beiden fehlt. Sollte diesem drückenden Uebelstande nicht auch abgeholfen werden können? oder sollten denn gar keine Hülfsmittel sich bieten? Wir glauben, das sollte nicht in das Reich der Unmöglichkeit gehören. Mit Schulbrüdern, die nicht im deutschen Geiste erzogen und gebildet wurden, und die keine gründliche Kenntniß der deutschen Sprache besitzen, ist sicherlich nichts geholfen. Die deutschen Katholiken haben in den Vereinigten Staaten Amerika's, wie wir oben bereits angedeutet haben, in wenigen Jahren Vieles und Großes geleistet. Wir zählen viele, zum Theil große und blühende Bisthümer mit verschiedenartigen wohlthätigen Anstalten — Priesterseminarien , Klöstern, Collegien u. s. w., wirklichen Erziehungsanstalten. Sollte nicht auch die Errichtung von Schullehrerseminarien möglich sein? Der Nutzen einer einzigen solchen Anstalt wäre für die deutsche katholische Bevölkerung unseres neuen Vaterlandes sehr groß. Bald würde sich eine solche Anstalt, gewiß allgemeinen Anklang findend, verzweigen und einem der größten Bedürfnisse — dem guten für unser Land und unsere Verhältnisse zweckmäßig erzogenen Schullehrer — wäre abgeholfen. Auch die Schwierigkeit, hoffnungsvolle , ausharrende Schullehrercandidaten zu diesem Zwecke zu erhalten, würde sich heben lassen. Möchte dieses kurze Wort, als ein Wort zu seiner Zeit, nicht ganz leer verhallen! oder möchte man wenigstens die gute Absicht desselben nicht verkennen ! Wenn man die Ungebundenheit und Rohheit unserer deutschen („katholischen “) männlichen Jugend ansieht, so beschleicht uns unwillkürlich eine gewisse Bangigkeit, und der beobachtende Menschenfreund fragt ahnungsvoll: Was soll aus unserer Jugend werden? — Soll es besser werden, so müssen wir bessere Volksschulen haben, und zu diesem Zwecke bedürfen wir besserer Lehrer.“