# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S266 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 266 Zur Geschichte der römisch⸗katholischen Vereine ꝛc. auch wider Papisten und Schwärmer, desto mehr treuen Fleiß wird er auch anwenden, 1. daß sie in dem Verstande jedes Einzelnen seiner Kirchkinder Wurzel fasse und zur lebendigen Erkenntniß werde; 2. daß aus der rechten Erkenntniß des Gesetzes in jedem Einzelnen Reu und Leid über sein sündliches Verderben aus Adam entstehe; 3. daß aus der rechten Erkenntniß des Evangeliums durch die Gnade des heil. Geistes in jedem Einzelnen der gerecht⸗ und seligmachende Glaube an Christum gewirkt werde; 4. daß dieser Glaube durch den Antrieb des heil. Geistes in der Liebe zu Gott und Menschen und in allerlei christlichen Tugenden und rechtschaffner Gottseligkeit aus jedem Einzelnen immer lebendiger herausbreche und den Widerstand des Fleisches um so kräftiger besiege. Wiederum, je treuer eben der Fleiß des lutherischen Pastors ist, die reine Lehre, nach Gesetz und Evangelium , auf jedes Einzelnen, seiner Kirchkinder anzuwenden und demselben zuzueignen, und je mehr er auch hierin die Erfahrung macht, daß Gottes Wort nicht leer zurückkehrt, sondern entweder erweicht und bekehrt durch Gottes Gnade, oder verhärtet und verstockt durch des Menschen und des Teufels bösen Willen und nachgehends aus Gottes gerechtem Gericht: — desto lebendiger wird sein Eifer um das theuerwerthe Wort Gottes entbrennen, das ihm vertraut ist und das auch aus seinem schwachen Munde zu Gottes Ehre und der Menschen Heil seine uralte und immer neue Kraft beweist, und desto praktischer und erbaulicher in seelsorgerischer Hinsicht werden auch seine öffentlichen Predigten werden; „denn wer da hat, dem wird gegeben.“ Umgekehrt dagegen, wenn ein lutherischer Pfarrer wohl die reine Lehre vorträgt, ja mitunter auch um ihre Formgerechtigkeit eifert, gleichwohl keine reine Liebe in der treuen Mühe und evangelischen Sorgfalt um die einzelnen Seelen beweist , so wird er sicherlich immer mehr entweder als ein bloßer Miethling und Bauchdiener, oder als ein geistlicher Geschäftsmann, als ein tönendes Erz und eine klingende Schelle, oder gar als ein kirchlicher Amts⸗ und Bauherr, als ein hierarchischer Despot sich herausstellen, der unter dem Namen des göttlichen Wortes und unter der Form des Amtes doch nur seinen Bauch, Beutel, Ehre und Wohlleben sucht. (Eingesandt von Pastor Stephan.) Zur Geschichte der römisch⸗katholischen Vereine in der Gegenwart. *) In neuester Zeit hat die römisch⸗katholische Kirche theils durch Gründung neuer „kirchlicher“ Vereine, theils durch Consolidirung schon bestehender Ver⸗ *) Diese kurze Darstellung der erstaunlichen Regsamkeit im römischen Lager, nicht nur in dem noch innegehaltenen Gebiete den erstorbenen religiösen Eifer in romanistischem Sinne zu beleben, sondern auch neues Gebiet zu gewinnen, dürfte geeignet sein, jene so nöthige Vorstellung von der neuen Erhebung und Erstarkung des Pabstthums zu geben und den Eifer des rechtgläubigen Christen zu entzünden; denn „eifern ist gut, wenn es immerdar geschieht um das Gute.“ Gal. 4, 18. D. Red.