# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S263 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden warhaft lutherischen Gemeinden gegründet ꝛc. 263 Diener des Worts, an Christi Statt und im Auftrag der Kirche, als der Gemeine der Gläubigen, absolviren, der nur ein Knecht und blinder Anbeter des Papstes, als seines irdischen Gottes ist, an dessen Stelle er das Beichtkind richterlich lossspricht, wenn es — der Glaube an Christum ist hier nicht nöthig — nur verspricht, diese und jene Gebete, Fasten und Almosen zu thun als stellvertretende Genugthuungen und Büßungen für seine Sünde? Wie kann aber solche Absolution das durch das Gesetz erwachte, blöde und erschrockene Gewissen des also Absolvirten zufrieden stellen, da dieses ihm, wenn er die aufgelegten Satisfactionen noch so genau und pünktlich zu erfüllen versucht, doch immer vorwirft, daß diese vorgeblich verdienstliche Werkerei doch nicht aus wahrer Liebe zu Gott, sondern nur aus Furcht vor den zeitlichen Strafen seines geistlichen Gerichtsherrn und vor den ewigen des gerechten Gottes stammen, mithin gar keine verdienstliche, sondern vielmehr eine verdammliche Werkerei sei? Summa, evangelische Seelsorge von einem römisch⸗katholischen Priester, so weit er eben Papist *) ist, zu erwarten, ist schlechthin unmöglich; in seinem Beichtstuhle müssen durchaus die Vermessenen noch vermessener, die Verzagten noch verzagter, und durch solchen amtlichen Seelenmord die Hölle immer mehr bevölkert werden. Solche hierarchische Seelenverderber können einen heilsamen Warnungsspiegel für solche lutherische Pfarrer abgeben, die eine romanisirende Ansicht vom kirchlichen Lehramt hegen und vorläufig bereits in dem Wahn stehen, daß auch ihre Seelsorge an den Einzelnen erst durch das Amt, das sie bekleiden, recht kräftig und wirksam werde und nicht Gottes Wort wesentlich und eigentlich alles in Allem thue. Eben so unmöglich ist die evangelische Seelsorge der Einzelnen von spiritualistischen und schwärmerischen Predigern, die in dieser oder jener Lehre des Heils Gottes Wort, wie es lautet, bei Seite und ihren Vernunftdünkel und schwärmerischen Wahn an dessen Stelle setzen oder eine dem einfältigen Wortverstande und der Glaubensregel widerstrebende Auslegung, zu Gunsten ihrer menschlich vorgefaßten Meinung, einer Beweisstelle der heil. Schrift unterschieben und sie dadurch fälschen. Wie könnte z. B. ein Methodistenprediger , der den Wahn einer hienieden erreichbaren und die Anforderungen des göttlichen Gesetzes, das da geistlich ist, durchaus entsprechenden persönlichen Vollkommenheit der Gläubigen hegt und pflegt und schnurstracks wider Röm. 7, 14—25. und 1 Joh. 1, 8—10. und aus Betrug des feinsten Hochmuthsteufels in Lichtengelsgestalt denselben sogar öffentlich bekennt und lehrt — wie könnte ein solcher ein evangelischer Seelsorger sein? — Denn wie müßte er folgerichtig z. B. einen um seinen Fortschritt in der Heiligung gerade be⸗ *) Martin Boos z. B. war — wie aus seiner Biographie von Joh. Goßner er sichtlich ist — zwar, aus einer falschen Pietät und Unklarheit der Erkenntniß, noch in der äußerlichen Zugehörigkeit zur römischen Kirche; in seiner persönlichen Gesinnung aber und deren Beweisung im Predigen und in der Seelsorge war er nichts weniger als papistisch, sondern durchaus evangelisch, d. i. lutherisch.