# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S265 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 265 und besser als die Papisten der reinen und allein seligmachenden, nicht Kirche, sondern Lehre zu rühmen weiß, die er mit seiner Kirche glaubt, bekennt und lehrt, so ist er doch nicht in dem Wahn ge⸗ und befangen, daß die äußerliche Zugehörigkeit zur lutherischen Kirche und das Getauftsein die Lutheraner zu Christen mache. Eben so wenig vermeint er, ein großes Ding erreicht zu haben, wenn diese und jene seiner Kirchkinder diese und jene Sünde lassen, die weltlichen Lüste meiden, diese und jene Werke zur Erhaltung und Ausbreitung der Kirche thun, diese und jene Art und Weise der geistlichen Uebungen befolgen , diese und jene Form der Gottseligkeit annehmen. Sein Absehen ist, wie in dem Handeln der öffentlichen Predigt, so auch in der besondern Seelenpflege jedes einzelnen der ihm befohlenen Schafe und Schäflein Christi einzig und allein dahin gerichtet, daß jedes derselben zum gerecht⸗ und seligmachenden Glauben an Christum und aus Kraft desselben und des in ihm empfangenen heil. Geistes zum Anfang eines neuen Gehorsams, eines geistlichen Lebens und rechtschaffener evangelischer Gottseligkeit gelange; und als stetiger Antrieb für die Erreichung dieses Endziels aller seiner Arbeit der Liebe, ob Gott wollte, an jedem Einzelnen seiner Kirchkinder steht es ihm vor der Seele, wie bereits oben gedacht, daß der Vater für jeden Einzelnen des eigenen Sohnes nicht hat verschont; daß unser Herr Christus, Gottes und Mariens Sohn, für jeden Einzelnen das ganze Gesetz erfüllt und den Fluch desselben also getilgt , daß Er sein ganzes heiliges theures Gottesblut für jeden Einzelnen vergossen ; — daß der heil. Geist jedem Einzelnen durch die heil. Taufe und mittelst des Glaubens Christum und sein ganz Verdienst zugeeignet hat. Daraus fließt nun sein Theuer⸗ und Werthhalten jedes Einzelnen der ihm von dem Herrn befohlenen Pfarrkinder, es möge dieses nun empfänglich und vertraulich ihm gleichsam auf halbem Wege entgegenkommen und die Lehre, Zucht und Trost des göttlichen Wortes aus seinem Munde mit Willigkeit annehmen, oder fremd, scheu, spröde und mißtrauisch gleichsam von Ferne stehen, ja zuerst fast vor ihm fliehen; denn nicht das persönliche Verhalten seiner Kirchkinder gegen ihn bestimmt das seine gegen sie, sondern das väterliche Herz seines Gottes, die Liebe Christi, das herzliche Erbarmen und der brünstige Rettungstrieb des heil. Geistes in ihm, der gerade die weit abgeirrte Seele um so gefährlicher in des Satans Stricken gefangen erkennt und Alles daran setzt, sie daraus zu erretten; die Liebe, die alles verträgt, die alles duldet, die alles hofft und die nimmer ermüdet — sie ist gleichsam das Herz und die Seele seiner Seelsorge für die Einzelnen, und in einem treuen lutherischen Hirten eben so groß, als sein Eifer um die reine Lehre zum Heile des Ganzen; denn die Liebe der Wahrheit aus Gott, und die Wahrheit der Liebe zu den Menschen , sonderlich aber zu den Glaubensgenossen und noch specieller zu seinen Pfleglingen in Christo wohnen in ihm einträchtig zusammen und stehen mit einander in lebendiger und lieblicher Gemeinschaft und Wechselwirkung; denn je heiliger sein Ernst und je brünstiger sein Eifer um die Bezeugung, Erhaltung und Fortpflanzung der reinen Lehre, der Wahrheit zur Gottseligkeit ist,