# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 07 25_S95 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) erst am jüngsten Tage wiedersehen und wer sich nicht dieser einstigen Auferstehung des Fleisches, von welcher Paulus rede, im Glauben tröste, sei gar kein Christ. Dann aber werde auch an Luther erfüllt werden Dan. 12, 3.: die Lehrer werden leuchten ꝛc., und Hiob. 19, 25. 26.: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt ꝛc. Da werde er reden, wie er selbst gesagt, von den harten Kämpfen, welche er an die 29 Jahre mit dem Teufel gehabt, in großen wichtigen Händeln, z. B. über dem Reichstag zu Augsburg, über den Sacramentstreit ꝛc., wovon hier auf Erden kein Mensch hinlängliche Nachrichten hätte erhalten können. Um diesen lieben jüngsten Tag, als den Tag der Erlösung, sollten wir fleißig Gott bitten und obgleich die Welt den Artikel von der Auferstehung des Fleisches (also auch schon damals!) für lauter nichts hielte, so sollten wir doch an diesem in der heil. Schrift hinlänglich geoffenbarten Geheimniß festhalten zu unserm Troste in allerlei Trübsal, wie sich dessen Dr. Luther getröstet habe. Im dritten Theile endlich redet er davon, daß auf den Tod dieses großen Propheten gewiß etwas Großes erfolgen werde; denn wie auf den Tod der heiligen Propheten des A. Test. immer eine große Strafe Gottes gefolgt sei, so werde auch über Deutschland, wenn es sich nicht bessere, und namentlich über die verstockten Papisten eine greuliche Strafe nach Luthers Tode hereinbrechen. Wie aber die Kirche Christi nach des heil. Augustins Tode durch die Kraft des Gebets 200 Jahre lang das Wort Gottes behalten habe, so sollten die Zuhörer auch um fernere Erhaltung des Wortes Gottes bitten, wie es denn Luther an vielen nachdrücklichen Ermahnungen und Warnungen nicht habe fehlen lassen, z. B. in seiner Hauspostille am 10. Sonntag nach Trinit. Endlich beschließt Jonas mit dem bereits angeführten Spruche Luthers: „Im Leben war ich, o Pabst, deine Pest, im Tode werde ich dein Tod sein.“ Nach vollendeter Leichenpredigt ließ man die Leiche in der Kirche stehen, und von 10 Bürgern bewachen. Am Abend dieses Tages (19. Febr.) kam der Bote von Torgau mit der Antwort des Churfürsten an Dr. Jonas zurück, der ein Schreiben an die Grafen von Mansfeld beigelegt war, worin es heißt: Der Churfürst habe mit hochbetrübtem und bekümmerten Gemüthe die Nachricht von dem Tode Luthers vernommen; dann setzt er hinzu: Wiewohl wir am liebsten gesehen, er wäre als ein alter, abgearbeiteter Mann mit diesen Sachen verschont geblieben. Er begehrte nun, sie wollten den Leichnam nach Wittenberg zur Beisetzung in der Schloßkirche verabfolgen lassen und bis Bitterfeld geleiten. (Luthers Werke XXI, 296.†) Auf dieses Schreiben ertheilten die Grafen von Mansfeld unverzüglich ihre Antwort, an deren Schlusse es also heißt: Ungeachtet, daß wir die Leiche des hochtheuren, von Gott mit unaussprechlichen Gaben begnadeten Mannes gerne in der Herrschaft behalten wollten, so wollen wir doch Ew. Churfürstl. Gnaden zu unterthänigem Gehorsam unbeschwert sein, die Leiche auf den Sonntag zeitlich, als vor 12 Uhr zu Bitterfeld zu haben. (Hoffmanns Säcularschrift S. 37.) Ehe nun dies geschah, so wurde vorher als am Sonnabend (den 20. Febr.) noch eine Leichenpredigt von M. Cölius gehalten. Er war im Jahr 1522 von den Papisten verjagt und von Luther den Grafen von Mansfeld zum Hofprediger empfohlen worden, welche Stelle er 34 Jahre lang bis zu seinem Ende begleitete, und sich namentlich auch nach Luthers Tode dem Eindringen von allerlei Irrthümern mit großem Eifer widersetzte. Da nun seine von Spangenberg herausgegebenen Schriften ganz unbekannt geworden sind und der enge Raum nicht einmal die wörtliche Mittheilung seiner vortrefflichen Leichenpredigt (wie dieselbe in Luthers Werken, Walchs A. XXI, 303, Altenb. VIII, 835 und Lpz. A. XXI, 699 zu finden ist,) verstattet, so soll wenigstens ein Auszug daraus gegeben werden, der, wie die Weintraube, welche die Kundschafter aus dem Lande Canaan brachten, zum Zeugniß dienen soll, wie damals mancher uns jetzt unbekannte Prediger das Reich Christi gefördert habe und wie namentlich an jener Predigt der Stamm, auf welchem sie gewachsen, nämlich die Schule Luthers, wahrzunehmen sei. Nach einer kurzen Erklärung der Textesworte Jes. 57, 1. wird gezeigt, was Luther für ein Mann gewesen sei; er stamme von ehrlichen, frommen Eltern ab und habe viele Tugenden, als Mäßigkeit, Zucht ꝛc. gehabt. Seinem Amte nach aber sei er ein rechter Elias, oder Jeremias, ein Johannes der Täufer, oder Vorläufer vor dem Tage des HErrn und ein Apostel gewesen. Wie nun zu den Zeiten dieser heiligen Männer Gottes viele Abgötterei im Schwange ging, so war es auch zu der Zeit, da Luther auftrat, durch den papistischen Antichrist so weit gekommen, daß die Schafe Christi nach Ezech. 34, 56. zerstreut und ohne Hirten waren; und wie Elias die Pfaffen des Baal getödtet, so habe Luther mit dem Schwert des göttlichen Worts die Meßpfaffen und ihren Abgott umgestoßen. Luther habe die Bibel nicht nur wieder aus dem Staube hervorgezogen, sondern uns auch das rechte Verständniß derselben eröffnet und dies besonders dadurch, daß er den Unterschied des Gesetzes und Evangelii recht und deutlich gezeigt habe, der früher selbst vielen theuern Kirchenvätern nicht so klar gewesen wäre, so daß man besonders zu den Zeiten des Pabstthums in Anfechtungen und Todesnöthen keinen solchen großen Trost habe finden können, wie wir ihn nun Gottlob durch Luthers Dienst reichlich bekommen und an ihm selbst bei seinem seligen Abschiede wahrgenommen haben.“ Ob wir nun gleich den Tod dieses Elias betrauern sollen, so sollen wir doch auch nicht unterlassen, mit dem Elisa nach dem Mantel dieses Eliä zu greifen, welches sind seine Bücher, welche er aus Eingebung Gottes Geistes geschrieben und hinter sich verlassen, auf daß wir auch seines Geistes daraus empfahen. Denn ob er nach dem Leibe gestorben, so lebt er aber nach seinem Geist und in seinen Büchern, er wird auch, wills Gott, mit seinen Schriften nach seinem Tod des Pabstes Tod sein, wie er bei Leben seine Pestilenz gewesen ist, und mögen uns nun also zu denselbigen Büchern halten, sie lieb und werth haben, die uns auf die heilige Schrift weisen und Gott dafür danken.“ (Welch' eine kräftige und geistreiche Empfehlung der Schriften Luthers! Ach, wäre sie besser befolgt worden, es stände besser um die lutherische Kirche.) Im zweiten Theile redet Cölius von Luthers Ende; er begegnet dabei im Voraus allerlei selbst erdachten Erzählungen und sagt, daß solche nur von dem Vater der Lügen herkämen, der dadurch der rechten Lehre schaden wolle. Treffend bemerkt er, Luther habe nicht erst vergangene Nacht angefangen zu sterben, sondern länger als ein ganzes Jahr sei er immer gestorben, d. i. mit Gedanken des Todes umgegangen. Hierauf erzählte er von den letzten Stunden Luthers und zwar als ein Augenzeuge, indem er sagt: „Wir wollens auf unser Gewissen nehmen und wollens am Tage des HErrn geständig sein und zeigen, daß mit seinem Abschied also und nicht anders ergangen,“ wobei er sich noch auf den schon angeführten Bericht beruft. Dies alles aber sollte uns dazu dienen, daß wir damit die Lügen der Widerwärtigen von Luthers Tode widerlegen können und auch uns auf unser Ende bereiten lernen. Im dritten Theile beantwortet Cölius die Frage, warum Luther gerade zu einer solchen Zeit gestorben sei, wo man seiner so sehr bedurft hätte, da die Feinde, insonderheit auch das Concilium zu Trident aufs Neue drohten, das Wort der Wahrheit zu unterdrücken. Man könnte nun aus der Vernunft mancherlei Ursachen anführen, als sein Alter, die rauhe Jahrszeit ꝛc., allein solche Gedanken führten uns nur auf ein ungestümes Meer voller Unruhe; um aber zum sichern Hafen zu kommen, müßten wir uns allein an den Glauben des göttlichen Worts halten, daß es also der Wille Gottes gewesen sei. So lasse Gott oft kleine Kinder sterben, um mit ihnen aus diesem bösen Leben zu eilen, Tyrannen nehme er hinweg, um vor ihnen seine Kirche zu erhalten. Der heiligen Propheten Tod aber ziehe gewöhnlich große Strafen Gottes nach sich, weil ihr Wort oft nicht angenommen, sondern verachtet werde; eben deßhalb habe Gott Luther weggenommen und zwar nicht nur um solcher Sünden willen der Papisten, sondern besonders auch um des sündlichen Lebens willen der Evangelischen, denn es stehe allenthalben unter dem großen Haufen, wie es Hos. 4, 1 — 3. beschrieben werde, und ob wir gleich Buße thäten, so wäre doch zu besorgen, daß es bei vielen gehen werde, wie der Text sagt: „Der Gerechte kommt um“ ꝛc., worauf dann gewiß Gottes Strafe folgen werde, darum sollten wir uns alle ernstlich zu Gott wenden. Im vierten Theile endlich redet Cölius davon, was jetzt Luthers Thun und Wesen sei, und sagt, dem Leibe nach schlafe er (er ist zum Frieden kommen, ruhet in seiner Kammer), die Seele aber schlafe nicht, sondern lebe, wache und wirke, (wie aus Luc. 16 von Laza—