# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S271 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Geschichte der römisch⸗katholischen Vereine ꝛc. 271 lichen Gnade, die Gerechtigkeit Gottes, das Mahnen der Ewigkeit, die Nothwendigkeit der Bekehrung, die Schrecklichkeit der Sünde, die letzten Dinge, die Hölle, ihr Dasein und ihre Ewigkeit, und endlich die Schrecken der Verdammung. Ist — so spricht der von der Wirksamkeit der Volksmissionen erfüllte Dr. Buß — die Seele des Sünders so in die Angst der Verdammniß getaucht und mürbe gemacht, dann schildert ein zweiter, redefertiger Priester in der ganzen Fülle christlicher Liebe die unbegrenzte Barmherzigkeit Gottes, die Gnadenmittel der Kirche, zumal das Sacrament der Buße, die Reue, den Vorsatz, das Sündenbekenntniß, das neue Leben und die Vereinigung mit Christo in der heiligen Communion, den würdigen Empfang, die Versöhnung mit dem Nächsten und die Feindesliebe, die Liebe der heiligen Kirche und ihrer Institutionen; der Priester ermahnt zur Erneuerung des Taufgelübdes und zur Beharrlichkeit im Guten. So, meint Buß, wird die weichgewordene Seele des Volks von der Höhe seiner Berufung bis herab in die Tiefe des Sündenfalls und von da bis zur Lichthöhe der seligkeitbringenden Ewigkeit geführt und angeleitet, an dieser großen, ernsten Station ihre eigenen Zustände zu ermessen. Da hallen in der Missionszeit alle Stimmen der Ewigkeit und des Gewissens und der beide vermittelnden Kirche in diesem großen Wandelgang der Seelen zusammen; der eine Geist, der aus all den Missionspredigten spreche, der Donner des Gerichts, die wehmuthsvolle Klage des Gewissens und das Anleuchten der göttlichen Gnade sollen so erschütternd wirken, daß selten ein Sünder widerstehe. Zu diesen Messen und Predigten kommen die stundenlang andauernden „Lebens⸗ und Generalbeichten“ der Einzelnen, welche von einer großen Anzahl Geistlicher Tausenden abgenommen werden. Die feierliche Ertheilung des Missionsablasses soll schließlich den Dank der Bekehrten gegen Gott und die Kirche erwecken. Mit dem Geschäfte der Volksmissionen betraute man beredte, lebenserfahrene Ordensgeistliche, vorzugsweise großentheils noch in voller Manneskraft stehende Jünger Loyolas. Um einen Begriff von der Ausdehnung dieser Jesuitenmissionen zu geben, ist anzuführen, daß in dem Zeitraum seit 1849 bis gegen Ende vorigen Jahres nachweisbar lediglich von Vätern der Gesellschaft Jesu Volksmissionen im preußischen Staate nicht weniger als neunzig und einige vollzogen wurden. Außerdem berichten öffentliche Blätter über eine mehr oder minder beharrliche Missionsthätigkeit von Jesuiten in Oestreich, Baiern, Hannover, Würtemberg, Baden, den beiden Hessen, Nassau u. s. w. Nebenher wurden in deutschen Gauen vielfache Missionen zur „inneren Bekehrung“ des Volks ausgeführt von Franciscanern, Kapuzinern, Lazaristen, Minoriten und der Congregation des allerheiligsten Erlösers, durch Redemptoristen und Liguorianer. Mit vollem Zorn wetterte diese Schaar von Ordenspriestern von den Kanzeln herab gegen Alles, was in dem laufenden Jahrhundert dem Einfluß der Kirche und der Priesterschaft Abbruch gethan hatte, und verurtheilte die Herren der Literatur Frankreichs, Voltaire und Rousseau, und die in neuester Zeit so verheerende Glaubenslosigkeit.