# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S270 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 270 Zur Geschichte der römisch⸗katholischen Vereine ꝛc. sich die zu dergleichen „Exercitien“ angehaltene Priesterschaft acht, zehn bis vierzehn Tage hindurch täglich; allem weltlichen Verkehr in solch bedeutsamer Zeit entsagend, um religiösen Betrachtungen allgemeiner Natur, wie über Berufspflichten, sich hinzugeben und Unterweisungen zu empfangen. Die durch die Exercitien beabsichtigte geistliche Kräftigung und Inspiration geweihter Priester ist als die specifisch theologische Essenz, welche allein die Heilsmittel der Kirche zu gewähren vermag, zu betrachten. Aussetzung des s. g. Allerheiligsten, Gebete, Generalbeichte, gemeinschaftliche Communion, Segenertheilung mit dem Allerheiligsten sind bei diesen geistlichen Uebungen vorwaltend. Solche Exercitien sind demnächst auch mit katholischen Lehrern, Erzieherinnen, Schul⸗ und barmherzigen Schwestern abgehalten worden, welche man in gedachter Weise in ihrem Wirken für die Kirche und zum Seelenheil der Gläubigen neu zu beleben trachtete. Diese „geistlichen Exercitien“ der Priesterschaft gingen Hand in Hand mit den großartigen Volksmissionen, welche durch die Anstürmungen des Ronge'schen Deutschkatholicismus und die Unruhen in den Februartagen 1848 wider die römische Kirche ins Leben gerufen wurden. Ueber die Bedeutung dieser Volksmissionen verschafft uns ein Eingeweihter, Dr. Buß, befriedigenden Aufschluß, dessen Erläuterungen den Geschichtsbüchern unserer Zeit einverleibt zu werden verdienen. Die Volksmission, welche bei katholischen Gemeinden in der Regel acht bis vierzehn Tage dauert, wird am Vorabend des Beginnens feierlich eingeläutet. Mit frühestem Morgen, belehrt uns unser Gewährsmann, werden von zahlreichen Priestern die „heiligen“ Messen dargebracht. Während des ersten „heiligen“ Meßopfers wird von der Kanzel laut mit dem Volk gebetet für alle Anliegen. Diese besondern heiligen Messen werden mit dem Wunsche abgehalten, Gott möge zu der Missionsausführung seinen Segen und den anwesenden Gläubigen Erleuchtung und Gnade „zur wichtigsten Arbeit ihrer Seele“ geben. — Während der ersten heiligen Messe wird die „öffentliche Gewissenserforschung“ mit dem Volk vorgenommen über die zehn Gebote Gottes, die „fünf Gebote der Kirche“ u. s. w. in Form einer Betrachtung, so daß auf eine gewandte Weise das Volk, gleichen Schritt mit der Meßhaltung des Priesters einhaltend, unter Gebeten „zur Einsicht in das eigene Gewissen gelangt.“ Die Priester feiern von 5½ bis 9 Uhr die Messe, sitzen Beichte, und spenden das Abendmahl. Um 9 Uhr wird die erste und Hauptpredigt gehalten; sodann folgt das allgemeine Gebet und nach diesem vor dem ausgesetzten hochwürdigsten Gute ein feierliches Hochamt. Nachmittag wird die Feierlichkeit eröffnet durch Gesang, dem eine Predigt über Standes⸗ und Berufspflichten sich anschließt. Alle priesterlichen Betrachtungen und Vorträge gehen darauf hinaus, den „Bußeifer“ zu erwirken. Die von mehreren sich ablösenden Ordensgeistlichen gehaltenen Predigten behandeln die Bestimmung und das Endziel des Menschen hienieden, die menschliche Freiheit, das Bedürfniß der gött⸗