# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S272 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 272 Zur Geschichte der römisch⸗katholischen Vereine ꝛc. Diesem Missionswesen wurde von den Autoritäten des evangelischen Kirchenwesens, wenigstens in Preußen, nur sehr zag entgegengetreten. Die politischen Machthaber ließen in Deutschland die von Rom entsendeten Ordensgeistlichen lange gewähren, und so erwarb sich durch diese Volksmissionen die „Mutterkirche“ unter den Classen des Bürgerstandes und der Landbewohner zahlreiche „innerliche Bekehrte.“ Zur Unterstützung dieser Volksmission sind nun verschiedene Vereine entstanden, deren Zweck bald unmittelbar, bald mittelbar Missionsthätigkeit, Ausbreitung und Befestigung der römischen Kirche nach Innen und nach Außen ist. Unter diesen Vereinen ist zuerst der St. Bonifaciusverein zu nennen. Dieser Verein ist zum Besten der in protestantischen Ländern zerstreut lebenden Katholiken, „die nach dem Brote des Lebens hungerten und Niemanden fänden, der es ihnen breche,“ gegründet. In Pommern, Brandenburg, Schleswig, Holstein, Mecklenburg, Braunschweig u. s. w. wohnten, so war es in den „katholischen Vereinen“ zur Sprache gekommen, oft hundert römisch-katholische Christen in einer Ortschaft, wo es ihnen an einer Kirche, an einer Schule, an einem Priester fehle; Jahre lang könnten Viele von ihnen nicht zur Feier der „heiligen Religionsgeheimnisse“ gelangen, müßten der Gnade und der Stärke der heiligen Sacramente entbehren und beklagenswertherweise beim Tode ihr Auge schließen, ohne die „heilige Wegzehrung“ auf die Reise in die Ewigkeit erlangen zu können. Die eigentliche ausgesprochene Aufgabe des Bonifaciusvereins ist es, die geistlich verlassenen Katholiken, vornehmlich Norddeutschlands, „in der Segen spendenden Gemeinschaft der heiligen Mutterkirche zu erhalten.“ Diese Aufgabe sollte gelöst werden durch Herbeischaffung von Geldmitteln seitens der Vereinsmitglieder zur Begründung und Einrichtung katholischer Kirchen, Schulen und Missionsanstalten, sowie durch Gebete und in specie durch die tägliche Abbetung eines Vaterunsers und Ave Maria sammt den Worten: „Heiliger Bonifacius, bitte für uns!“ Von dem Papste und den Bischöfen ist der Verein durch Zuwendung kirchlicher Beneficien reichlich unterstützt worden und gelang es auch, so weit uns bekannt, in der Mark, in Pommern, in den Lausitzen katholische Missionsprediger zu stationiren, Gotteshäuser und Schulen einzurichten; besonders aber war man bestrebt, die Kinder katholischer, inmitten einer überwiegend protestantischen Bevölkerung lebender Eltern, der Gefahr zu entziehen, dem römischen Glauben und der römischen Lehre durch vorausgesetzte Einflüsse der von der Mutterkirche sich getrennt haltenden evangelischen Gemeinden entfremdet zu werden. Dem St. Bonifaciusverein steht helfend zur Seite der Verein vom heiligen Karl Borromäus, welcher in Bonn seinen Hauptsitz hat, und sich ausschließlich mit der Verbreitung „guter,“ echtkatholischer Schriften unter der gläubigen Christenheit beschäftigt. Bei der seltsamen Willfährigkeit der preußischen Regierung jede Art „frommen und kirchlichen Sinnes“ im Volke zu erwecken und zu beleben, erwarb sich der Verein nach einer Verordnung des