# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S267 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Geschichte der römisch⸗katholischen Vereine ꝛc. 267 eine und Institute ihren Einfluß um Vieles vermehrt. Sie wurde dazu durch die religiösen und politischen Stürme veranlaßt, welche sie besonders in Deutschland bedrohten, nämlich durch die deutsch⸗katholische Spaltung und die freien Gemeinden einerseits, und durch die Revolution des Jahres 1848 andererseits. Nachdem die Dissidenten auf dem Wege der Gesetzgebung in die engsten Grenzen zurückgedrängt worden waren, und die allgemeine politische Reaction auch eine religiöse Reaction begünstigt, ja erfordert hatte; sah die römische Kirche eine für sie glücklichere Zeit anbrechen. Der Rückblick auf das letzte Lustrum zeigt uns die römische Hierarchie in so angestrengter und erfolgreicher Thätigkeit , daß, wer ihr Antichristenthum nicht anders woher kennt, auf den ersten Blick fast an ihre Unsterblichkeit glauben und Rom fast im Ernst das „ewige“ nennen möchte. Neue Klöster wurden seit 1850 begründet — so zu Annaberg bei Kotel, zu Neustadt und Lammsdorf in Schlesien für Franziskanermönche. Es wurden in den letzten 5 Jahren die mannigfachsten Vereine für Volksmission , für geistliche Exercitien der Priester und Lehrer, für Dienst⸗ und Hilfeleistungen aller Art gegründet. Bischöfliche Synoden zur Berathung dessen, was heutiger Zeit der römischen Kirche Noth thue, wurden veranstaltet. Bei den legislatorischen Körperschaften betheiligte man sich lebhaft, trat schärfer gegen Mischehen auf, mengte sich, mit Recht und mit Unrecht, in das öffentliche Erziehungs⸗ und Schulwesen, wie besonders hier in den Vereinigten Staaten, unternahm literarische Productionen, griff auf vielfache Weise in das Familienleben ein, und suchte überhaupt mit Lebensklugheit der römischen Propaganda überall Bahn zu brechen. Was in diesem Zeitraum confessionellen Aufschwungs in der römischen Kirche hinsichtlich kirchlicher Vereine geschehen ist, und welches ihre spezielleren Tendenzen und äußeren Gestaltungen sind, soll im Folgenden mit möglichster Prägnanz besprochen werden; die Data sind einer in Deutschland vielgelesenen Zeitschrift entnommen. Die fast in allen der römischen Kirche angehörenden größeren Gemeinden ins Leben getretenen sogenannten „katholischen Vereine“ hielten unter dem Vorsitz katholischer Priester oder glaubensfester katholischer Laien regelmäßige und häufige Versammlungen ab, für welche man durch originelle und eindringliche Vorträge städtische und Landbewohner zu interessiren wußte. Als den Hauptzweck dieser Associationen gab man an: die zu erstrebende wechselseitige Erhebung und Erbauung und die Förderung reger Theilnahme für die höchsten und ewigen Zwecke der Menschheit, die Wahrung des alten Glaubens und der alten Sitten vor den Gegnern des Christenthums, vor den Kindern dieser Welt, die weder an Gott noch an eine Ewigkeit glaubten. Das lebendige, in den Versammlungen gesprochene Wort sollte der Lectüre katholischer Erbauungsschriften und den Segnungen des Kirchenbesuchs nachhelfen, die kirchlich Gesinnten enger an einander knüpfen. F. J. Buß spricht sich in seinem Werke: „Die Aufgabe des katholischen Theils deutscher Nation oder der katholischen Vereine Deutschlands“ (Regensburg, bei J. Manz 1851) dahin aus, daß die katholischen Vereine gestreute Keime einer geistigen, sittigenden