# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S274 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 274 Zur Geschichte der römisch⸗katholischen Vereine ꝛc. sich zu befleißigen, das Gotteshaus regelmäßig zu besuchen und gemeinschaftlich zum Tische des Herrn zu gehen. Nach der Auslassung des Domvicars Kolping in der Generalversammlung der katholischen Vereine zu Wien gibt es in Deutschland bereits sechszig katholische Gesellenvereine, die von bischöflicher Seite her mächtig favorisirt werden. Die Vereine vom heiligen Vincenz. Ein großer Eifer herrscht in der katholischen Priesterschaft, der in den einzelnen Gemeinden sich kundgebenden materiellen Noth entgegenzusteuern. In den Kreisen des Klerus spricht man sich dahin aus, daß die Armuth von Jahr zu Jahr überhand nähme, daß die größten Staatsmänner vergeblich nach Mitteln sich umsähen, dem Elende Einhalt zu thun; dabei zeige sich ein schrecklicher Abfall von Gott und seiner heiligen Religion, ein absonderlicher Unglaube und eine freche Sittenlosigkeit, dergleichen man in früheren Zeiten nicht gekannt; der gläubige Christ erkenne in diesen Erscheinungen einen Zusammenhang und gelange zu dieser Ueberzeugung, daß an den meisten Leiden der Zeit der Unglaube und die Sündhaftigkeit der Menschen schuld sei, welche von der Gerechtigkeit Gottes bestraft werden müsse; diese Gerechtigkeit Gottes wolle endlich durch die härtesten Prüfungen zum (römischen) Glauben und zum christlichen Wandel wieder zurückführen. Der ausgesprochene Zweck der Vincenzvereine, welche „mit kirchlichen Gnaden reichlich ausgestattet sind,“ ist, die Vereinsmitglieder in der römischen Frömmigkeit zu fördern und an andern armen Brüdern außerhalb des Vereinsverbandes Werke leiblicher und geistlicher Barmherzigkeit zu üben. Unter der Obhut der Priester wirkt der Verein in Wahrheit sehr erfolgreich für die Unterstützung Nothleidender; wie sehr dabei Gelegenheit vorhanden ist, die durch Noth, Krankheit und Entbehrung aller Art gestörten Gemüther der römischen Seelsorge zugänglich zu machen, leuchtet ein. Der Arme, der Kranke, der Verlassene findet bei seinem Priester nicht allein religiösen Trost, sondern auch pecuniäre Unterstützung, Pflege und Abhilfe seiner leiblichen Noth. Die Hedwigs⸗Vereine. Ihre Mitgliedschaft gehört der Frauenwelt an; sie verehrt, außer der heiligen Jungfrau und dem heiligen Vincenz von Paul, die heilige Hedwig als besondere Patronin, und bezweckt, materielle Noth unter den Armen zu lindern, ihnen Trost zu spenden und die Mittel der Kirche darzubieten. Die Führung eines echt christlichen Lebenswandels und die Lectüre religiöser Schriften soll ein zweites Bindemittel unter den Vereinsgenossinnen sein. In den Kreisen der Nothleidenden wird bei Darreichung milder Gaben durch weibliche Hand oft genug die Bahn geebnet werden können , auf der eine Anzahl Abtrünniger der „Mutterkirche“ wieder zugeführt wird. Anmerkung der Redaction. — Characteristisch ist es übrigens für die römische Priesterschaft, daß dieselbe sich zwar in den Gegenden religiösgemischter Bevölkerung ihres Volkes in jeder Weise annimmt, aber in den meisten der fast ausschließlich von Bekennern des Pabstes bewohnten Länder das arme Volk sich nur zinspflichtig macht. Wir können auch nicht umhin,